Nach Wochen der Spekulationen hat Sega jetzt offiziell den Ausstieg aus dem Hardwaregeschäft bestätigt. Erste Spiele für PlayStation 2 und Game Boy Advance wurden angekündigt, Abkommen mit Pace und Palm geschlossen.

Bereits seit Wochen war über die Zukunft von Dreamcast und Sega spekuliert worden. Bis in alle Einzelheiten wurde über Segas "neue Strategie" berichtet. Jetzt hat Sega einen Schlussstrich gezogen und die Neuausrichtung detailliert offen gelegt: Die verlustbringende Produktion der Dreamcast-Hardware wird Ende März eingestellt. Nach Informationen von Reuters kostet der Produktionsstopp Sega etwa 690 Mio. Dollar. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahrs, für das ohnehin rote Zahlen erwartet wurden, rutscht dadurch noch weiter in den Negativbereich ab. Japanische Analysten begrüßten dennoch Segas Entscheidung, die wohl zu den schwierigsten und weitreichendsten in der Firmengeschichte des Unternehmens zählt.

"In Zukunft wird sich das Unternehmen auf Videogames-Inhalte konzentrieren", brachte Sega die neue Firmenstrategie auf den Punkt. Damit hat sich zumindest ein Großteil der Spekulationen der vergangenen Wochen bestätigt: Sega wird Software für Plattformen einstiger Konkurrenten liefern. Angekündigt wurden unter anderem "Space Channel 5" (PS 2) und "Sonic the Hedgedog Advance" (Game Boy Advance"). Über ein Engagement bei weiteren Plattformen werde noch beraten. Weitere Ankündigungen sollen laut Sega in Kürze folgen. Insbesondere Microsofts Xbox dürfte schon bald ebenfalls auf der Veröffentlichungsliste von Sega stehen.

Die große Frage, die sich alle Dreamcast-Besitzer stellen, ist: Wie geht es jetzt weiter? Sega hat sich diesbezüglich beschwichtigend geäußert. Dreamcast-Software werde weiter entwickelt und vermarktet. Doch damit nicht genug. Auch wenn die hellgraue Dreamcast-Videospielkonsole vor dem Aus steht, die Technologie unter der Hülle hat noch nicht ausgesorgt. Sega hat ein Abkommen mit Pace Micro, Hersteller von Settop-Boxen, geschlossen. Pace will die Technologie in seine Geräte einbauen. Die Dreamcast-Spielergemeinde könnte also auch weiterhin anwachsen. Mit weiteren Abkommen für die Lizenzierung der Technologie ist zu rechnen. Daneben wird Sega auch Contentlieferant für Plattformen außerhalb des klassischen Videospielbusiness. So wurde kürzlich mit Palm ein Vertrag über die Entwicklung von Spielen geschlossen. Nicht vergessen werden sollte auch die bereits seit langem bestehende Allianz mit Motorola. Sega wird also auch für Handys entwickeln. Obwohl dazu noch keine Details bekannt wurden, war die Allianz zwischen Sega und Motorola nicht nur auf Inhalte beschränkt. Auch Motorola wollte Teile der DC-Technologie bei seinen Handys einsetzen.

So tragisch das Ende des Sega-Hardware-Geschäfts auch sein mag, es wurde in der Branche ohnehin offen darüber geredet, dass drei Player im Konsolenhardwaremarkt ein halber zu viel seien. Überraschend ist nur, dass dieser Prozess zeitlich so früh vor der Markteinführung von Xbox und Game Cube einsetzte. Vielleicht wird aber genau das Sega zum Vorteil gereichen. Die Softwareentwicklungsabteilung von Sega zählt nicht nur zu den größten, sondern auch zu den kreativsten der Branche. Da jetzt Klarheit geschaffen wurde, bleibt den Sega-Entwicklern ausreichend Zeit, sich mit den anderen Plattformen auseinander zu setzen.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.