Am 8. September lud Sega Industrie- und Handelspartner zu einer großen Party nach Düsseldorf. Doch zuvor gab es noch neueste Informationen rund um Dreamcast. Im Gespräch mit Entertainment Markt bringt Thomas Zeitner, General Manager Sega Deutschland, die Key-Facts noch einmal auf den Punkt.

Entertainment Markt: Sega ist seit elf Monaten im Markt. Haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Thomas Zeitner: Definitiv. Ziel Nummer eins war es, für Dreamcast eine schlagkräftige Truppe aufzubauen. Das haben wir geschafft. Viel wichtiger war es für uns aber, ein erfolgreiches Geschäftsjahr zu absolvieren. Auch das haben wir mit über 100.000 durchverkauften Dreamcast-Konsolen geschafft. Nach vielen sehr schwierigen Jahren, auch Jahren mit Verlusten für Sega in Deutschland, hat Sega Deutschland zum ersten Mal nach zehn Jahren Profit abgeliefert. Neben der Etablierung von Dreamcast im Markt war das für uns das vorrangige Ziel. Jetzt gehen wir mit einer relativen Alleinstellung hinsichtlich des Preises und des Softwareangebots ins diesjährige Weihnachtsgeschäft.

EM: Sega hat sich für das Weihnachtsgeschäft einiges vorgenommen. Ist das Mediabudget in Höhe von 6 Millionen Mark, das sie in eine sechswöchige Preis-Leistungs-Kampagne stecken, eine Kampfansage an Sonys PS 2?

TZ: Es ist die Frage, in wie weit wir hier kämpfen müssen … (lacht) Preislich sind wir sehr weit auseinander, qualitativ sind wir ganz nah zusammen. Es gibt viele Titel, die auf Dreamcast besser aussehen als auf PS 2. Sind wir es, die kämpfen müssen? Müssen wir jetzt tatsächlich sagen, dass wir sehr preisintensiv und preisaggressiv sind und dass wir 150 Softwaretitel im Markt haben? Müssen wir dem Endverbraucher sagen, du bist - um im MediaMarkt-Jargon zu bleiben - blöd, wenn du doppelt soviel Geld für zehn Titel ausgibst, die qualitativ nicht einmal so gut sind wie unsere. Muss nicht vielmehr der andere Anbieter kämpfen, der Ende November im Markt startet und sich erst noch am Point of Sale etablieren muss, während wir schon 150.000 Stück durchverkauft haben? Gegen wen sollten wir kämpfen? Gegen den Mythos PlayStation, gegen vier Millionen verkaufte PlayStations oder gegen das Produkt selber? Unsere Aussage muss sein: Viele haben auf den Launch von PS 2 gewartet, weil sie PlayStation eins haben und sich, wenn Qualität und Preis/Leistung stimmen, vielleicht wieder für PlayStation, dann PS 2, entscheiden. Hier müssen wir in der Tat kämpfen. Diese Leute werden wir für Dreamcast gewinnen. Das ist die Kampfansage, die wir machen werden. Und diese wird tougher ausfallen als in der Vergangenheit.

EM: Wo setzt Sega das Mediabudget ein?

TZ: Über die Hälfte dieser sechs Millionen Mark geben wir für TV-Werbung aus. Insgesamt haben wir 829 Spots geschaltet, überwiegend in der Primetime zwischen 20 und 23 Uhr. Wir sind bei allen Privatsendern dabei. Die Nummer eins ist RTL, dann ProSieben, gefolgt von SAT1, Kabel und Vox. Ein Teil fließt auch in Sport- und Musiksender. In Kinowerbung werden wir 1,6 Millionen Mark investieren, der Rest fließt in Plakatierungen.

EM: Wann läuft die TV-Werbung an?

TZ: Den Starttermin geben wir noch nicht bekannt. Nur so viel: Wir konzentrieren uns hierbei auf das Weihnachtsgeschäft.

EM: Zudem geben Sie zusätzlich noch vier Millionen Mark für Promotionaktivitäten aus. Wofür konkret?

