Besonders gut hatte die Filiale der Elektronikkette Saturn in Münster beim Storecheck in der achten Ausgabe von GM in diesem Jahr abgeschnitten. "Ein Musterstore, der den Markt für Computerspiele wirklich ernst nimmt. Bestnote!", so das Fazit der Tester. Aus diesem Grund besuchte die Redaktion den Store ein weiteres Mal und sprach mit Geschäftsführer Peter Borghauve und Einkaufsleiter Peter Loose.

Schon die Lage ist anziehend. Der Saturn ist das Herz des Münsteraner Einkaufszentrums York-Center. Auch für Nichtortskundige ist der Saturn ohne große Irrfahrten schnell zu finden. Das Geschäft an der Ringstraße ist bereits von weitem zu erkennen. Die Computerabteilung ist von der restlichen Filiale getrennt. In der so genannten Computerwelt mit separatem Eingang findet der Verbraucher Hardware, Software, Spiele, Telekommunikationsgeräte und weiteres Zubehör auf einer Fläche von mehr als 1.400 Quadratmetern. 400 Quadratmeter davon belegen allein PC- und Videospiele.

Einsatz für gute Präsentation

Rund 1000 Produkte führt das Saturn-Geschäft zurzeit in seinem Sortiment, von Budgettiteln bis hin zum neuesten GameCube-Spiel. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Filiale einen Umsatz von rund 1,2 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr hoffen Geschäftsführer Peter Borghauve und Einkaufsleiter Peter Loose auf einen starken Umsatzsprung, besonders aufgrund der neuen Konsolengeneration. "Die bisherigen Zahlen sind überzeugend. Wir gehen davon aus, dass wir unseren Umsatz im Jahr 2002 wieder erhöhen können", sagt Loose.

Zwar hat Saturn in Münster eine starke wirtschaftliche Position. Aber von Quartal zu Quartal liefert sich das Geschäft ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem MediaMarkt, das entscheidet, wer beim Umsatz die Nase in der ostwestfälischen Stadt vorn hat. "Zurzeit liegen unsere lieben Mitbewerber vorn", so Geschäftsführer Borghauve. "Aber wir arbeiten daran, sie wieder vom Thron zu holen. Wir möchten unser Konzept noch weiter ausbauen und verstärken."

Konkurrenz "vom Thron holen"

Das Konzept des Stores ist die größte Stärke des Saturns. Die Mitarbeiter der Abteilung sorgen für eine besondere Präsentation, wie man sie nur selten im deutschen Fachhandel antrifft. Bereits der Eingangsbereich zur "Computerwelt" ist mit lebensgroßen Kunststofffiguren bekannter Computerspiele geziert, unter anderem mit Lara Croft aus "Tomb Raider" oder dem Reaper aus Peter Molyneux" "Dungeon Keeper". Ganz neu ist ein Kicker aus "FIFA Weltmeisterschaft 2002" in der Eingangshalle direkt neben einem riesigen Bildschirm, auf dem Trailer aus dem aktuellen Fußballspiel der Marke "EA Sports" laufen.

"Zum Glück haben wir einen sehr modernen Geschäftsführer", lobt Peter Loose seinen Chef. "Peter Borghauve setzt sich stark für eine gute Präsentation ein, die Spieleabteilung genießt eine wunderbare Eigenständigkeit." Derzeit bemühe man sich um einen Ork aus dem Spiel "WarCraft", dessen dritter Teil Ende Juni in den deutschen Handel kommt. Damit möchte man der Qualität des Spiels Tribut zollen und "Warcraft III" einen starken Start in Deutschland verschaffen. "Die beliebtesten und wahrscheinlich umsatzstärksten Titel präsentieren wir auf ganz besondere Weise", sagt Loose. Dabei ist auch ein äußerst ansprechenderPreis oder eine besondere Präsenz von PoS-Material nicht auszuschließen. Die besten Konsolentitel können Fans an einer der zahlreichen Anspielstationen im Eingangsbereich anspielen. Einkaufsleiter Loose dazu: "Wenn jemand den Wunsch hat, ein ganz spezielles Spiel auszutesten, dann hat er auch die Möglichkeit dazu."

Kunden durch Kompetenz binden

Das Personal helfe in diesem Fall gern weiter und lege das Spiel in eine der Probierkonsolen ein. "Wir finden, das sind wir dem Kunden schuldig." Die Arbeit in Sachen Präsentation zahlt sich aus. Denn der Münsteraner Saturn möchte vor allem Kundenbindung schaffen und mit seinem Konzept auch Nichtspieler ansprechen. "Zudem verhelfen uns die vielen Spielmöglichkeiten zu Sekundärkundschaft, die vielleicht etwas ganz anderes kaufen möchte", sagt Loose. "Wenn Papa mit Junior zum Shoppen fährt und gern einen neuen Drucker kaufen möchte, wird sich der Sohn gern an unsere vielfältigen Spielmöglichkeiten erinnern. Während also der Drucker verkauft wird, wird dem Kind Freizeitgestaltung geboten. Damit stärken wir das Image des gesamten Saturn. Auch das nächste Mal wird der Familienvater hier seinen Einkauf tätigen."

Kinder werden dabei nicht mit Gewalt darstellender Software konfrontiert. Besonders nach den Ereignissen von Erfurt denkt die Geschäftsführung des Münsteraner Saturns um. Borghauve und Loose, beide selbst Familienväter, halten privat nichts von Gewaltspielen. "Ohnehin spiele ich privat nur Jump"n"Runs auf Konsolen", erzählt Borghauve. "Ich befürworte die Vorschläge des Bundesministeriums für Familie, den Jugendschutz zu stärken und verbindliche Altersangaben einzuführen." Im Saturn würden Spiele sowieso nur an diejenigen Käufer abgegeben, die das von der USK empfohlene jeweilige Mindestalter hätten. Generell würde an den Kassen eine Ausweiskontrolle vorgenommen, wenn die Mitarbeiter das Alter nicht direkt schätzen können.

Über die Zukunft von Gewaltspielen möchte Borghauve noch keine Prognose abgeben. Überraschend aber die Idee, eventuell einen eigenen Shop für Erwachsenensoftware einzurichten, sollte die Bundesregierung die Richtlinien zu sehr verschärfen oder die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die umsatzstarken Egoshooter in Zukunft komplett indizieren. Borghauve: "Bisher war ein abgetrennter Shop dieser Art nicht rentabel, wir haben keine indizierten Spiele geführt. Für die Zukunft werden wir das überdenken. Generell warten wir aber erst einmal die Entwicklung in den nächsten Monaten ab."

Die Industrie dürfte es als einen gewaltigen Schritt nach vorn sehen, sollte sich endlich ein starkes Geschäft für die geschilderte Vertriebsform entscheiden. Endlich wären indizierte Titel nicht mehr kommerziell tot, die anvisierte Käuferschaft müsste sie nicht aus dem Ausland oder über einzelne Versandhäuser beziehen. Auch in dieser Hinsicht wegweisend? Der Musterstore aus Münster wird es seinen Mitbewerbern zeigen.

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Strategy Update: Microsoft Gaming Becomes Xbox
Asha Sharma, Executive Vice President and CEO of Microsoft Gaming, and Matt Booty, Executive Vice President and Chief Content Officer of Microsoft Gaming. © Microsoft

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By Marcel Kleffmann 3 min read