Ubisoft meldet rückläufige Buchungen im Vergleich zum Rekordvorjahr
Auch wenn die Nettobuchungen im Vergleich zum Rekordergebnis aus dem Vorjahr rückläufig sind, ist der französische Publisher mit dem Ergebnis zufrieden. Ubisoft will weiter auf organisches Wachstum setzen und die Free-to-play-Ambitionen ausbauen. Eine Offenheit gegenüber Übernahmen wird ebenso erwähnt.
Auch Ubisoft hat mittlerweile den aktuellen Geschäftsbericht präsentiert. Im dritten Quartal, Oktober bis Dezember 2021, des Geschäftsjahres 2021-22 verzeichnete das Unternehmen Nettobuchungen in Höhe von 746,1 Millionen Euro - in etwa auf dem Niveau der Erwartungen der Unternehmensführung. Im gleichen Quartal des Vorjahres hatte der Publisher noch die rekordverdächtige Eine-Milliarde-Schwelle knapp genommen, hauptsächlich durch das starke Spieletrio "Assassin's Creed Valhalla", "Watch Dogs Legion" und "Immortals Fenyx Rising".
Ubisoft hatte "Far Cry 6" und "Riders Republic" im besagten Zeitraum veröffentlicht. Der Shooter soll unter den Top 5 der Neuerscheinungen des Kalenderjahres 2021 sein (Premium-Neuerscheinungen auf PlayStation und Xbox basierend auf Schätzungen von NPD, GSD und Ubisoft) und verzeichnete einen Anstieg der Spielzeit und PRI pro SpielerInnen um 45 Prozent respektive 30 Prozent im Vergleich zu "Far Cry 5". "Riders Republic" wurde von den SpielerInnen laut Ubisoft "sehr gut angenommen". Spielzeit und PRI pro Person stiegen um 60 Prozent respektive um das Vierfache im Vergleich zu "Steep". "Just Dance 2022" profitiert weiterhin von der Dynamik der Switch und lieferte das dritte Jahr in Folge eine starke Performance.
"Assassin's Creed Valhalla" ist weiterhin sehr beliebt und verzeichnete im bisherigen Lebenszyklus einen Anstieg der Nettobuchungen und der PRI von über 70 Prozent und über 80 Prozent gegenüber "Assassin's Creed Odyssey". Das Engagement der SpielerInnen von Valhalla liegt laut Ubisoft knapp 40 Prozent über dem von Odyssey, deswegen soll im März 2022 auch die bisher größte Erweiterung der Reihe "Die Zeichen Ragnaröks" veröffentlicht werden.
"Tom Clancy's Rainbow Six Siege" erreichte bis heute 80 Millionen aktive Spieler, zehn Millionen SpielerInnen kamen in den letzten zwölf Monaten hinzu. "Tom Clancy's Rainbow Six Extraction", das am 20. Januar 2022 veröffentlicht wurde und auch im Xbox Game Pass enthalten ist, erreichte fünf Millionen SpielerInnen.
Wird der Zeitraum von April bis Dezember 2021 betrachtet, dann liegen die Nettobuchungen bei 1,464 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang um 16,6 Prozent im Vergleich zum starken Vorjahr. 74,3 Prozent der Nettobuchungen erfolgten digital, 36,6 Prozent fallen in die PRI-Kategorie. PRI ist für Ubisoft ein Sammelbegriff für wiederkehrenden Investitionen der Spieler (PRI), also für Verkäufe von DLC-Inhalten, Mikrotransaktionen, Saisonpässen und Abonnements. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die digitalen Nettobuchungen und die PRI-Nettobuchungen um 3,5 Prozentpunkte respektive 3 Prozentpunkte. Der Back-Katalog ist für Nettobuchungen in Höhe von 937 Millionen Euro verantwortlich, das sind 64 Prozent aller Nettobuchungen. Die Back-Katalog-Nettobuchungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent und um 37 Prozent im Vergleich zum Jahr davor (jeweils gleicher Zeitraum). Die beliebtesten Spiele aus dieser Kategorie waren: "Assassin's Creed Valhalla", "Assassin's Creed Odyssey", "Brawlhalla", "The Crew 2", "Far Cry 5", "Ghost Recon Breakpoint", "For Honor", "Immortals Fenyx Rising", "Mario + Rabbids Kingdom Battle", "Rainbow Six Siege" und "Watch Dogs Legion".
Im kommenden Geschäftsjahr will der Publisher "Avatar: Frontiers of Pandora", "Mario + Rabbids: Sparks of Hope", "Skull & Bones" und weitere, bisher unangekündigte Titel veröffentlichen. Ubisoft möchte auch die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und der Unternehmenskultur weiter vorantreiben und verweist in dem Kontext auf ein Interview mit Chief People Officer Anika Grant. Zugleich hebt der Publisher hervor: "Die Tripartite Alliance for Fair and Progressive Employment Practices (TAFEP) in Singapur hat ihre Untersuchung des Ubisoft-Studios in Singapur abgeschlossen und ist zu dem Schluss gekommen, dass das Studio über ein strukturiertes System verfügt, um Berichte über Fehlverhalten am Arbeitsplatz zu bearbeiten, dass frühere Beschwerden angemessen behandelt wurden und dass die Gehälter leistungsabhängig sind."
Ubisoft setzt weiter auf organisches Wachstum (u.a. ein neues Studio in Sherbrooke) und möglichst wenig Outsourcing. In dem Geschäftsbericht heißt es: "Darüber hinaus erfordern unsere organischen Investitionen - um unser Premium-Portfolio zu erweitern und unsere etablierten Franchises einem deutlich breiteren Publikum durch Free-to-play zugänglich zu machen - mehrere Tausend Talente, die mehrere Jahre an neuen Technologie- und Spieleprojekten arbeiten, bevor wir Einnahmen erzielen. Das braucht zwar Zeit, aber so hat Ubisoft im Laufe seiner Geschichte ein großes Umsatzwachstum und einen enormen Wert für seine Aktionäre geschaffen. Während wir unsere Plattformen für Free-to-play entwickeln, sind wir auch eine Partnerschaft mit Tencent eingegangen, einem der produktivsten Entwickler von Handyspielen für die Kernzielgruppe. Diese Partnerschaft wird bald bedeutende Früchte tragen. Ebenso werden unsere ehrgeizigen Roadmaps für unsere größten Franchises in Kombination mit unseren Investitionen in Avatar: Frontiers of Pandora, Beyond Good and Evil 2, Skull & Bones, das Star-Wars-Spiel und unangekündigte neue IPs unser Premium-Portfolio voraussichtlich erheblich erweitern."
Zur aktuellen Übernahmewelle sagte CEO Yves Guillemot bei einer Investorenkonferenz, dass Ubisoft auch in Zukunft unabhängig bleiben könne, aber jedes Übernahmeangebot geprüft werde. Abseits dieser ziemlich gewöhnlichen Aussage und der Erklärung der grundsätzlichen Offenheit im M&A-Bereich erwähnte Guillemot laut Analyst Daniel Ahmad noch, dass "ihr IP- und Asset-basiertes Modell von Gaming-/Tech-Unternehmen ziemlich gefragt" sei.
Ubisoft beschäftigt ca. 17.000 Mitarbeitende, die in mehr als 45 Studios arbeiten.