Umfrage zum Rabattgesetz
Dass Rabattgesetz und Zugabeverordnung fallen, gilt als sicher. Während der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) gegen eine ersatzlose Streichung ist, sieht man den Veränderungen auf Händlerseite gelassener entgegen. Entertainment Markt hat nachgefragt, welche Strategien Händler nach dem Fall der Gesetze fahren wollen.
Jan Kühr, HMV
"Ich finde es gut, dass solch ein veraltetes Gesetz, das nur die Handlungsfreiheit eingeschränkt hat, nun endlich abgeschafft wird. Das Rabattgesetz bevormundet die Kunden und wird in den meisten Branchen ohnehin schon längst umgangen, kein Mensch hält sich mehr daran. Dass speziell im Tonträger- und Softwarebereich viel gefeilscht werden wird, kann ich mir allerdings nicht vorstellen, schon eher bei Großgeräten wie Waschmaschinen oder Fernsehern.
Ich glaube, wenn das Gesetz gefallen ist, wird es einen kurzen Hype geben, wo die Kunden feilschen wollen, an den grundsätzlichen Kaufgewohnheiten in Deutschland wird die Abschaffung aber nichts ändern. Unsere Mitarbeiter werden zu diesem Thema nicht speziell geschult. Wir planen auch nicht, Rabatte auf Tonträger oder Software zu geben, sondern sehen in der Gesetzesabschaffung vor allem Wege für neue kreative Marketingmaßnahmen, ähnlich denen, die wir in unseren im Ausland befindlichen Geschäften auch schon praktizieren."
Kai Stüwe, Produktmanager, Flashpoint AG"Wir begrüßen die Abschaffung des Rabattgesetzes, weil wir glauben, dass es als negativ zu bewerten ist, wenn gesetzliche Regelungen den Handel bestimmen. Zur Zeit sind die Margen innerhalb des Handels ohnehin so gering, dass ein weiterer Preiskampf sinnlos ist. Daraus resultiert, dass Dienstleistungen in den kommenden Jahren immer wichtiger werden und nur Unternehmen, die dies erkennen und umsetzen, auch Perspektiven für die Zukunft haben.
Für uns bedeutet der Wegfall des Rabattgesetzes deshalb, dass wir unseren Kundenservice weiter ausbauen werden. Bereits heute findet ein starker,Preiskampf" statt, den wir aber weder unterstützen noch führen. Fakt ist, dass in unserem Markt sicher nicht derjenige überlebt, der glaubt, nur der beste Preis sichere ihm die Zukunft."
Michael Scheibe, Karstadt
"Karstadt begrüßt den Wegfall des Gesetzes, weil es den Wettbewerb behindert, insbesondere mit Blick auf das europäische Ausland. Allerdings erwarten wir durch die Abschaffung des Rabattgesetzes keine grundlegenden Änderungen in unserer Branche. Karstadt wird sein Kundenbindungsinstrument, die Klub-Karstadt-Karte, stärker ausbauen. Ein umfangreiches und attraktives Bonussystem wird aufgestellt, aus dem die Kundenkarteninhaber einen Mehrwert generieren können. Karstadt wird auch nach dem Fall des Gesetzes mit Festpreisen arbeiten, das heißt, Feilschen wird in unseren Filialen nicht möglich sein."
Jens Heide, GF Game-Planet"Ich glaube, das Rabattgesetz ist ein guter Schutz für den Verbraucher. Ihm wird letztendlich nach dem Fall des Gesetzes etwas vorgegaukelt, indem er in dem Glauben gelassen wird, nun würde alles billiger. Für uns als Händler finde ich die Änderung allerdings gut, denn nach dem Wegfall können wir endlich individuell agieren, hierbei sehe ich bei Independent-Händlern einen großen Vorteil gegenüber Flächenmärkten.
Grundsätzlich: Wenn Preise gedrückt werden, gewinnt der Kunde zwar ein paar Mark, verliert aber trotzdem auf lange Sicht. Denn solch eine Preispolitik geht letztendlich immer zu Lasten des Service. Wir führen seit 1996 schon eine Game-Planet-Klubkarte. Ungefähr 5000 Stück sind davon im Umlauf, die Kunden zahlen knapp 20 Mark pro Jahr und bekommen dafür einige Extras geboten.
Dafür haben wir mit Partnern Kooperationen abgeschlossen, und die Klubkartenbesitzer kommen zum Beispiel in den Genuss von verbilligten Eiskugeln oder erhalten einen Bonus für den nächsten Friseurbesuch. Unsere Partner bewerben wir im Gegenzug. Im Ladengeschäft profitieren die Kartenbesitzer finanziell stark beim Kauf unserer Produkte. Für die Zukunft ist geplant, dass man mit Vorzeigen der Karte zum Beispiel auch in Diskotheken Nachlässe bekommt."
