Die Anforderungen an "Frontarbeiter" in einem reinen Gamesgeschäft sind vielfältig. Ständigen Kundenfragen ausgesetzt, müssen sie breite Fachkompetenz beweisen. Doch nicht nur aktuelles Produktwissen ist gefragt, auch Backprogramme und künftige Releases müssen präsent sein. GamesMarkt.de verbrachte einen Tag im Münchner Computerspieleladen PC Fun.

Es ist elf Uhr, Freitag, der 1. Februar. Bisher haben an diesem sonnigen Vormittag nur wenige Kunden den Weg in den Laden an der Schillerstraße in München gefunden. Der bisherige Arbeitstag von Martin Schreibauer und Thomas Maier, Geschäftsführer des Computerspieleladens PC Fun, bestand in der Annahme und dem Auspacken von Warenlieferungen. Doch nun beginnt sich der Laden langsam zu füllen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um jüngere Kunden, die sich einer Einheitskluft, bestehend aus verkehrt aufgesetzten Baseballkäppis und Markenrucksäcken, verschrieben zu haben scheinen.

"Ich hätte gern ein Dings, bitte!"

Noch haben Schreibauer und Maier - zurzeit sind sie noch allein im Geschäft - leichtes Spiel. Sie haben es sich hinter der Ladentheke, die direkt am Ausgang zur Straße steht, gemütlich gemacht und warten darauf, beratend tätig werden zu können. Doch die junge Kundschaft weiß ganz genau, was sie will oder auch nicht will: Gezielt werden die Regale abgesucht, die mit einer Vielzahl unterschiedlicher PC-Spiele voll gestellt sind. Ein Game wird in die Hand genommen, es folgt ein prüfender Blick auf das Cover, dann auf die Rückseite. Ist man nicht zufrieden, wird das nächste Spiel in die Hand genommen. Und nicht alle kaufen ein Game, einige schauen auch nur kurz rein und gehen bald wieder, mit oder ohne Gruß an die Geschäftsführer.

Hat der Kunde schließlich das Gesuchte gefunden, bezahlt er an der Kasse und verlässt den Laden wieder. Doch nicht immer ist das Geld so einfach verdient. "Habt ihr nicht noch eine staubigere Kiste", meint ein Kunde mittleren Alters und deutet auf einen Kasten, der mitten im Verkaufsraum steht und mit fast schon altertümlich anmutenden Spielen gefüllt ist. Die Nachfrage Schreibauers ergibt, dass der Interessent das Game "X-Com Ufo Defense" von 1994 sucht. Dem Kunden kann nicht geholfen werden. Doch er verlässt PC Fun nicht ohne den Ratschlag, es in einem Gebrauchtspieleladen zu versuchen oder in der Zeitschrift "Kurz & Fündig" zu inserieren beziehungsweise nachzuschauen.

Junge Kundschaft sucht zielgerichtet

Dass sich im PC Fun viele Stammkunden einfinden, merkt man auch an schon etwas komisch anmutenden Dialogen: "Ein Dings bitte, du weißt schon, was ich meine", wendet sich ein Kunde, der mit langen Haaren und Brille dem Typus eines Gamers entspricht, an Maier. Dieser greift wissend hinter sich und zieht das Spiel "Dark Age Of Camelot" aus dem Regal. "Solche Leute kann man sich merken", meint Maier, nachdem der Kunde mit glücklichem Gesicht und dem Game in der Hand das Geschäft verlassen hat. "Der wäre fasteinmal in Tränen ausgebrochen, als er die englische Version eines Spiels nicht bekommen hat." "Dark Age of Camelot" ist an diesem Freitag überhaupt das meistverkaufte Spiel; es geht mehrere Dutzend Male über die Ladentheke - kein Wunder, denn es ist der Releasetag des Onlinegames.

Viele Kunden nehmen hierbei auch für Freunde oder Bekannte ein Spiel mit; sie kaufen zwei oder drei Titel auf einmal. Des Öfteren kommen auch Kunden herein, die im Neuheitenregal nach "Dark Age of Camelot" suchen und es nicht finden, obwohl zwei Exemplare dort stehen. Schließlich fragen sie dann an der Kasse nach. Hier macht Schreibauer auf ein Problem aufmerksam: "Die neuen DVD-Verpackungen werden von den Kunden gern übersehen, da gibt es Umstellungsprobleme. Die Euroboxen sind da wegen des größeren Formats viel besser, stechen sofort ins Auge." Auch habe es bei den Jewel Cases anfangs ein Diebstahlproblem gegeben; sie seien, da kleiner, massiv geklaut worden. Um Abhilfe zu schaffen, sind die Jewel Cases nun leer, der Kunde erhält erst an der Kasse sein in Folie verschweißtes Spiel.

In der Mittagszeit finden sich auch Kunden fortgeschritteneren Alters ein, Männer mit Krawatte und Anzug tauchen im Laden auf. Deren Fragen an die Verkäufer drehen sich vielfach um Kompatibilitätsprobleme. So gibt ein schon etwas älterer Kunde offen zu: "Ich bin da total unerfahren, ich habe das Game 'Silent Hunter" noch in der DOS-Version gespielt, läuft die neue Version auch auf Windows 2000?" Eine Frage, die Maier leicht mit "Ja" beantworten kann. Mit dem Spiel unter dem Arm verlässt der Kunde zufrieden den Laden. Oft kommt es dabei vor, dass noch beim Bezahlen nach einem kommenden Titel gefragt wird - der Käufer will wissen, wann es sich lohnt, wieder herzukommen. Auch Fragen, ob Spiele, die als Systemvoraussetzung Windows 95 angeben, auch mit Windows 98 kompatibel sind, gehören dazu. Einige Kunden wollen auch wissen, ob die Prozessorleistung ihres PCs reicht, um das begehrte Game spielen zu können, da man eine "Ruckelorgie" befürchte.

