Ubisoft schlug im ersten Halbjahr 2022/23 die eigene Umsatzprognose, verzeichnete aber trotzdem einen hohen operativen Verlust. Der Fehlbetrag wird auf Abschreibungen, gestrichene Projekte und die Verlagerung auf die Pillar-Brand-Strategie zurückgeführt. Außerdem sind die ersten Effekte der Mobile-Offensive zu erkennen.

Ubisoft hat den Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 2022/23 vorgelegt. Von April bis September 2022 verzeichnete der französische Publisher einen Umsatz in Höhe von 731,2 Millionen Euro, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Nettobuchungen belaufen sich auf 699,4 Millionen Euro, davon wurden 641,7 Millionen Euro, fast 92 Prozent, im Digitalgeschäft erzielt. 422,4 Millionen Euro entfallen auf PRI-Nettobuchungen. PRI ist für Ubisoft ein Sammelbegriff für wiederkehrende Käufe der Spieler:innen, also für Verkäufe von DLC-Inhalten, Mikrotransaktionen, Saisonpässen und Abonnements. Der Back-Katalog war für 72,3 Prozent sämtlicher Nettobuchungen verantwortlich, im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es noch 83 Prozent.

Trotz der soliden Umsatz- und Nettobuchungszahlen stand am Ende ein operativer Verlust in Höhe von 215,3 Millionen Euro unter dem Strich. Frédérick Duguet, CFO von Ubisoft, erklärt dieses Ergebnis mit Abschreibungen im R&D-Bereich und von gestrichenen Projekten ("Splinter Cell VR", "Ghost Recon Frontline" und zwei weitere unangekündigte Games) sowie mit der Verlagerung des Fokus und der internen Ressourcen, um sich auf die "größten Chancen" konzentrieren zu können. Damit ist unter anderem der Ausbau der drei "Pillar Brands" gemeint, was Ubisoft anhand von Assassin's Creed im September als Media-Franchise ausbuchstabiert hatte. Dieser strategischen Vorlage soll "Rainbow Six" inklusive "The Division" als Nächstes folgen. Das Ziel von Ubisoft es, dass die drei Pillar Brands (Assassin's Creed, Far Cry und Tom Clancy's) zusammen in den nächsten fünf Jahren für zwei Milliarden Euro Nettoumsatz pro Jahr sorgen. Darüber hinaus hebt das Management das kürzlich angekündigte Global Creative Office und weitere Bemühungen zur Kostenoptimierung durch Synergieeffekte hervor. Ein Beispiel dafür ist der Übergang von einer regionalen zu einer globalen Publishing-Organisation.

Dennoch fiel das Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr 2022/23 besser als erwartet aus, vor allem von Juli bis September wurden die Erwartungen übertroffen. Die Quartalsprognose der Nettobuchungen lag bei 270 Millionen Euro, aber am Ende wurden 406,1 Millionen Euro erzielt, begünstigt durch deutlich höhere Umsätze aus dem Back-Katalog und, in größerem Umfang, durch die schnellere Umsatzrealisierung im Rahmen der Mobile-Lizenzpartnerschaft. Apropos Mobile-Wachstum: Im ersten Halbjahr 2022/23 stammten 27 Prozent der Nettobuchungen aus dem Mobile-Bereich, im ersten Halbjahr 2021/22 waren es lediglich elf Prozent.

Im ersten Halbjahr 2022/23 war die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer:innen in Ubisoft-Games stabil. Hervorgehoben werden die Assassin's-Creed-Reihe und "Rainbow Six Siege". "Rainbow Six Siege" hat mittlerweile 85 Millionen registrierte Spieler:innen und sorgte für ein Umsatzwachstum um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, mit erhöhtem Engagement und Rekord-DARPU. "Rainbow Six Mobile" wurde bereits von 250.000 Personen in der Closed-Beta gespielt. Auch "Origins", "Odyssey" und "Valhalla" aus der Assassin's-Creed-Reihe verzeichneten starke Nutzerzahlen. "Valhalla" hat die Marke von 20 Millionen Spieler:innen überschritten. Laut Ubisoft ist dieser Erfolg eine "enthusiastische Reaktion der Fans auf die Enthüllung" der AC-Roadmap mit "Assassin's Creed Mirage" und "Codename Red". "Origins" und "Odyssey" profitierten von der Präsenz in Abodiensten von Microsoft und Sony.

Aufgrund des starken Back-Katalogs und "soliden Wachstumsaussichten" im zweiten Halbjahr 2022/23 geht die Unternehmensführung davon aus, dass ein Jahresbetriebsergebnis in Höhe von 400 Millionen Euro (Non-IFRS) erreicht wird. Zu den aussichtsreichen Veröffentlichungen zählen "Mario + Rabbids Sparks of Hope", "Just Dance 2023", die ersten Free-to-Play-Initiativen und die noch nicht offiziell angekündigte Erweiterung "Far Cry 6: Lost Between Worlds". Am 9. März 2023 soll dann "Skull and Bones" in See stechen. Zudem sollen die Auswirkungen des Mobile-Deals im zweiten Halbjahr 2022/23 beträchtlicher als im ersten Halbjahr ausfallen.

Marcel Kleffmann

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Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.