Ruefach zieht positive Umsatzbilanz
Vom 22. bis zum 24. April trafen sich die Gesellschafter der Handelskooperation Ruefach zu ihrem jährlichen Informationskongreß im Nürnberger Messezentrum. Selten war die Herausforderung für den mittelständischen Fachhandel so groß wie heute. Dennoch konnte die Geschäftsleitung im Gegensatz zum allgemeinen Branchentrend eine positive Geschäftsentwicklung bekanntgeben.
"Willkommen bei Freunden" - mit diesen Worten begrüßte der Ruefach-Beiratsvorsitzende Ingo Granderath die Gäste in der gut gefüllten Frankenhalle auf dem Nürnberger Messegelände. In der Tat war die Atmosphäre bei der Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen Ruefach-Kongresses freundschaftlich. Wie unter Freunden üblich, wurde kein Hehl aus der derzeitigen prekären Situation der mittelständischen Handelsunternehmer in Deutschland gemacht. Die allgemein schlechte Konjunktur, kombiniert mit branchenspezifischen Problemen wie dem stetigen Preisverfall, hat die Situation auch für die Ruefach-Händler nicht einfacher gemacht, so Granderath. Der Umsatzkuchen werde kleiner, die Zahl derer, die ein Stückchen davon haben wollen, immer größer. Internet und Factory- Outlets sind als neue Konkurrenten am Horizont aufgetaucht, US-Riesen wie Kingfisher und Wal-Mart setzen neue Maßstäbe bei Preis und Service. Dennoch gehe es dem mittelständischen Handel in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern gut. "Das Schlimmste steht uns also noch bevor", lautet die logische Folgerung des Beiratsvorsitzenden.
Das schwarzmalerische Szenario von der aussterbenden Gattung Fachhandel wurde von Ruefach-Geschäftsführer Dr. Karl Bernhard Hillen nicht bestätigt. Hillen schilderte die Entwicklung der Kooperation im vergangenen Jahr sehr offen - sowohl in seiner Eröffnungsrede als auch im Pressegespräch am darauffolgenden Tag. Mit Stand zum 31. Dezember 1998 hat Ruefach insgesamt 2417 Gesellschafter. Die Zahl ist damit geringfügig gesunken. Während des Jahres "98 verzeichnete Ruefach 116 Zugänge, davon 58 Geschäftsneugründungen. Gleichzeitig gab es 133 Abgänge, wobei 106 wegen Betriebsaufgabe (73) bzw. eklatanter finanzieller Probleme ausschieden. Auf internationalem Terrain kommt Ruefach derzeit auf rund 350 weitere Gesellschafter. Die Fachhändlergruppe in Österreich, die seit "92 existiert, zählt inzwischen rund 240 Gesellschafter. Ruefach Tschechien und Ruefach Slowakei, die beide im März "99 ins Leben gerufen wurden, kommen derzeit auf 110 Gesellschafter. Alle nationalen Ruefach-Gruppen gehören wiederum zur europäischen Verbundgruppe Electronic and Domestic Appliances (E.D.A.), zu der sich Fachhandelskooperationen aus vielen europäischen Ländern als Mitglieder zusammengeschlossen haben.
