Im Porträt: Gamezone, München
Das Erfolgsrezept von Klaus Schöpl ruht auf zwei Säulen. Der Geschäftsführer zweier Münchner Fachgeschäfte im Segment PC- und Videospiele bietet neben Neuware ein umfangreiches Sortiment an gebrauchten Softwareprodukten an - mit steigenden Umsätzen.
Wer Gamezone im Münchner Stadtteil Haidhausen in der Nähe des Ostbahnhofs besucht, sieht sich zunächst vor eine entscheidende Wahl gestellt: Gebrauchtspiel oder Neuware? Denn der linke Eingang des Hauptgeschäfts (Gamezone verfügt noch über eine Filiale im Stadtteil Pasing) führt in den Verkaufsraum für gebrauchte Ware. Entscheidet sich der Kunde hingegen für Neuware, muss er über den rechten Eingang den Laden betreten.
"Das Geschäft mit Gebrauchtspielen soll auch den Abverkauf von Neuspielen unterstützen", erläutert Klaus Schöpl, Geschäftsführer von Gamezone. Auch die DVD-Video hat Einzug in das Sortiment des Fachhändlers gefunden - allerdings nur als Gebrauchtware. Der Einstieg ins Neuwarengeschäft lohnt sich laut Schöpl angesichts der übermächtigen Konkurrenz nicht.
Etwa ein Fünftel des Gesamtumsatzes entfällt auf gebrauchte Spiele und DVDs, wie der Gamezone-GF unter anderem anhand von Abrechnungen seines Kundenkartensystems feststellt. Der Angestellte im Gebrauchtwarenbereich ist zugleich auch einer der Kompetentesten. Er muss über den Kaufpreis entscheiden, der von vielen Faktoren abhängt: Ist der Verkäufer Stammkunde? Erwirbt er gleichzeitig ein neues Spiel? Wie stehen die Verkaufschancen?
1988 gründete Schöpl Gamezone zunächst als Großhandel für PC- Engine und Megadrive. Doch als die Konkurrenzsituation im Münchner Raum zunahm, erfolgte der Einstieg ins Endkundengeschäft. Inzwischen arbeiten 13 fest angestellte Mitarbeiter ausschließlich direkt am Konsumenten, der Großhandel wurde im Laufe der Zeit aufgegeben. Von Anfang an ging es mit Schöpls Betrieb bergauf - bis zum Jahr 1999. "Ein halbes Jahr war das Geschäft damals relativ tot, dennoch haben wir seinerzeit eine Filiale in Pasing eröffnet," wirft Schöpl einen Blick zurück. "Das war die einzig richtige Entscheidung.
Seitdem geht es wieder bergauf." In der näheren Zukunft will Schöpl sogar einen dritten Laden eröffnen. Zeitpunkt und Ort, ob in München oder einer anderen Stadt, will Schöpl noch nicht bekannt geben. Gamezone will Schöpl aber vor allem weiterhin als eigenständiges Spielegeschäft positioniert wissen.
Über Großhändler im In- und Ausland wird Ware bezogen. Derzeit sind etwa 5500 verschiedene Titel für PC sowie die unterschiedlichsten Konsolen auf Lager. Hier wird das Konzept von Gamezone deutlich. "Wir setzen nicht nur auf Toptitel, obwohl diese von etwa 95 Prozent unserer Kunden gekauft werden. Gerade eine große Auswahl quer durch alle Plattformen und Genres unterscheidet uns letztendlich von Kaufhäusern und Flächenmärkten," sagt Schöpl. PC-Spiele sind seit etwa drei Jahren der wichtigste Sortimentsbereich, davor waren es Konsolenspiele.
Neben dem stationären Geschäft spielt aber auch das Internet eine immer wichtigere Rolle im Geschäftskonzept von Gamezone. Etwa 30 Prozent des Umsatzes wird bereits online generiert, vor allem Gebrauchtware wird hier verkauft. Drei Angestellte sind für diesen Bereich zuständig. Die Organisation läuft über die Haidhauser Zentrale, in der eigene Server und Standleitungen zur Verfügung stehen. Neben dem Shop steht dabei auch ein komplettes Gamezone-Portal mit News und Reviews im Netz. Der User kann über die Seite unter anderem auf das Warenwirtschaftssystem von Gamezone zugreifen - so wird er in Echtzeit über den aktuellen Spielebestand informiert.
"Unsere Internetaktivitäten waren als Unterstützung für das Ladengeschäft gedacht. Wir waren letztendlich vom Erfolg selbst überrascht", sagt Schöpl. Ein Baustein des Erfolgs ist die Interaktivität. So werden die News von Usern selbst geschrieben. Für ihre Arbeit erhalten sie "Zonis", die gegen Games eingetauscht werden können. Die Spielereviews werden indes im eigenen Haus gemacht. Kunden haben jedoch die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern.
Laut Schöpl werden täglich rund 35.000 Zugriffe registriert. Er schätzt, dass sich 70 bis 80 Prozent der Internet-User informieren, welche Ware auf Lager ist. Das Ladengeschäft soll jedoch Schwerpunkt bleiben. "Das hat den Vorteil, dass die Kunden, die meistens ein Spiel sofort haben wollen, es auch sofort mitnehmen können", so Schöpl.