Die edut@in 2001 brachte es wieder an den Tag: Lernsoftware wird im Schulunterricht bislang kaum eingesetzt. Und das, obwohl Lehrer daran interessiert sind und die Anbieter geeignete Info- und Edutainmenttitel bereithalten.

Quo vadis? Was die Anwendung von Lernsoftware im Unterricht betrifft, kann man diese Frage derzeit noch mancher Schule stellen. Auch Lehrreiches aus dem Internet wird in Bildungsstätten bislang nur spärlich eingesetzt. Zu wenig für manche Anbieter und Nutzer elektronischer Lern- und Lehrangebote. Derzeit scheint aber keine Lösung für das Problem des Einsatzes von Info- und  Edutainmentprodukten im Unterricht in Sicht. Ist es Pädagogen möglicherweise gleichgültig? Wie wichtig Multimedia für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen ist, war ein zentrales Thema der edut@in 2001 in Karlsruhe. Allerdings blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück: Nur 2000 Besucher fanden sich Anfang Mai auf dem zweitätigen Fachkongress mit begleitender Messe ein; der Veranstalter, die Karlsruher Kongress- und Ausstellungs-GmbH, hatte mit 2500 gerechnet. "Aber wir sind zufrieden. Gegenüber dem Vorjahr haben wir bei den Besuchern einen Zuwachs von 30 Prozent", sagte Projektleiterin Kenia Merz. Um mehr Besucher zum Messeort Kongresszentrum Karlsruhe zu locken, hatte der Veranstalter die Ausstellungsfläche in diesem Jahr nahezu verdoppelt: Auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern zeigten 50 Unternehmen ihre Produkte.

Dazu gehörte auch Digital Publishing: "Zwar hatten wir auch nicht-pädagogisches Publikum am Stand, aber auch viele Lehrer haben sich nach unseren Produkten erkundigt", resümierte Sina Wolf, Pressesprecherin von Digital Publishing. Als Grund nannte sie, dass sich Pädagogen mehr und mehr um das Thema Lernsoftware kümmerten, "um ihren Schülern etwas zu bieten". Auch am Stand des Cornelsen Verlags berichtete man nur Positives über Erzieher. Ulrike Heuer, freiberufliche Promoterin für Lernsoftware bei Cornelsen, sagte: "Die Lehrer haben ein reges Interesse an unseren Softwaretiteln gezeigt."Neugier auf Info- und Edutainmenttitel ist bei Pädagogen offenbar vorhanden. Theoretisch könnten sie sich aus der Vielzahl der Lernangebote auf CD-ROMs und im Internet für den Unterricht passende Inhalte aussuchen.

Doch gerade diese Informationsmasse erschwert den Einsatz von Multimedia im Unterricht. Das verdeutlichte Wolfgang Bergmann vom Institut für Lernförderung und Familienberatung: "Eine neue Technologie muss mit einer inhaltlichen Veränderung verbunden werden." Das heißt, Konzepte für den Unterricht müssten modifiziert werden. Denn Wissen vermehrt und verändert sich durch das Internet ständig. Daher sei im Gegensatz zum Unterricht mit Buch und Tafel eine dezentrale Vermittlung von Wissen erforderlich. Eine einheitliche Didaktik für eLearning existiere in Deutschland aber bislang nicht. Solch eine Didaktik allein würde nach Ansicht von Manfred Wohlrab, Vertriebsleiter Südwest im Cornelsen Verlag, das Problem des Einsatzes von Multimedia im Unterricht auch nicht lösen. Vielmehr müssten Anbieter von Info-/ Edutainmenttiteln und Lehrer den Dialog über Lernsoftware vertiefen. "Wir würden von den Pädagogen gern wissen, welche Programme sie genau haben möchten", sagte Wohlrab. Nur so könnten Anbieter Produkte entwickeln lassen, die Erzieher für ihre Arbeit brauchen. Darüber werde an Schulen aber zu wenig gesprochen. Generell dürfe sich der Einsatz von Info- und Edutainmentprodukten nicht darauf beschränken, "dass Schulklassen im Rahmen ihres Englischunterrichts zweimal pro Jahr in den Computerraum gehen". Auch können Lehrer Lernsoftware nur dann in den Unterricht integrieren, wenn Schulen mit leistungsfähiger Hardware ausgestattet sind. Nach den Vorstellungen Manfred Wohlrabs sollten deswegen in jedem Klassenzimmer Computer und ein Beamer stehen. "An der Ausstattung kommt keiner vorbei", so der Cornelsen-Vertriebsleiter.

