Spielwarenmesse ohne Games
Am 30. Januar eröffnet Bundespräsident Rau die Nürnberger Spielwarenmesse. Für die Softwarebranche ist die 54. Ausgabe der internationalen Leitmesse allerdings kein "Must-have". Die Anbieter von Computer- und Videospielen glänzen in diesem Jahr durch Abwesenheit.
Die Spielwarenmesse hat für die Unterhaltungssoftwarebranche ihren Reiz verloren. Davon muss man kurz vor Beginn der internationalen Leitmesse am 30. Januar wohl ausgehen. Ein krasser Unterschied zum vergangenen Jahr bahnt sich an, als GameCube und Xbox noch zu den Highlights der Veranstaltung zählten. Nintendo, in den Vorjahren treuer Aussteller in den Nürnberger Messehallen, hat sich bereits früh, im August 2002, gegen einen erneuten Auftritt ausgesprochen. Auch Sony Computer Entertainment Deutschland und Microsoft werden in Nürnberg nicht zu finden sein. Die Unterhaltungssoftwareindustrie wird erwachsen. Dabei mag es eine Rolle spielen, das Konsolen zwar zuhauf in Kinderzimmern stehen, die Hersteller aber zu verhindern versuchen, sich ausschließlich über diese Zielgruppe definieren zu lassen.
Die Spielwarenmesse scheint dabei nicht die passende Kommunikationsplattform zu sein, um der Öffentlichkeit dies zu verdeutlichen. Keine Konsolenhersteller bedeutet in diesem Jahr aber auch keine Softwarefirmen und nahezu kein Gameshandel. Ein herber Schlag für die Messeorganisatoren? Vielleicht nicht. Die Spielwarenmesse hat sich im Lauf des vergangenen Jahres nach anderen Schwerpunkten umgetan. Und ist etwa beim Thema Lizenzen fündig geworden. 2003 sollen in einem neuen Rahmen aktuelle Lizenzthemen und -produkte aufgegriffen werden. Nach einer Podiumsdiskussion im letzten Jahr eröffnet am 30. Januar erstmals eine Lizenzensonderschau mit Produktausstellung, Meetingpoint und Besprechungsräumen im Foyer der Halle 6. "Das bedeutet, dass wir dem Thema Lizenzen eindeutig eine Chance geben, in Nürnberg eine langfristige Heimat zu finden, die wir auch in Zukunft beabsichtigen, kooperativ und marktorientiert mit allen Partnern auszubauen", sagt Ernst Kick, seit Dezember neuer Vorstandssprecher der Spielwarenmesse eG.
Die Spielwarenmesse findet vom 30. Januar bis 4. Februar statt. Eröffnet wird sie von Bundespräsident Johannes Rau. "Mit Johannes Rau eröffnet zum zweiten Mal ein Bundespräsident die Spielwarenmesse," freut sich Ernst Kick. "Mit seiner Teilnahme unterstreicht er die Wichtigkeit der Spielwaren und deren Industrie für unsere Gesellschaft sowie in der Entwicklung unserer Kinder und Jugend." Der Bayerische Ministerpräsident und der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, sind die Schirmherren der 54. Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg. Erwartet werden über 70.000 internationale Besucher und rund 2700 Aussteller aus über 50 Nationen. Der Ball wird damit flach gehalten: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Messe 2837 Aussteller aus 54 Nationen sowie 74.600 Besucher.