Microsoft kündigt X-Box an
Seit dem 10. März ist offiziell, was monatelang Hauptthema aller Gerüchteküchen der Gamesindustrie war: Microsoft plant für Ende 2001 die Veröffentlichung seiner Spielekonsole X-Box. Das Prozessorherz der Maschine wird entgegen Spekulationen nun doch von Intel sein.
Mit Veranstaltungen in Tokio, London und San Jose trug Microsoft die Nachricht um die Welt: Ende 2001 steigt der Konzern mit der X-Box in das Konsolenhardwaregeschäft ein. Nur ein erlesener Kreis von Journalisten durfte in Tokio und London erste Demos sehen und erste Fragen stellen, bevor Bill Gates auf der Game Developer Conference (GDC) in San Jose seine Visionen dem anwesenden Fachpublikum darlegte. "Die X-Box ist ein neuartiges Gerät, das unsere fortschrittlichsten Technologien vereint", erklärte der Gründer, Chairman und Chief Software Architect von Microsoft.
Wenige Stunden zuvor hatte J. Allard, General Manager X-Box Plattform und intern "Minister of Fun" genannt, die X-Box im Londoner Hotel The Hempel von der "Next Generation-" zur "Future Generation"-Konsole befördert. Summa summarum stellt die X-Box das Ergebnis intensiver Marktforschung bei Konsumenten und Entwicklern dar, gepaart mit technologischen Errungenschaften von Microsoft und seinen Partnern wie nVidia und Intel. Verständlicherweise war es Microsoft nicht möglich, 18 Monate vor Release die Vielzahl an Details zu nennen, die sich manch einer gewünscht hätte. Die Konsole werde als reine Spielekonsole für das Wohnzimmer zu einem wettbewerbsfähigen Preis vermarktet, wichen die Verantwortlichen der anwesenden Presse aus. Neben der Preisfrage ist auch das Design noch unklar.
Der gezeigte Vorprototyp in Form eines schicken "X" wird sich wohl kaum Ende 2001 im Handel wiederfinden. Fotografieren war deshalb unerwünscht. Abgesehen von den unbeantworteten Fragen, ließen die Spezifikationen und die Demonstrationen dennoch ahnen, welche Power mit X-Box auf den Markt kommen wird. Den größten Vorteil für sich sieht Microsoft in der Softwareentwicklung. Dank der Verwendung bekannter Tools wie DirectX müssten Entwickler nicht bei null beginnen und erst nach und nach die Möglichkeiten des Geräts ausloten. Spiele in hervorragender Qualität zum Release werden möglich. Microsoft setzt aber dabei nicht nur auf Third-Party-Firmen, auch wenn von Acclaim über Activision, Eidos, Electronic Arts und Hasbro Interactive bis hin zu Konami fast stündlich bekannte Firmen ihre Entwicklungsabsicht für X-Box bekunden.
Der Softwareriese will auch selbst eine breite Software-Range anbieten und hat deshalb eine eigene Games-Division ins Leben gerufen. Diese wird von Robbie Bach, VP der Home and Retail Division, geleitet. Ihm zur Seite stehen Rick Thompson, VP, und Ed Fries, General Manager der Gamesabteilung. Fries wird die First-Party-Entwicklung für X-Box steuern. Weiterhin ist anzunehmen, dass Microsoft mit der X-Box auch sein Engagement im PC-Spielebereich ausbaut. Zwar sind beide Systeme nicht kompatibel, doch aufgrund der architektonischen Ähnlichkeiten dürfte eine Konvertierung nicht allzu schwer fallen.