Spielwarenmesse eG zufrieden
Mit einem leichten Besucherplus ging die 52. Spielwarenmesse, die vom 1. bis 6. Februar stattfand, zu Ende. Die Aussteller aus dem klassischen Spielwarengeschäft werteten die Messe als Erfolg. Und auch die anwesenden PC-Softwarepublisher, vor allem
"Wir haben die gesteckten Ziele erreicht." Gerd Bise, Vorstandsvorsitzender der Spielwarenmesse eG, zeigte sich bei seinem Abschlussfazit auch mit der 52. Ausgabe der weltweit größten Spielwarenmesse zufrieden. Und es war in der Tat eine besondere Messe. Erstmals wurde die Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg, wie sie offiziell heißt, von einem Bundeskanzler eröffnet. Als Eröffnungsredner war auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber in der Frankenmetropole zu Gast. Beide Spitzenpolitiker bekundeten ihre Verbundenheit mit dem Thema Spielwaren. Stoiber als Großvater einer Enkeltochter und Schröder als gelernter Spielwarenhändler, der eine Ausbildung zum "Kaufmann mit Glaswaren, Porzellan und Spielwaren" absolviert hat. Doch nicht nur der Andrang der Politprominenz bei der Eröffnung sorgte bei den Veranstaltern der Spielwarenmesse für Freude. Auch die Messe selbst verlief positiv. Obwohl das Ausstellungsgelände vor allem in den ersten beiden Tagen nicht gerade überfüllt schien, zählten die Veranstalter 54.000 Besucher aus 110 Ländern. Das sind 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Zurückzuführen sei das Plus vor allem auf das Publikum aus dem Ausland. "Mit mehr als 19.600 Auslandsbesuchern haben wir eine neue Bestmarke gesetzt", so Bise.
Milliardenumsatz mit Videospielen
Die Besucherzahl aus Deutschland wuchs nur minimal. Die Organisatoren werteten dies als Zeichen, dass "im Inland das Kernpotenzial an Kunden seit Jahren vollständig ausgeschöpft" ist. Damit widersprach die Messeleitung auch einem der Hauptargumente von Sony Computer Entertainment Deutschland (SCED), von der Messe fernzubleiben. SCED-Chef Manfred Gerdes hatte im November 2000 fehlende Strategien kritisiert, wie zusätzliches Fachpublikum auf die Messe gelockt werden sollte. Über die mangelnde Anwesenheit von Einkäufern konnte sich Nintendo, dank des Fehlens von SCED Platzhirsch auf der Messe, nicht beschweren. Annähernd 250 Mio. Mark betrug nach Angaben von Axel Herr, General Manager Sales/Marketing Deutschland, das Ordervolumen, das Nintendo auf der Messe erzielen konnte. Herr verlor damit auch eine Wette gegen sein eigenes Sales-Team und donnerte am letzen Messetag mit einer Kawasaki rund um den Nintendo-Stand. Mit Genehmigung der Messeleitung, versteht sich.
Ähnlich zufrieden zeigten sich aber auch andere Aussteller aus dem Nichtkonsolenmarkt. Bei einer Umfrage unter 2800 Ausstellern beurteilten 77 Prozent den Messeverlauf mit "gut" oder "sehr gut". Mit Spannung erwartet wird auf der Spielwarenmesse auch stets die offizielle Branchenbilanz, die der Verband des Spielwareneinzelhandels (BVS) jährlich vorlegt. Zwar wurde 2000 im Spielwarenhandel ein Umsatzplus erzielt. Mit nur einem Prozent lag es aber unter den Erwartungen des BVS. Rund sechs Mrd. Mark setzte der Handel im Jahr 2000 demnach um. Die Tatsache, dass davon 1,23 Mrd. Mark auf die Videospielhard- und -software sowie Zubehörartikel entfallen, unterstreicht einmal mehr die Bedeutung dieser Industrie für den Spielwarenhandel - und umgekehrt. Umso enttäuschender ist, dass gerade aus der Konsolenbranche nicht mehr Anbieter nach Nürnberg fuhren. Umso besser vertreten waren hingegen die Bereiche PC-Games, Kinderspiele sowie Info/Edutainment, denen der Spielwarenhandel bislang ja eher verhalten gegenüberstand.
Lego bringt "Harry Potter"-Titel
Das Umdenken des Spielwarenhandels auf der einen und der Drang der PC-Softwarehersteller hin zu Casual-Games und massenmarkttauglichen Lizenzspielen auf der anderen Seite könnten durchaus das Fundament für eine erfolgreiche Absatzpartnerschaft bilden. Ob nun Ravensburger Interactive, Havas Interactive, Terzio oder Tivola - viele sind auf der Messe mit gutem Beispiel und erfolgversprechenden Produkten vorangegangen. Den Hot-Shot landete allerdings Lego, die ein Lizenzabkommen mit Warner Bros. Consumer Products während der Messe bekannt gaben. Zwei Titel zu "Harry Potter" wird Lego veröffentlichen, den ersten bereits im Herbst 2001. Insgesamt konnten aber auch die durchweg positiven Signale seitens der PC-Branche nicht darüber hinwegtäuschen, dass SCED, Sega und die fehlenden Softwarehersteller in Halle 8 durchaus eine große Lücke hinterlassen haben. Unter diesen Umständen bleibt abzuwarten, wie sich Microsoft im nächsten Jahr entscheidet, ob SCED für 2002 die Messeplanung überdenkt oder ob Nintendo vom 31. Januar bis 5. Februar 2002 wieder viel Platz und Aufmerksamkeit für sich allein hat.