Studie zu CEE-Vertriebswegen - Prof. Müller-Neuhof sieht wenig Zukunfts-Chancen
Das Internet als Vertriebskanal von Consumer Electronics und anderen Elektroprodukten (CEE) hat in Deutschland keine wirtschaftliche Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Studie der Universität Erfurt in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kommunikationsagentur Complan Medien.
"Der E-Commerce kann die hohen Anforderungen an den Vertrieb beratungsintensiver Produkte nicht erfüllen", sagte Professor Klaus Müller-Neuhof, Leiter des Fachbereichs Betriebliche Kommunikation an der Universität Erfurt. Lediglich 3,5 Prozent der Verbraucher haben laut der Studie "Vertriebswege für CEE - Internet, Images und Trends" (VIT 2000) schon einmal CEE-Produkte über das Internet gekauft. 31 Prozent der Befragten können sich dies der Umfrage nach zwar "in Zukunft vorstellen", über 60 Prozent gaben jedoch an: "Nein, das werde ich nie tun." Dies belegt nach Müller-Neuhof, "dass die Kunden auf unmittelbaren Kontakt zu Waren und Beratern nicht verzichten wollen. Auswahl, Präsentation und Empfehlung behalten ihre überragende Bedeutung." 42 Prozent der Befragten glauben, dass gutes Fachwissen des Personals künftig eine noch größere Rolle spielt. Darüber liegt in der Einschätzung mit 62 Prozent nur die künftige Bedeutung eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses. Auch Hersteller und Distributoren von CEE-Produkten sind deshalb zu über drei Vierteln davon überzeugt, dass persönlich geführte Fachgeschäfte das Geschäft weiter beherrschen werden.
Den Ergebnissen von VIT 2000 zufolge, für die 1000 Verbraucher und über 4000 Fach- und Handelsunternehmen, Politiker und Behördenvertreter befragt wurden, liegt die Bedeutung des Internets auf einer anderen Ebene: Es rationalisiere und beschleunige bestehende Geschäftsprozesse, schaffe eine neue Infrastrukturbasis für den Handelsverkehr und eigne sich als Werkzeug, um zusätzlich Kundenkontakte aufzubauen. Fazit der Untersuchung: "Das Medium erzeugt keine Konkurrenz der Vertriebswege untereinander, es intensiviert den Wettbewerb und fördert Innovationen innerhalb der Vertriebswege. Es wird den stationären Handel flankierend unterstützen, im Extremfall auch umgestalten." Müller-Neuhof glaubt, diese Entwicklung könne zu neuen Vertriebsszenarien führen. "E-Commerce bedeutet nicht automatisch Direktvertrieb, sondern eher einen Vertriebsmix", erklärte er. Der Einzelhandel würde dann nur noch eine Plattform zur Darstellung der Produkte und den Service in Gewährleistungsfällen bieten, der erste Kontakt, Bestellung und Bezahlung verliefen jedoch online.