Ubisoft hat die Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt, da sowohl "Mario + Rabbids: Sparks of Hope" als auch "Just Dance 2023" hinter den Erwartungen blieben. Auch "Skull and Bones" wurde abermals verschoben. Der Publisher hat im Zuge des aktuellen Marktumfelds noch andere Maßnahmen und Anpassungen ergriffen.

Ubisoft spürt die Auswirkungen der aktuellen makroökonomischen Lage und von sinkenden Verbraucherausgaben. In einer Finanzpressemitteilung teilte der französische Publisher mit, dass die Gamesverkäufe in der wichtigen Weihnachtssaison nachgelassen hätten, vor allem die letzten Dezember-Wochen und der Anfang des Januars 2023 werden als "überraschend schwach" hervorgehoben. "Just Dance 2023" und das von Kritiker:innen gelobte, Switch-exklusive "Mario + Rabbids: Sparks of Hope" haben die Verkaufserwartungen nicht erfüllt. Daher wurden die Umsatzerwartungen für das dritte Quartal 2022-23 (Oktober bis Dezember 2022) von 830 Millionen Euro auf 725 Millionen Euro gesenkt. Auch das für den 9. März 2023 geplante "Skull and Bones" ist erneut verschoben worden. Das krisengebeutelte Piratenspiel soll mehr Entwicklungszeit bekommen, um die Spieler:innen mit mehr Qualität überzeugen zu können. Es soll irgendwann im nächsten Geschäftsjahr vom Stapel laufen.

Yves Guillemot, Mitbegründer und CEO: "Wir sind von der jüngsten Geschäftsentwicklung sehr enttäuscht. Wir sind mit einer gegensätzlichen Marktdynamik konfrontiert, da sich die Branche weiterhin auf Mega-Marken und langlebige Live-Spiele verlagert - und das vor dem Hintergrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen, die sich auf die Verbraucherausgaben auswirken. (...) Daher haben wir heute mit der Zustimmung des Board of Directors weitere wichtige strategische und operative Entscheidungen getroffen." Guillemot meint weiter, dass es von entscheidender Bedeutung sei, die Unternehmensorganisation weiter anzupassen, die Prozesse zu optimieren und sicherzustellen, "großartige Spiele" zu veröffentlichen sowie eine hohe Wertschöpfung zu haben.

"Die langfristigen Aussichten der Branche sind nach wie vor vielversprechend. Ich bin überzeugt, dass Ubisoft gut positioniert ist, um von dieser Dynamik zu profitieren. (...) Unser Back-Katalog ist nach wie vor sehr robust, mit einer bemerkenswert starken Aktivität bei "Rainbow Six Siege", einer großen Dynamik bei unseren Assassin's-Creed-Spielen und einer allgemein soliden Performance unserer Live-Spiele. Wir gehen davon aus, dass unsere Strategie, langlebige Live-Spiele zu entwickeln und unsere größten Marken in globale Phänomene mit vielfältigen Angeboten auf verschiedenen Plattformen und Geschäftsmodellen umzuwandeln, letztlich zu einer erheblichen Wertschöpfung führen wird, mit einem starken Wachstum des Umsatzes und des Betriebsergebnisses in den kommenden Jahren", so der CEO.

Allerdings wird Ubisoft für den Plan mit den drei "Megamarken" oder Pillar-Brands noch mehr Zeit benötigen, zumal bisher nur die Pläne für die Assassin's-Creed-Reihe öffentlich gemacht wurden. Die Visionen für "Far Cry" und "Tom Clancy's" stehen noch aus. Daher blickt Ubisoft mit erhöhter Vorsicht in die nächsten Jahre. In Anbetracht dessen und in Verbindung mit den "erheblichen" zusätzlichen Investitionen, die sich aus dem Lockdown und den damit verbunden Veränderungen der Arbeitswelt ergeben haben, kündigt der Publisher eine Reihe von Maßnahmen an, die darauf abzielen, die langfristigen Wachstums- und Wertschöpfungsaussichten zu stärken.

Um sich auf möglichst lohnenswerte Marken und Projekte zu konzentrieren, wurden drei weitere, unangekündigte Games gestrichen - zusätzlich zu den vier eingestellten Projekten im Juli 2022. Außerdem wurden Abschreibungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro für Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt, die sich auf kommende Premium- und Free-to-Play-Spiele sowie auf die kürzlich eingestellten Titel beziehen. Auch die Organisationsstruktur soll besser an den "schwierigeren Markt" angepasst werden. In den nächsten zwei Jahren wird eine Nettoreduzierung der nicht variablen Kostenbasis um mehr als 200 Millionen Euro erwartet. Erreicht werden soll dies durch gezielte Umstrukturierungen, die Veräußerung einiger nicht zum Kerngeschäft gehörender Vermögenswerte und die übliche "natürliche Fluktuation". Kotaku berichtet von 27 bestätigten Stellenstreichungen in den USA. In einer E-Mail an die Mitarbeitenden soll Guillemot die Belegschaft aufgefordert haben, möglichst effizient und kostengünstig zu arbeiten. "Heute brauche ich mehr denn je eure volle Energie und euren Einsatz, um sicherzustellen, dass wir wieder auf den Pfad des Erfolgs zurückkehren", schrieb der Ubisoft-CEO in besagter Botschaft, die Kotaku vorliegt.

Letztlich revidiert Ubisoft die Ziele für das Gesamtjahr 2022-23 und erwartet, dass die Nettobuchungen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent sinken werden, während zuvor ein Anstieg von mehr als zehn Prozent erwartet wurde. Das Betriebsergebnis (Non-IFRS), das die geringeren Nettobuchungen, die Verschiebung von "Skull and Bones" und die Abschreibung widerspiegelt, wird negativ sein. Ein Verlust in Höhe von 500 Millionen Euro wird erwartet, zuvor war ein Betriebsgewinn in Höhe von 400 Millionen Euro prognostiziert worden. Als Folge dieser Ankündigung brach der Aktienkurs des Unternehmens um mehr als 20 Prozent ein. In den letzten fünf Jahren verlor die Aktie über 70 Prozent an Wert.

Frédéric Duguet, Chief Financial Officer, sagte in dem Kontext: "Unsere entschlossene Reaktion und unsere zusätzlichen Maßnahmen zur Kostenoptimierung sollten helfen, das aktuell schwierige wirtschaftliche Umfeld zu meistern und eine schlankere Unternehmensorganisation über die nächsten Jahre hinweg sicherzustellen. Mit der größten Spiele-Pipeline in der Geschichte von Ubisoft werden 2023-24 die Veröffentlichungen von "Assassin's Creed Mirage", "Avatar: Frontiers of Pandora", "Skull and Bones" und anderen noch anzukündigenden Premium-Spielen, einschließlich eines großen Spiels, sowie vielversprechende Free-to-Play-Titel einige unserer größten Marken folgen."

Share this post

Written by

Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.