Neben der Arbeit im Laden müssen Maier und Schreibauer des Öfteren zum Hörer greifen und viele Anrufe von Kunden beantworten, die vor allem wissen wollen, ob ein Spiel schon da ist. Einige Passanten kommen auch einfach nur herein, um nach einer Richtung zu fragen. Andere wiederum sind auf der Suche nach Hardware - der Name PC Fun und die Lage in verleiten zu dem Trugschluss, man habe es mit einem Elektroladen zu tun. Am späten Mittag wird es wieder etwas ruhiger. Maier und Schreibauer haben nun Zeit, eine kleine Mittagspause einzulegen. Am frühen Nachmittag belebt sich der Laden wieder stärker. Inzwischen hat auch einer der Mitarbeiter seinen Arbeitstag angetreten. Er unterstützt Maier und Schreibauer bei der Beantwortung von Kundenfragen, wovon viele sich um bestimmte Versionen von Actionspielen drehen.

"Täglich wird nach indizierten Titeln gefragt, die wir aber nur auf Nachfrage verkaufen. Bei der englischen Versionen von 'Wolfenstein" und,Medal of Honour" können wir allerdings nicht helfen", so Maier. Kunden wollen dies oft nicht verstehen. So lehnt einer die deutsche Version von "Wolfenstein" ab, obwohl Maier ihm erläutert, dass im Vergleich zur englischen Version nur die Nazisymbole entfernt, das Spiel an sich aber nicht zensiert wurde. "Verkauf und Besitz des Spiels sind in Deutschland strafbar," erklärt der PC Fun-Geschäftsführer kategorisch. Ein anderer Kunde will wissen, warum "Prince Of Persia 3D" nicht so "blutig" wie die vorherigen Folgen sei. Seiner Meinung nach handele es sich um eine fehlerhafte Version oder die Einstellung stimme nicht. Er sei sehr enttäuscht.

Maier kann da nicht helfen; das Game sei nun mal nicht so blutig wie die Vorgänger. Auch Veröffentlichungstermine sind ein wichtiges Thema für Kunden. Bei PC Fun ist man darauf vorbereitet; ein großes Plakat mit Releaseterminen hängt an einer Wand. Ein kurzer Blick darauf genügt, und Schreibauer weiß, wenn nicht schon auswendig, dass zum Beispiel "Unreal 2" im zweiten Quartal oder Mitte des Jahres auf den Markt kommt. Eine schwammige Antwort für den Kunden, doch Schreibauer kann beim besten Willen keine genauere Antwort geben, das liegt in den Händen der Spielepublisher. "Hinsichtlich des angegebenen Releasedatums kann man sich oft nicht sicher sein", sagt er bedauernd. Am Nachmittag müssen nebenher auch geschäftliche Angelegenheiten erledigt werden. So rufen Lieferanten an und fragen, ob eine Bestellung aufzunehmen ist. Maier ist vorbereitet, ein Zettel liegt bereit, von dem er abliest.

"Releasetermine oft nicht sicher"

"Wir bestellen jeden Tag, lieber solche Anrufe als Vertreterbesuche", meint Maier. Und wenn ein Händler einen Titel nicht habe, versuche PC Fun bei einem anderem zu bestellen, so dass die Ware am nächsten Tag auch im Laden stehe. Inzwischen ist noch ein zweiter Mitarbeiter eingetroffen, man steht jedoch weiterhin zu dritt im Laden, da Schreibauer kurz darauf seinen Arbeitstag beendet. Aber erst um 20 Uhr schließt sich die Ladentür hinter dem letzten Besucher. In der Zwischenzeit müssen weiterhin jede Menge Fragen beantwortet werden.

"Für jedes Spiel gibt es eine Nische"Vor neun Jahren gründeten Thomas Maier und Martin Schreibauer PC Fun. Wie der Name schon andeutet, haben sich die Geschäftsführer auf Computerspiele spezialisiert. Ein Ausflug in die PlayStation-Welt vor wenigen Jahren wurde nach kurzer Zeit mangels Erfolg beendet. Rund 99 Prozent der Neuerscheinungen werden ins Sortiment aufgenommen, wenn auch in verschiedenen Stückzahlen.

"Es gibt für jedes Spiel eine kleine Nische", so Maier. Etwa 900 bis 1200 verschiedene Titel sind so ständig vor Ort. Somit hat PC Fun die Konkurrenz nahe gelegener Elektrofachmärkte oder Kaufhäuser nicht zu fürchten. Dennoch läuft das Geschäft seit zwei Jahren etwas schlechter, nachdem es in den Jahren zuvor stetig bergauf ging. Außer der Konkurrenz macht Schreibauer vor allem den Umstand dafür verantwortlich, dass immer weniger Topseller auf den Markt kommen.

Neben den beiden Geschäftsführern sind noch ein fest Angestellter und drei studentische Aushilfen bei PC Fun tätig. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass während der Öffnungszeiten, Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr, samstags 9 bis 16 Uhr, immer mindestens zwei Ansprechpartner für Kunden vor Ort sind. Die Kundschaft besteht nach Angaben von Schreibauer in der Regel aus Stammkunden. Das Alter variiere sehr stark, es reiche von 15 bis 70 Jahre, doch die Mehrzahl der Kunden sei zwischen 20 und 45 Jahre alt.

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