Phenomedia: BAFin leitet Untersuchung ein
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat eine förmliche Untersuchung wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei der Phenomedia-Aktie eingeleitet. Das Papier war kurz vor Bekanntwerden von Bilanzfälschungen in großem Stil auf den Markt geworfen worden. Mittlerweile hat Phenomedia erste Sanierungsmaßnahmen für das Unternehmen eingeleitet.
Bevor die am Neuen Markt notierte Phenomedia AG auf Druck ihres Aufsichtsrats Bilanzfälschungen in Höhe von zehn Mio. Euro öffentlich eingestanden hatte und die beiden Vorstände Markus Scheer und Björn Denhard entlassen wurden, war das Papier des Bochumer Unternehmens in großen Mengen auf den Markt geworfen worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) in Frankfurt befasste sich daraufhin mit einer Voranalyse und leitete anschließend eine förmliche Untersuchung ein.
Aktionäre unter die Lupe genommen
Die Voranalysen hätten verdächtige Aktienbewegungen ans Tageslicht gebracht, hieß es zur Begründung. "Bei der Untersuchung steht jetzt im Vordergrund, welche Aktionäre gehandelt haben", äußerte sich BAFin-Sprecherin Sabine Reimer zum aktuellen Stand der Dinge. Untersucht würden ausnahmslos alle Aktienbewegungen. Sollte tatsächlich Insiderhandel vorliegen, würde der Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, egal ob es sich im betreffenden Fall um Klein- oder Großaktionäre handele.
Dem Schuldigen droht laut geltendem Recht eine Geldstrafe, in schweren Fällen sogar eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Im vergangenen Jahr war in 55 Fällen eine förmliche Untersuchung eingeleitet worden. In 25 Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Aktuell sorgt der Investmentunternehmer Kim Schmitz für Aufsehen. Schmitz alias "Dr. Kimble" wird beschuldigt, sich durch verbotene Geschäfte mit Aktien des Internetunternehmens LetsBuyIt.com einen Gewinn von 1,15 Mio. Euro erschlichen zu haben. In erster Instanz wurde er vom Amtsgericht München zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Außerdem wurde er mit einer Geldbuße in Höhe von 100.000 Euro belegt.
Unabhängig vom Geschehen, haben die Phenomedia-Vorstände zusammen mit dem vom Amtsgericht Bochum eingesetzten Insolvenzverwalter Dr. jur. Wulf-Gerd Joneleit mittlerweile bekannt gegeben, das Unternehmen solle nur noch im Kernbereich erhalten bleiben. Die aktuelle Mitarbeiterzahl wird innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfristen von aktuell knapp 90 um etwa 40 Mitarbeiter gesenkt. Der deutliche Aderlass im Bereich Human Resources beziehe sich sowohl auf die Administration als auch auf jenen Teil der Entwicklungsabteilung, der nicht unmittelbar mit der Schaffung und Visualisierung von neuen Charakteren und Spielkonzepten befasst sei.