Einen positiven Trend konnte Hillen bei der Umsatzentwicklung in "98 vermelden. Sowohl der Verkaufsumsatz der Fachhändler als auch der zentrale Abrechnungsumsatz stiegen im vergangenen Jahr. Der Verkaufsumsatz stieg um rund vier Prozent auf 3,1 Mrd. Mark. Der zentrale Abrechnungsumsatz legte um 4,8 Prozent auf 1,28 Mrd. Mark zu. Im Segment Unterhaltungselektronik erreichte Ruefach ein leichtes Plus von 0,8 Prozent. Damit liegt die Kooperation über der Gesamtentwicklung des UE-Markts, dessen Umsatzgröße sich nach Einschätzung von Ruefach gegenüber "97 nicht veränderte. Dies habe zudem einen positiven Einfluß auf die Entwicklung des Segments "Consumer Electronics" gehabt, zu dem die klassische UE zählt. Ruefach schätzt, daß das Volumen des CE-Markts in "98 um rund sechs Prozent auf 30,1 Mrd. Mark gestiegen ist. Doch nicht nur die Geschäftsergebnisse aus dem vergangenen Jahr geben Anlaß zur Hoffnung. Auf Einladung der Ruefach-Geschäftsleitung trat Frank Gurk, Geschäftsführer der Kauf & Spar Preisagentur, auf. Zur Weihnachtszeit vergangenen Jahres hatte die Agentur im Auftrag von "Stern TV" eine Studie in den Produktbereichen Braune und Weiße Ware durchgeführt. Laut Gurk schnitt der mittelständische Fachhandel dabei meist deutlich besser ab als die großen Fachmärkte und Kaufhäuser. Nach der Sendung habe die Preisagentur massiv Feedback von verärgerten Konsumenten bekommen. Diese fühlten sich durch die preisaggressive Werbung für einzelne Produkte an der Nase herumgeführt. "Die Verbraucher denken kritisch und wollen sich nicht von Werbung überfahren lassen", resümiert Gurk: Deshalb sei es für den mittelständischen Fachhandel wichtig, selbstbewußter aufzutreten und den Vergleich mit den "Großen" nicht zu scheuen.
Eine besondere Chance sieht Gurk dabei im Internet. Gerade kleinere Händler könnten schneller und flexibler bei Angeboten reagieren als Großkonzerne. "Im Internet fressen nicht die Großen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen", forderte Gurk die anwesenden Ruefach-Gesellschafter zur Beschreitung neuer Wege auf. Als letzter Redner trat Edgar K. Geffroy, Autor und Inhaber der Geffroy Informations-Agentur, auf. Der unter anderem als Unternehmensberater tätige Geffroy gab den Anwesenden einen Überblick über seine Thesen der künftigen Entwicklung der Wirtschaft und die Möglichkeiten, die Veränderungen profitabel zu nutzen. Einen seiner Schwerpunkte setzte Geffroy auf den Bereich Service. "Deutschland ist ein Servicewunderland und keine Servicewüste", erstaunte er seine Zuhörer. Schließlich ließen sich die Konsumenten in Deutschland alles gefallen. Geffroys Folgerung: In keinem anderen Land ist es einfacher, seinen Kunden mit angebotenem Service zu verblüffen. Jeder Unternehmer müsse deshalb seine bisherige Geschäftspolitik von Grund auf in Frage stellen und überarbeiten. Ein Punkt wurde indes von jedem der Redner angesprochen: die Notwendigkeit für den Händler, sich immer wieder an die sich verändernden Märkte anzupassen. Deshalb legt die Ruefach-Geschäftsleitung auch großen Wert darauf, die eigenen Unternehmer im Rahmen des Kongresses umfassend zu informieren. Zum einen natürlich durch die zweitägige Messe. Zum anderen über die sogenannten InfoShops, die über alle drei Tage insgesamt 20 Themen behandelten. Unter den Vorträgen waren auch Präsentationen zu DVD und Videospielen.
Während allerdings DVD und vor allem DVD-Hardware auch an den Ständen der Aussteller unübersehbar waren, spielten die Videospiele eher eine Nebenrolle. So zeigten nur zwei der drei großen Hardwarehersteller, Sony Computer Entertainment und Nintendo, Flagge: Sega war trotz bevorstehendem Dreamcast-Start in Nürnberg nicht dabei. Von der Softwareseite hatten sich ebenfalls nur zwei Firmen eingefunden: Joysoft und Kingsoft präsentierten ihre Dienstleistungen in der Hoffnung, die 2750 potentiellen Outlets für sich zu gewinnen.