Studie attestiert Onlinewelten geringes Suchtpotenzial
Auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland, der vom 8. bis 10. Mai in Leipzig stattfand, diskutierte ein Expertenpanel über das Suchtpotenzial von Onlinewelten. Tenor: Nur bei einer sehr geringen Zahl der Nutzer verschwimmen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt.
"Dass Online-Welten süchtig machen sollen, ist eine alte Debatte, trifft aber nur für rund fünf Prozent der Nutzer zu", so der zentrale Diskussionsbeitrag von Dr. Udo Thiedeke der Universität Mainz im Rahmen des Medientreffpunkts Mitteldeutschland, der vom 8. bis 10. Mai in Leipzig stattfand. Anhand einer empirischen Studio, an der gut 10.000 Menschen teilnahmen, ermittelten Thiedeke und sein Team Ergebnisse zum Thema Onlinesucht. Demnach seien sich 2,5 Prozent der Teilnehmer ihrer Sucht bewusst und verbrächten mehr als 60 Stunden pro Woche im Internet. "Dies sind Menschen, die auch im realen Leben Probleme haben, Kontakte zu knüpfen. Sie betrachten die Onlinewelt als Ventil - auch, um Herrschaft auszuüben", erläuterte Thiedeke. Der Großteil der Nutzer könne aber sehr wohl zwischen realer und virtueller Welt unterscheiden.
Die Teilnehmer des Panels sprachen sich gegen eine Verteufelung aus. Vielfach würden über das Netz neue Kontakte geknüpft, die dann auch im realen Leben weitergeführt würden. Selbst in anonymisierten Chaträumen bestünden soziale Reglen. Thiedeke: "Auch das Online-Ich will gepflegt sein, sonst gehen meine Kontakte verloren und ich werde verbannt. Meldet sich der Nutzer unter einem neuen Spitznamen an, fängt er bei null an." Doch müssten auch die Graubereiche des Internets im Auge behalten werden. Foren etwa, in denen zum Freitod oder zum radikalen Abnehmen motiviert werde, verdienen weiterhin kritische Betrachtung.