Spitzengespräch mit der Spielwarenmesse
Am 24. August trafen in Nürnberg die Organisatoren der Spielwarenmesse und Vertreter von führenden Spielepublishern zu einem Strategiegespräch zusammen. Gemeinsam sollten erste Weichen für die weitere künftige Zusammenarbeit gestellt werden.
Die Einladung einiger führender Vertreter der Gamesindustrie nach Nürnberg zeigte eines deutlich: Die Veranstalter der Spielwarenmesse sind sehr um die Gamesindustrie bemüht. Es ist nicht das erste Signal, das aus Nürnberg Richtung Publisher geht: 2000 fasste die Messe, die zu den Fördermitgliedern des VUD zählt, die Branche erstmals in einer Halle zusammen. Und erst kürzlich wurden die Franken mit der Realisierung eines deutschen Gemeinschaftsstands auf der E3 in 2001 betraut. Auf dem jetzigen Strategietreffen ging es der Spielwarenmesse vor allem darum, die Bedürfnisse der Branche zu sondieren und gemeinsam über eventuelle konzeptionelle Änderungen zu beraten.
Im Rahmen der anschließenden Pressekonferenz bezeichnete Gerd Bise, Vorstandsvorsitzender der Spielwarenmesse eG und Gastgeber der Veranstaltung, die Branche als "natürliches Mitglied" des Spielwarensegments. Für ein derartiges Strategiegespräch sei es "mehr als Zeit" gewesen. Konkret ginge es darum, neue Zielgruppen zu definieren, deren Ansprache zu koordinieren und so den Erfolg der Publisher auf der Messe zu erhöhen. Da alle Beteiligten das Thema Zusammenarbeit als langfristiges Engagement ansehen, war mit ersten konkreten Ergebnissen, die sich bereits auf die nächste Spielwarenmesse Anfang 2001 auswirken könnten, nicht zu rechnen. Es bleibt also vorerst bei Halle 8. Laut Bise sind wohl ein paar zusätzliche Softwarepublisher als Aussteller dort im nächsten Jahr zu erwarten. Für 2002 sei zu überlegen, ob zusätzliche Fläche bereitgestellt werde. Alles in allem dürfen die Gespräche als Erfolg gewertet werden, da Positionen ausgetauscht und gemeinsame Ziele festgelegt wurden.
Der Dialog muss und wird wohl weitergehen. Schließlich werden sich auch für das kommende Jahr verschiedene andere Messegesellschaften um die Branche bemühen. "Die Diskussionen, ob die Spielwarenmesse die einzige deutsche Messe für die Unterhaltungssoftware-Industrie sein wird, ist noch nicht abgeschlossen", ließ Hermann Achilles, Geschäftsführer des Branchenverbands VUD, auf der Pressekonferenz alle Optionen offen.
Neue Business Modelle gefragt
Neben den Ergebnissen des Strategietreffens trugen zwei der Teilnehmer auf Pressekonferenz in Nürnberg ihre Einschätzung über künftige Marktentwicklungen vor. Axel Herr, Managing Director Sales & Marketing Deutschland bei Nintendo of Europe, nahm dabei den Konsolenmarkt in Augenschein. "Wir erwarten nicht, dass es ein vierter Wettbewerber in 2001 schafft, in den Markt zu stoßen", so Herrs Prognose für 2001. 2002 sieht Herr als ein sehr interessantes Jahr voraus. Dafür gibt es mehrere Gründe: Herr rechnet mit einer Konsolidierung, da zwar vier Player auf der Hardwareseite aktiv sein würden, der Markt aber nur zwei vertrage. Zudem würden die Konsolen in Konkurrenz mit Settop-Boxen und anderen Geräten treten. Dennoch glaubt Herr an ein beträchtliches Wachstum und kündigt für 2001/2002 eine Verdoppelung des Gesamtvolumens der Videospiele in Deutschland an.
Den reinen Software-Aspekt beleuchtete Dr. Gerhard Florin, Geschäftsführer von Electronic Arts, in seinem Vortrag. Für Florin ist die Software, der Inhalt, die Unterhaltung entscheidend, nicht die Hardware. Da die Industrie im Gegensatz zur Musik- und Videobranche technologiegetrieben ist, wirke sich jede technische Neuheit auf die Publisher aus. Online spielt seiner Meinung nach eine wesentliche Rolle. Florin sieht daher auch eine Neugestaltung der Business-Modelle voraus. Der Verkauf von Trägermedien mit Inhalten ist künftig nur eine von sieben Möglichkeiten, die Florin als mögliche Einnahmequellen identifiziert. Monatsgebühren, Pay-per-Play, In-Game-Werbeeinnahmen oder E-Commerce-Vermittlungsgebühren sind weitere. Aber auch die Rückvergütung durch die Netzbetreiber, bei denen man für Traffic sorgt, und schließlich die Refinanzierung über Marktkapitalisierungen können Bestandteil des Business-Modells der Zukunft sein.