TZ: Da gibt es ein ganzes Maßnahmenpaket. So haben wir einen Dreamcast-Truck, der durch die Bundesrepublik tourt. Dann haben wir weitere 1000 interaktive Displays, die wir im Handel etablieren. Außerdem haben wir mit sehr vielen Handelspartnern Promotion am Point of Sale in der Weihnachtszeit vereinbart.

EM: Wie viele Titel werden in der Weihnachtszeit verfügbar sein?

TZ: Auf der Releaseliste stehen über 180 Titel, 150 Softwaretitel sind aber sicher, darunter auch "Shenmue", der im Dezember erscheint. Am 3. November werden wir voraussichtlich auch "Ready 2 Rumble Round 2" haben, das von Sega selbst vertrieben wird.

EM: Wie viele Units von Dreamcast wird Sega in diesem Weihnachtsgeschäft im Handel haben?

TZ: Rein theoretisch müssten wir, wenn man den Gesamtmarkt zugrunde legt, rund 300.000 Stück im Handel etablieren können. Dieses Volumen steht uns aber nicht zur Verfügung. Was wir definitiv ausliefern können, sind 250.000 Units für Deutschland und Österreich. Wir gehen davon aus, dass wir bei normalem Durchverkaufsniveau am 31. Dezember 2000 bei durchverkauften 280.000 Stück in Deutschland stehen werden. Der Handelsbestand bei Dreamcast wird im Januar 2001 bei rund 40.000 bzw. 50.000 Units Maximum liegen.

EM: Der offizielle Regalpreis ist seit 11. September 399 Mark. Sie sagten, dass eines Tages auch ein Preis von 299 Mark denkbar wäre. Wann ist eines Tages?

TZ: Eines Tages ist eines Tages. (lacht) Man darf den 128-Bit-Markt nicht einfach mit der Historie vergleichen. Die Herstellungskosten in diesem Segment liegen deutlich höher als bei den 32-Bit-Konsolen. Trotzdem wissen wir natürlich, dass man in Deutschland im Konsolenbereich einen Preis von 299 Mark braucht, um den Massenmarkt zu erreichen. Das Beispiel PlayStation hat dies nachdrücklich gezeigt. Das ist die Marke, die sich der Endverbraucher wünscht, die sich der Handel wünscht und was sich auch die Industrie wünschen wird, wenn sie in der Lage ist, die Preise intern so zu gestalten, dass ein solcher Preis realisierbar ist. Für uns ist der Preis von 399 Mark fantastisch, wenn Sie etwa zum Vergleich die Preisstruktur im PC-Bereich heranziehen, wo man für einen Pentium-III-Rechner ohne Monitor etc bei einem Werbepreis von 2.000 Mark liegt. Deshalb werden wir eine Zeit lang mit dem Preis von 399 Mark für eine 128-Bit-Online-Konsole auskommen werden, zumal wir damit immer noch weit unter der Hälfte vom PS-2-Preis liegen. Auch mit der X-Box kommt zwar demnächst ein Wettbewerber auf uns zu, aber auch dieser ist preislich in einer ganz anderen Welt aufgestellt als Dreamcast. Nun noch einmal zu der Frage: Hier bedarf es eines präzisen Timings für den Preispunkt von 299 Mark.

EM: In Düsseldorf gaben Sie auch einen Ausblick auf "revolutionäre" Peripheriegeräte für Dreamcast. Wann kann der Handel damit rechnen?

TZ: Das Dreamcast-Mikrofon kommt noch vor Weihnachten dieses Jahr. Das erste Spiel, bei dem wir es einsetzen können, ist "Dream Dorobo", das innerhalb der Spielecompilation "Planet Ring" ausgeliefert wird. Wir glauben, dass wir hiermit nicht nur einen technischen Vorsprung demonstrieren können, sondern dass der Endverbraucher solche Produkte auch annimmt. Dann haben wir noch die Kamera Dreameye, die wir am 14. September in Japan veröffentlicht haben und die eventuell noch vor Weihnachten auch in Deutschland herauskommt, spätestens aber im Frühjahr 2001. Und die 4xMemory Unit kommt Anfang Oktober.

EM: Herr Zeitner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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