In einem Medienbericht, der auf Interviews mit MitarbeiterInnen von Bungie basiert, sind die Arbeitsbedingungen in dem Studio kritisiert worden. Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Vetternwirtschaft werden erwähnt. CEO Pete Parsons reagierte, entschuldigte sich und gelobt Besserung.

Nach Riot Games, Ubisoft, Paradox Interactive und jüngst Activision Blizzard gibt es weitreichende Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Bungie. Das US-amerikanische Unternehmen ist eines der größten unabhängigen Spiele-Studios der Welt und beschäftigte im Jahr 2019 ungefähr 600 MitarbeiterInnen. Sie arbeiten hauptsächlich an "Destiny 2". Das Online-Magazin IGN sprach mit 26 aktuellen und ehemaligen MitarbeiterInnen, von denen mehrere klare Aussagen über Sexismus, Rassismus, übergriffige Chefs, systematische Diskriminierung und Vetternwirtschaft im Unternehmen in den vergangenen Jahren machten. Neben dieser toxischen Studiokultur wird auch Crunch erwähnt, obwohl sich die Führungsetage stets öffentlich gegen Crunch ausgesprochen hatte.

Im Fadenkreuz der Kritik steht vor allem das narrative Team. Geschlechtsspezifische Verunglimpfungen, homophobe und rassistische Witze und missbräuchliches Verhalten werden erwähnt - hauptsächlich ausgehend von weißen, männlichen Führungskräften. Beschwerden über entsprechendes Verhalten wurden gemäß der Berichte entweder marginalisiert oder ignoriert. Es wurde auch erwähnt, dass das Team in "Krisenzeiten" bis zu 100 Stunden pro Woche gearbeitet hatte und trotzdem keine zusätzlichen Mitarbeiter eingestellt wurden. Außerdem mussten sie als Bauernopfer für die Kritik vieler Spieler an "Destiny 2: Curse of Osiris" (2017) herhalten, ohne Unterstützung von der Führungsetage zu bekommen, heißt es von den Interviewten. Vielmehr sollen sie sogar intern als Sündenbock bezeichnet worden sein. Verschiedene MitarbeiterInnen empfanden den generellen Umgang mit Mitarbeitenden als rücksichtslos und unfreundlich, besonders wenn diese schwierige Situationen zu bewältigen hatten.

CEO Pete Parsons reagierte auf den Bericht von IGN und entschuldigte sich bei den MitarbeiterInnen: "Unsere Handlungen oder, in einigen Fällen, unsere Untätigkeit haben diesen Menschen Schmerz bereitet. Ich entschuldige mich persönlich und im Namen aller Mitarbeiter von Bungie, von denen ich weiß, dass sie ein tiefes Gefühl der Empathie und Traurigkeit empfinden, wenn sie diese Berichte lesen." Zugleich stellte er heraus, dass viele leitende Angestellte, denen entsprechende Vorwürfe gemacht wurden, nicht mehr in dem Unternehmen tätig seien. Aber sie hätten "zu lange gebraucht hat, um einige von ihnen zu entfernen", sagte Parsons.

In den letzten Jahren hätte das Studio aber Fortschritte gemacht, heißt es von einigen Personen, die mit IGN sprachen. So hat Bungie u.a. einen Director für Diversität und Inklusion eingesetzt, der mit Mitarbeiter-Gruppen wie Black at Bungie, Women at Bungie, Trans at Bungie und Accessibility at Bungie zusammenarbeitet.

Zudem hat sich Parsons in einem öffentlichen Stellungnahme zu den Anschuldigungen geäußert und Fehler eingeräumt. Der CEO schrieb: "Zunächst möchte ich mich bei allen entschuldigen, die bei Bungie jemals etwas anderes als ein sicheres, faires und professionelles Arbeitsumfeld erlebt haben. Ich bin nicht hier, um die Erfahrungen zu widerlegen oder in Frage zu stellen, die wir heute von den Menschen hören, mit denen wir das Glück hatten, zusammenzuarbeiten und die unserem Studio ihre Zeit und ihr Talent geschenkt haben."

Seit 2018 würden sie die Zusammensetzung der Teams gezielter beobachten und versuchen, die Diversität zu fördern:

"In den letzten fünf Jahren haben wir die Zahl der Mitarbeiter*innen, die sich als Frauen oder Menschen aus unterrepräsentierten Communitys identifizieren, auf 20,5 % bzw. 18,6 % erhöht.

Im Jahr 2021 sind 31 % unserer neuen Mitarbeiter*innen Frauen und 23 % Menschen aus unterrepräsentierten Communitys.

Auf der Führungsebene bezeichnen sich 22,5 % als Frauen und 20 % als Menschen aus unterrepräsentierten Communitys. Die Führungsebene bei Bungie besteht aus Entscheidungsträgerinnen, die einen großen Einfluss auf den Gesamterfolg wichtiger Initiativen haben, die für die Bedeutung und die Karrieren ganzer Abteilungen von Mitarbeiterinnen verantwortlich sind und die den langfristigen Erfolg des Studios vorantreiben.

Heute machen Frauen oder Menschen aus unterrepräsentierten Communitys 50 % des Verwaltungsrats von Bungie aus. Außerdem sind 40 % der Führungskräfte von Bungie Frauen oder Menschen aus unterrepräsentierten Communitys."

Abschließend sagte er: "Die Fortschritte, die wir bereits erreicht haben, machen mir Mut, aber sie reichen nicht aus und ihre Umsetzung hat zu lange gedauert. Außerdem werden dadurch die schlechten Erfahrungen, die Menschen in unserem Studio gemacht haben, nicht weggewischt. Als CEO ist es meine Aufgabe, sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft zu berücksichtigen und Verantwortung für die gegenwärtigen Ereignisse zu übernehmen. Nachdem ich mit dem Team von Bungie gesprochen, alle Geschichten gelesen und sowohl bekannte als auch neu aufgetauchte Berichte gesehen habe, ist es klar, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben."

"Ich werde mich voll und ganz dafür einsetzen. Wir sind noch nicht das Studio, das wir sein können, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Und wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, denn wir wissen, dass der Weg zu Inklusion, Vielfalt und Gerechtigkeit das Ziel ist, das wir alle anstreben. Dieses Ziel ist entscheidend für die Entfaltung des Potenzials und die Verwirklichung unserer Vision, Bungie zu einem einladenden, gleichberechtigten Ort kreativer und technischer Exzellenz zu machen."

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Written by

Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.