PlayStation-2-Lizenznehmer zum PS-Verleih
Wie berichtet, will Sony Computer Entertainment Deutschland den Verleihhandel in der Bundesrepublik nicht mit Verleihrechten für PlayStation-2-Produkte ausstatten. Ziehen sich nachfolgend alle Lizenznehmer und Softwarevermarkter der neuen Konsole aus dem Verleihgeschäft zurück? VideoWoche fragte nach.
Die Entscheidung von Sony Computer Entertainment, PlayStation-2-Produkte nicht für den Verleihhandel bereitzustellen, kam für manchen deutschen Videothekar einem Schock gleich. Bislang bleibt ihnen aber die Hoffnung, dass nicht alle PlayStation-2-Lizenznehmer der umstrittenen Entscheidung folgen werden. Acclaim Entertainment steht zum Beispiel für PlayStation-Erfolge wie die "Bust-A-Move"-Reihe, "Armorines - Project S.W.A.R.M." oder "Shadow Man". So bereitet die Münchner Niederlassung auch für die PlayStation 2 mehrere Softwaretitel zum Deutschlandstart der neuen Konsole am 24. November vor. Das SCED-Aus für den Verleihhandel wurde von Acclaim bislang "zur Kenntnis genommen", sagt Jean Marc Behle, Marketing-Manager Acclaim. Eine Entscheidung bezüglich der Softwareverleihrechte aus dem eigenen Haus werde erst in einigen Wochen fallen. Das Argument von SCED-Geschäftsführer Manfred Gerdes, dass der Softwareverleih "von vielen Konsumenten dazu missbraucht wird, auf kostengünstigem Weg an Software zu gelangen, um dann Raubkopien zu brennen" will Behle so nicht ganz teilen. Acclaims Entscheidung werde daher auch nicht von Sonys Meinung abhängen, so der Acclaim-Manager. "Wir werden im Sinne unserer Produkte entscheiden. Schließlich sind das auch unsere Lizenzen."
"Es sind auch unsere Lizenzen"
Wie auf jeder Spielepackung von Activision Deutschland nachzulesen sei, kommentiert Activisions PR-Direktor Markus Wilding, seien die Spiele des Softwarepublishers "nicht für den Verleih bestimmt". Jedoch existierten mit dem Burglengenfelder Vertriebspartner NBG bestimmte Dachvereinbarungen. Diese sähen Rahmenverträge mit Videothekaren vor, in denen von dieser Grundregel abgewichen werden könne. Markus Biehl, Vertriebsleiter bei NBG, kann, ebenso wie viele andere Unternehmen der Interactive-Industrie, bislang aber keine definitive Aussagen zur künftigen Verleihstrategie treffen. Bislang gelten für die PlayStation-2-Software die gleichen Vereinbarungen wie für die der PlayStation beziehungsweise PSone, so Biehl. Fest stehe jedenfalls, dass auch er der Argumentation über verstärkte Raubkopien durch den Verleihhandel nicht folgen könne. Der beste Schutz vor illegaler Vervielfältigung sei immer noch ein effektiver Kopierschutz: "Die Möglichkeiten gibt es, und sei es über ein Format wie die Cartridge. Denn die Ware bekommt man schließlich überall. Der Vorteil, wenn man überhaupt davon sprechen will, ist es, die Software für kleines Geld über die Videothek zu bekommen", resümiert der Vertriebsleiter. Zudem habe er die Erfahrung gemacht, dass über den Verleihhandel auch sehr viel verkauft werde.
"Abwarten, wie sich Sonys Politik bewährt"
Mike Hesse, PR Manager Virgin Interactive Entertainment Deutschland, bescheinigt seinem Unternehmen und Distributionstochter Avalon eine flexible Handhabung. Dementsprechend will man es auch mit der Frage "Verleihen oder nicht?" halten: "Wir warten erst mal ab, wie sich die SCED-Politik im Handel bewährt. Noch ist die PS 2 für den Handel nicht attraktiv, Konsole und Software sind nicht auf dem Markt. Wenn es gilt, werden wir uns den Marktgegebenheiten anpassen und eine Entscheidung für oder gegen die Verleihhändler treffen." Im Unterschied dazu ist die Entscheidung bei THQ wohl schon gefallen. Verkaufsleiter Ralf Gronwald bestätigte im Gespräch, dass der Kaarster Publisher mit dem Vertriebsarm ABC Spielspaß Deutschland der "Verleihpolitik" SCEDs folgen will.