Warten auf den Marschbefehl
Vor zehn Jahren haben die Egoshooter aus der "Medal of Honor"-Reihe richtig abgeräumt. Danach ist wenig passiert. Jetzt liefert EA neuen Zündstoff!
ln den letzten Jahren sahnte Activision mit der "Call Of Duty"-Reihe kräftig ab und kam der regen Nachfrage mit der Produktion kaum hinterher. Sicher ein Grund mehr, warum Electronic Arts im Herbst seine "Medal of Honor"-Serie reaktiviert und modernisiert. Auch was das Thema betrifft. Das neue "Medal of Honor" - vorläufig übrigens ohne Untertitel - wendet sich vom Zweiten Weltkrieg ab und greift aktuelle Ereignisse auf. Genauer gesagt: den Konflikt in Afghanistan, den Kampf gegen den Terrorismus. Der Spieler wird Teil einer Eliteeinheit, die zwischen bergigen Regionen und staubigen Metropolen mit modernen Mitteln operiert. Das Shahikat Valley dient z. B. als Kulisse für eine Mission, die zunächst simpel erscheint. Der Spieler soll gemeinsam mit einigen Kameraden zu Fuß die Lage sondieren und Vorbereitungen für einen Bombenangriff treffen. Im Fernglas sind ein Schafhirte und seine Tiere zu erkennen. Doch kurz darauf schießen Flugabwehrkanonen feurige Blitze in den Himmel - die Terroristen sind offenbar bestens ausgestattet.
Sprengstoff für's Wohnzimmer
Ergo gilt es, erst deren Waffen auszuschalten und danach die Position des Warlord zu ermitteln. Von Beginn an wirkt "Medal of Honor" authentisch: Waffen, Landschaften, Verbände sind der Realität nachempfunden. Für einen straff gespannten Spannungsbogen soll insbesondere das Zusammenwirken zweier US-Verbände sorgen, deren Methoden kaum gegensätzlicher sein könnten. Da gibt es zum einen die sogenannten Tier-1-Soldaten, hoch spezialisierte Elitetruppen, sozusagen das Skalpell innerhalb des US-Militärs. Die Spezialisten mischen sich unter das afghanische Volk, sprechen mit Stammesführern, lokalisieren Strippenzieher. Danach kommen die auf Großangriffe spezialisieren Airborne Rangers zum Einsatz, als alles vernichtender Vorschlaghammer.
Dass sich "Medal of Honor" als Actiongame versteht, nicht als Taktikshooter, wird an vielen Details deutlich. Teamkameraden folgen jedoch den Kommandos der KI, lassen sich nicht vom Spieler steuern. Dafür wird Abwechslung großgeschrieben. Man kämpft sich durch die Wüste, pirscht durchs Unterholz, holpert per Quad durch finstere Schluchten, nimmt von Bord eines Apache-AH-64-Kampfhubschraubers das Land unter Feuer. Unvorhersehbare Ereignisse, etwa der nächtliche Überfall auf das eigene Camp durch Terroristen, belegen die Verwandtschaft zum Konkurrenzprodukt "Modern Warfare 2".
Optisch ein Leckerbissen!
Die Bildqualität dürfte sehr hohes Niveau erreichen. Die Fernsicht beeindruckt, ebenso der effektvolle Einsatz greller Scheinwerfer in der Nacht. Das Tempo soll häufig wechseln, dramatisch choreografierte Szenen möchten im Einzelspielermodus große Gefühle auslösen. Hierfür zeichnet das Electronic-Arts-Studio in L. A. verantwortlich. Den Mehrspielermodus lässt EA beim "Battlefield"- Erfinder Dice entwickeln. Dass das Team aus Schweden erstklassige Online- und Kooperfahrungen hat, weiß man nicht erst seit "Bad Company 2". "Medal of Honor" soll im 3. Quartal 2010 für PC, PlayStation 3 und Xbox 360 erscheinen.