Screen Digest legt Marktprognose vor
Exklusiv für die Messebesucher der ECTS in London veröffentlichte der britische Marktforscher Screen Digest Auszüge aus seiner aktuellen Studie über die Entwicklung des europäischen Gamesmarkts. In Zusammenarbeit mit der Branchenorganisation ELSPA zeichnen die Forscher ein rosiges Zukunftsbild.
In der Präambel des für die ECTS zusammengeschnürten, 24 Seiten starken Ausblicks auf die europäische Gesamtentwicklung des Interactive-Leisure-Software-Marktes bis ins Jahr 2004 verweist Screen Digest auf die spezielle Natur der Branche. Geprägt ist der Markt wie keine andere Industriesparte vom Auf und Ab der jeweiligen Produktzyklen, erklären die Marktforscher und stimmen die Gamesindustrie gleichzeitig auf einen radikalen Umbruch in ihrer noch jungen Geschichte ein. Zusammen mit der European Leisure Software Publisher Association (ELSPA), die mittlerweile mehr als 100 Publisher im Staatenbund vertritt, sieht man die Branche auf dem Weg in eine Zukunft ungeahnter Umsatzhöhen. Grund dafür ist die Vielzahl an neuen Spielekonsolen, die den Markt stürmen, und an technischen Möglichkeiten, die es noch zu entdecken und auszuschöpfen gilt.
Radikaler Umbruch steht bevor
So wird prognostiziert, dass der europäische Gamesmarkt noch in diesem Jahr einen Umsatz von 6,3 Mrd. Dollar generieren wird - 45 Prozent mehr als der Home Video Retail Markt, der durch die explosive Entwicklung der DVD nach oben katapultiert wurde. Bis 2003 sehen die Marktforscher einen Umsatz von rund 8,7 Mrd. Dollar voraus. Das Jahr darauf wird von einer "gamestypischen" Transitionsperiode gekennzeichnet. Leicht rückläufige Zahlen sind die Folge. Für die Absatzzahlen von Spielekonsolen sieht man im Zeitraum von 1999 bis 2004 ein Plus von 89 Prozent auf 110 Mio. Units voraus. Steigende Absatzzahlen führen zu neuen Marktsituationen, erklärt Screen Digest und beginnt seine Ausführungen über zukünftige Industrietrends mit dem Satz, dass die Gamesindustrie untrügbar in das Marktmodell der Oligarchie rückt. Auf der Anbieterseite stehen einige Wenige einer großen Menge an Nachfragern gegenüber. Diese Entwicklung, vergleichbar mit der in der Musik- oder Filmindustrie, sei bereits vorprogrammiert. In der Zeit zwischen 2003 und 2005, in der nach Ansicht von Screen Digest die nächste Generation der Spielekonsolen auf den Markt rückt, wird nur noch eine kleine Gruppe von "Superpublishern" den Hauptanteil des Umsatzes unter sich aufteilen.
Druck, unentwegt Neuheiten zu bringen
Als Gründe werden u.a. die steigenden Kosten von Entwicklungen aufgeführt. Kleineren Studios und Publishern wird es so nahezu unmöglich, ohne das schützende finanzielle Dach eines Majors am Markt zu überleben. Es spielt auch eine Rolle, dass im Gegensatz zur Film- und Musikindustrie ein Software-produkt verstärkt von der Umsatzentwicklung in den ersten Wochen nach Veröffentlichung abhängig ist. Der Druck, so unentwegt neue, herausragende Spiele in den Handel bringen zu müssen, kommt noch hinzu. Ein Teufelskreis, denn die nötige sukzessive technologische Weiterentwicklung bringt immer höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit sich. Höhere Ausgaben sieht Screen Digest auch im Bereich Licensing auf die Publisher zukommen. Vor zehn Jahren haben viele aus der Branche noch nicht eingesehen, warum man Geld ausgeben soll, nur um ein bestimmtes Automodell in einer Rennsimulation zu verwenden. Das habe sich grundlegend geändert. Lizenzierung ist zu einem eigenen Geschäftsbereich in den Unternehmen geworden. Der Trend wird durch die Entwicklung in den letzten drei Jahren bestätigt. Lizenzbasierte Titel haben '97 noch einen Gesamtanteil von 28 Prozent am Spielemarkt ausgemacht. 2000 waren dies bereits 42,5 Prozent. Von allen Spielen liegen Titel aus europäischen Entwicklungsstudios in der Gunst der Endkunden vorne. 45 Prozent aller Titel in den Top- 100-Charts des Jahres '99 in Europa kommen auch aus Europa. An erster Stelle präsentieren sich Core Design aus England, die einen Anteil von 15,7 Prozent innehatten, gefolgt von Codemasters mit 14,1 Prozent und DMA mit 7,9 Prozent. Von den außerhalb Europas sitzenden Entwicklern spielten daneben nur Electronic Arts und Nintendo noch eine gewichtige Rolle. Als weiterhin stärkste Komponente am Absatzmarkt sieht Screen Digest die PC-Software - trotz einiger schwerwiegender Probleme wie etwa der Produktpiraterie, verstärkter Budget-Veröffentlichungen, Preiskämpfe, technisch hoher Anforderungen an die Endkunden-Hardware oder fehlender Industriestandards.
Europäische Spiele in Europa vorn
Die Vorteile überwiegen; die offene Plattform, die grafisch den Konsolen deutlich überlegen ist, und die technischen Standards erleichtern den Publishern die Entscheidung für den PC. Die Konsolenfraktion müsse jedoch nicht zurückstecken. Trotz der Releaseverschiebung der PlayStation 2 sehen die Marktforscher von Screen Digest Auslieferungszahlen von über einer Mio. Units der neuen Spielekonsole noch im Bereich des Möglichen. Insgesamt werden sich nach der Prognose die Hardwaresales auf 7,2 Mio. Units in 2000 belaufen, mit einer Steigerung auf 14,4 Mio. Units in 2002.