Seit geraumer Zeit verstärkt Koch Media sein Engagement als Spielepublisher. Im März schließlich ist das Unternehmen auch dem Branchenverband VUD beigetreten. GamesMarkt.de sprach mit Geschäftsführer Dr. Klemens Kundratitz über die Ziele von Koch Games sowie über Probleme des Markts und mögliche Lösungsansätze.

GamesMark.de: Koch Media ist seit wenigen Monaten mit einer eigenen Division im Gamesbereich aktiv. Wie lautet nunmehr Ihr erstes Resümee?

Dr. Klemens Kundratitz: Wir haben als Vermarkter von Entertainmentprodukten klare Konturen ohne Einschränkungen auf bestimmte Plattformen gewonnen und wir spielen eine wichtige Rolle als Vermarkter in den beiden wichtigen Gamessegmenten Casual-Games und Gamer's Games. Für unsere Austauschpartner, wie Lieferanten, Kunden, Presse- und Marketingkontakte, ist mittlerweile deutlicher geworden, welchen Stellenwert Entertainmentprodukte bei Koch Media haben.

GM: Welche Ziele haben Sie für Koch Games für 2001, und wie werden die nächsten Einzelschritte aussehen?

Kundratitz: Die drei wichtigsten Schritte werden sein: die Akquisition weiterer marktfähiger Produkte sowohl für PC als auch für die verschiedenen Spielekonsolen, der Ausbau unserer eigenen Publishingaktivitäten im Bereich Casual-Games und der langfristig angelegte Aus- und Aufbau von starken Partnerschaften mit Games-Entwicklern und -Publishern.

GM: Wie verteilt sich die Gewichtung in Ihrem Haus zwischen den Segmenten Games, Non-Games und Buch?

Kundratitz: Der Gamesbereich lag im letzten Jahr bei über 35 Prozent. Dieser Anteil wird in diesem Jahr auf über 40 Prozent ansteigen. Der Buchsektor steht erst am Beginn seiner Entwicklung und muss durch Eigenverlags- sowie Vertriebsprodukte wachsen.

Spielen am PC wird immer beliebter

GM: Casual-Games ist ein Stichwort, das in den vergangenen Monaten sehr häufig fiel. Koch ist mit einigen Produkten in diesem Segment vertreten. Haben Casual-Games wirklich das Potenzial, von dem alle reden?

Kundratitz: Absolut. Die Zielgruppe der Hardcoregamer wächst kaum. Dafür zeigte sich in den letzten zwölf Monaten, dass das Spielen am PC eine immer beliebter werdende Freizeit- und Zwischendurchbeschäftigung der PC-Nutzer ist. Diese Zielgruppe ist äußerst groß und damit für Publisher attraktiv.

GM: Ist es für einen neuen Player nicht ein Drahtseilakt, sich gleichzeitig als Anbieter von Casual- Games und eher klassischen Vollpreisspielen wie den Rageprodukten zu positionieren?

Kundratitz: Nein, das sehen wir nicht so. Wir wenden uns letztendlich an dieselbe große Zielgruppe, nämlich die Endkunden, die interaktives Entertainment nachfragen. Wir erreichen diese Zielgruppe über dieselben Kanäle, nämlich über Retail, Mailorder, Internet, Fachhandel, LEH etc. Wir sind bekannt für eine hohe Produktdiversifikation in unserem Sortiment und auch dafür, dass wir mit hoher Sachkompetenz unterschiedliche Produktgruppen marktgerecht platzieren und vermarkten können.

GM: Gerade im Spielemarkt stellt Softwarepiraterie ein großes Problem dar. Wie sehen Sie die Situation, und welche Lösungsansätze gibt es von Ihrer Seite?

Kundratitz: Softwarepiraterie ist das Problem Nummer eins! Lösungsansätze könnten Aufklärung in den Schulen und über die Fachpresse sein, über Hinweise in den Produkten selbst, effizientere Kopierschutztechnologien und schließlich die Bewusstseinsbildung über die Medien. Das Problem lässt sich nicht von einer Firma allein lösen, sondern nur in einer konzertierten Aktion aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten.

GM: Sind Sie deshalb dem VUD beigetreten?

Kundratitz: Ja. Wir sind seit kurzem als assoziiertes Mitglied dabei. Und haben uns auch bei der letzten Mitgliederversammlung wieder einmal eingehend mit dem Thema Softwarepiraterie beschäftigt.

Softwarepiraterie ist das größte Problem

GM: Letztes Jahr sind einige deutsche Publisher an die Börse gegangen. Wie beurteilen Sie dies, und gibt es konkretere Pläne?

Kundratitz: Es gibt derzeit keine Pläne. Der Börsengang würde uns eher hemmen als fördern. Ich beneide keinen Vorstand eines börsennotierten Consumersoftwareunternehmens in Deutschland. Viele denken schon an "going private".

GM: Ende Januar hat Koch eine Niederlassung in Italien eröffnet. Gibt es weitere Pläne, die Internationalisierung voranzutreiben?

Kundratitz: Wir wollen in den nächsten zwei Jahren zwei weitere europäische Filialen gründen.

GM: Welche Schwerpunktthemen werden Koch 2001 beschäftigen?

Kundratitz: Wir arbeiten daran, ein Weltklassemedienunternehmen zu sein und alle Bereiche der Wertschöpfungskette abzudecken und zu optimieren: von der Produktidee über deren Umsetzung bis zu Offline-/Onlinevermarktung und Vertrieb. Im E-Commerce sehen wir ein hohes Potenzial für die Vermarktung digitaler Medieninhalte und werden dieses Geschäft organisch in die Vermarktung von Medienprodukten über traditionelle Vertriebskanäle integrieren.

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