Nicolaus Fäustle, GF Game It!"Wir begrüßen die Abschaffung des Rabattgesetzes. Ich glaube allerdings nicht, dass im Handel viel passiert, wenn es das Gesetz nicht mehr gibt. Da muss man sich nur die Länder anschauen, in denen es das Rabattgesetz nicht gibt. Hier gilt wohl der Grundsatz,Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird". Wir werden trotzdem spezielle Aktivitäten fahren, die Pläne dafür liegen schon in der Schublade, es wird aber noch nichts verraten. Unsere Mitarbeiter schulen wir nicht speziell für die Gesetzesabschaffung, das ist wohl auch nicht notwendig.
Wir verkaufen schließlich Computerspiele im Warenwert von 80 Mark und keine teuren Fernseher. Es hat keinen Sinn, mit dem Kunden ein langes Gespräch über den Preis eines PC-Spiels zu führen. Wer teure Sortimente im Programm hat, war feilschenden Kunden auch schon bisher ausgesetzt, und das Gesetz wurde unterlaufen, indem man Hauspreise gemacht hat."
Janina Knab, Media-Saturn
"Ja, wir begrüßen die Abschaffung des Gesetzes. Es stammt aus den 30er-Jahren und ist heute nicht mehr zeitgemäß. Die Geschäfte werden danach nicht zum Basar, auch wenn das Bild gern bemüht wird. Wenn man nach Österreich oder in die Schweiz guckt, bestätigt sich das. Dort ist das Rabattgesetz schon vor zehn Jahren gefallen und der Geschäftsbetrieb geht normal weiter.
Wir werden nach dem Fall des Gesetzes keine Rabatte geben, das machen wir auch in unserer aktuellen Kampagne zum Tiefpreisgesetz deutlich. Wir glauben, Rabatte kann man nur dort geben, wo man sie vorher auf den Preis aufgeschlagen hat. Bei uns soll jeder Kunde den günstigsten Preis für ein Produkt bekommen, nicht nur der, der am lautesten schreit."
Efthimios Sidiropoulos, McMedia"Wir begrüßen den Wegfall des Rabattgesetzes, weil es uns völlig neue Möglichkeiten im Bereich unserer Service- und Marketingleistungen eröffnet. Nach dem Fall des Gesetzes wird wahrscheinlich der Preis leider noch stärker als Marketinginstrument eingesetzt werden. Die Zahl der speziellen Kunden, die gern behaupten, dass die Konkurrenz das gleiche Produkt preiswerter oder mit Rabatt anbietet, wird drastisch zunehmen. Wir haben schon längst mit verschiedenen Aktionen begonnen und bieten zum Beispiel diverse Zugaben wie einen Coupon für unsere McMedia-CD, die Endverbraucher gratis in unseren Stores erhalten.
Nach dem Fall des Gesetzes werden wir verstärkt auf unsere Eigenmarke und Exklusivprodukte setzen. Gleichzeitig empfehlen wir unseren Mitgliedern, ihre Serviceleistungen auszubauen, statt zusätzliche Rabatte zu gewähren. Die Rentabilität von Handelsunternehmen, die ihre Zusatzumsätze ausschließlich über Rabatte generieren, wird dramatisch abnehmen."
Julie Edelmann-Veith, Kaufhof
"Die Kaufhof Warenhaus AG begrüßt den Wegfall des Rabattgesetzes und der Zugabenverordnung, weil beide Gesetze bisher die Spielräume des Händlers für kundenorientiertes kreatives Handeln eingeengt haben. In der ersten Zeit nach Wegfall der Gesetze wird im Einzelhandel mit einer größeren Anzahl von Prozessen gerechnet, der Umgang mit der neuen Situation wird zunächst von den Gerichten interpretiert werden müssen. Die Kaufhof AG hat bereits zahlreiche Konzepte erarbeitet, wie sie die sich künftig bietenden Spielräume zum Vorteil ihrer Kunden nutzen kann. Individuelle Preisverhandlungen mit Kunden sind auch nach dem Wegfall der genannten Gesetze an den Kaufhof-Kassen nicht möglich. Die Gründe: Verhandlungsgeschick oder die Muttersprache dürfen nicht ausschlaggebend für den zu zahlenden Preis sein. Außerdem sind die zentral festgesetzten Preise knapp kalkuliert und marktgerecht, und bei der Größe der Filialen und der täglichen Kundenanzahl führen Einzelverhandlungen über den Preis zu unzumutbaren Wartezeiten für alle anderen Kunden."