Terzio-Tochter SoliMedia feiert ersten Geburtstag
Vor etwas mehr als einem Jahr wagte Kindermedienpublisher Terzio den Schritt zum eigenen Entwicklerstudio: SoliMedia Productions. Eine Entscheidung, die beide Firmen bislang nicht bereut haben.
"Kein Vorlauf und zehn Leute, die sich nicht kannten und denen die Philosophie der Münchner Firmenmutter Terzio fremd war." So beschreibt Katrin Hessing, Geschäftsführerin von SoliMedia Productions in Erfurt, den Start dieses Entwicklerstudios vor etwas mehr als einem Jahr. Die Chefin und ihr Team mussten vom ersten Tag an ran. Damals "steckten wir eigentlich schon mitten im Produktionsprozess der 'Löwenzahn 7' und der ersten 'KI.KA'", sagt Hessing. Nach eigenen Angaben vermochte die Geschäftsführerin zu diesem Zeitpunkt auch das Leistungsvermögen ihrer Mitarbeiter noch nicht einzuschätzen. Jedoch sei ihr beim Start von SoliMedia die Erfahrung aus ihrer früheren Tätigkeit als Lektoratsleiterin von Terzio zugute gekommen. Schon damals war Hessing für Angestellte und Budgets verantwortlich - mit einem Unterschied: "Wenn ich nicht weiterwusste, konnte ich die Verantwortung an die Geschäftsführung von Terzio abgeben."
"Werden nicht an die Börse gehen"
Zwar könne sie sich auch heute noch Rat aus München holen, aber inzwischen treffe sie fast jede Entscheidung allein. Bei Terzio hat man den Schritt zum eigenen Entwicklerstudio bislang offensichtlich nicht bereut. Im Gegenteil: "Nach dem Erwerb der 'Ritter Rost'-Rechte war die Gründung von SoliMedia die zweitbeste Idee in der jüngeren Verlagsgeschichte", sagt Terzio-Boss Ralph Möllers. Innerhalb kürzester Zeit sei die Tochterfirma aus der Investitionsphase herausgewachsen. Eine Leistung, die auch den Finanzspritzen Thüringens und der Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) geschuldet ist. Laut Hessing trug die MDM bei der Entwicklung der Titel "KI.KA-ROM 1" und "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" rund 40 Prozent der Kosten. "Das war die entscheidende Hilfe, um den Standort Erfurt überhaupt mit einem für Terzio gerade noch vertretbaren Risiko auszubauen", sagt die SoliMedia-Chefin. Bei diesem Geld handele es sich um ein Darlehen, das angesichts "des Totalversagens der deutschen Banken im Mediensektor" die einzige realisierbare Finanzierungsmöglichkeit für kleine und mittelständische Firmen dieses Bereichs sei.
Eine Auffassung, die Terzio-Geschäftsführer Möllers teilt: "Mit einer Bank brauchen Sie als mittelständischer Verlag heute ja nicht mehr zu reden", kritisiert er die Kreditvergabepolitik der Banken. Zudem habe Erfurt SoliMedia Räume im städtischen Technologie- und Medienzentrum Erfurt zur Verfügung gestellt, die thüringische Landesregierung das junge Entwicklerstudio mit einem Mietzuschuss unterstützt. Inzwischen finanziere es sich unter anderem über Budgets, die ihm die Mutterfirma für Eigenproduktionen zahle. Künftig will die Erfurter Tochterfirma verstärkt für andere Publisher arbeiten. Vergangenes Jahr hatte sie von Klett- Perthes den ersten Fremdauftrag für die Entwicklung einer unterrichtsbegleitenden Software für Erdkundelehrer erhalten und abgeschlossen. Inzwischen sei ein Nachfolgeprodukt in Auftrag.
Derzeit liege das Verhältnis von Terzio- zu Fremdtiteln noch bei 4:1, doch es soll sich künftig in 3:2 ändern. Aber egal, welche Art Produktion: Bislang habe das inzwischen von acht auf elf Mitarbeiter angewachsene Team von SoliMedia jeden Auftrag fristgerecht abgewickelt. Während des ersten Firmenjahres hat Hessing aber auch Tiefpunkte erlebt. Als Beispiel nennt sie, wenn sie jemanden entlassen musste oder nicht übernehmen konnte, auch wenn der oder die Betroffene sehr motiviert war. Aber die SoliMedia-Geschäftsführerin glaubt fest daran, dass ihre Firma überleben wird. Im Marktsegment Kindermedien werde das Terzio-Entwicklerstudio in Thüringen Zeichen setzen. Dass Hessing trotzdem realistisch bleibt, zeigt ihre Prognose für das laufende Jahr: "Wir werden nicht an die Börse gehen, und wir werden uns keine Porsche Boxter kaufen."