Bereits während der Bildungsmesse 2001, Ende Februar in Hannover, bemängelte der Verein VdS Bildungsmedien, dass neue Medien mittelfristig nicht im Unterricht eingesetzt würden. Nach Angaben des Vereins wurden in Deutschland im vergangenen Jahr schätzungsweise 60 bis 70 Millionen Mark mit Lernsoftware umgesetzt. Davon entfielen nur etwa zehn bis 20 Millionen Mark auf Schulen. Ein Grund dafür sei die nach wie vor schlechte Ausstattung von Bildungsstätten mit Hardware. Auch fehle den Schulen Geld für Software. Eine Auffassung, die Wolf-Dieter Lukas, Unterabteilungsleiter der Sektion "Information und Kommunikation" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, nicht teilt. Denn 95 Prozent aller Schulen in Deutschland hätten bereits Anschluss ans Internet. Zudem enthalte das Programm des Bunds "Neue Medien in der Bildung" bereits 600 Millionen Mark für Lernsoftware für Schulen.

Wie der Einsatz von Info- und Edutainmenttiteln an Schulen aussehen kann, zeigte die edut@in auf dem "Markt der Möglichkeiten". Dort stellten 35 Schulen ihre Multimediaprojekte vor. Zudem zeigten die sechs Gewinner des Klaus-Tschira-Preises ihre Computerprogramme. Erzieher konnten sich auf dem "Markt der Möglichkeiten" erklären lassen, "was man im Unterricht mit Schülern alles machen kann", sagte Klaus Tschira. Ein Beispiel dafür ist das Projekt www.surfende-schule.de der Realschule Karlsbad. Dazu gehört ein virtuelles Klassenzimmer mit Stundenplan. Es ist am Lehrplan orientiert und wird im Unterricht dieser Schule bereits eingesetzt. Wie, erklärte Jürgen Haller, Lehrer an der Realschule Karlsbad: Bis zur dritten Unterrichtsstunde erarbeitet der Lehrer mit den Schülern Themen, die im Unterricht behandelt werden sollen. Sie werden in einer "Mind Map" aufgelistet. Während der vierten bis sechsten Stunde bearbeiten die Schüler die Themen mithilfe von Multimediaanwendungen. Sie klicken sich im virtuellen Klassenzimmer auf zuvor vom Lehrer zusammengestellte Homepages. Dort suchen sich Schüler Informationen aus, die sie zur Bearbeitung der Themen brauchen. Die Informationen für den Unterricht im virtuellen Klassenzimmer stammen aus dem Internet.

Lernsoftware in dieses Konzept einzubinden hält Haller jedoch für schwierig, denn von den meisten Info- und Edutainmenttiteln gebe es keine Einzelversionen für Haupt-, Realschule und Gymnasien. Die benötige man aber möglichst maßgeschneidert für die jeweiligen Lehrpläne der verschiedenen Schultypen. Auch sei die Navigation in vielen Programmen umständlich. Ein Lehrer müsse aber schnell auf Informationen zugreifen können, die er für den Unterricht braucht. Zudem scheide die Hälfte der Software von vornherein aus, weil sie für Windows 95 oder Windows 98 konzipiert sei. Denn die meisten Schulrechner würden auf den Betriebssystemen Linux, Windows NT oder Windows 2000 laufen. Nicht zuletzt müssten die Titel Materialien beinhalten, die Lehrer sonst nur schwer besorgen können. Denn im Einsatz von Lernsoftware im Unterricht müsse "ein Lehrer Vorteile erkennen können".

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