Weihnachtsgeschäft 2002
Der Handel ist mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäfts 2002 nur teilweise zufrieden. Zeigen sich die "Großen" wie Karstadt und Saturn positiv gestimmt, äußerten sich die Facheinzelhändler eher zurückhaltend. Bestätigt wurde der unterschiedliche Geschäftsverlauf auch von einer aktuellen Onlineumfrage von GamesMarkt.de.
Weihnachten 2002 ist passé, Zeit für eine erste Bilanz des umsatzträchtigsten Saisongeschäfts im Jahr. In einer Onlineumfrage wollte die Redaktion von GamesMarkt.de der Sache auf den Grund gehen. Die Frage an unsere Internetleser: "Wie verlief das Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr?" Das Ergebnis fiel sehr unterschiedlich aus. Für 30,2 Prozent aller Umfrageteilnehmer lief das Geschäft zu Weihnachten 2002 "besser" als im Vorjahr, für 20,8 Prozent immerhin noch "gleich gut". Auf der anderen Seite fiel bei 37,7 Prozent das Geschäft "schlechter", bei 11,3 Prozent sogar "deutlich schlechter" aus. Auch im direkten Gespräch mit Händlern ergab sich ein unterschiedliches Bild. So äußerte sich Werner Kasper, stellvertretender Zentraleinkäufer bei KarstadtQuelle AG, zufrieden. Das Weihnachtsgeschäft mit elektronischen Spielwaren habe sich im Rahmen der Konzernplanungen bewegt. Insgesamt sei das Geschäftsjahr 2002 aber auf Grund der Konsumlage ein schwieriges Jahr gewesen. "Zu Beginn war durch die bevorstehenden Markteinführungen der neuen Konsolen noch sehr viel Euphorie im Spiel. Die Bilanz kurz nach Jahresende fällt eher ernüchternd aus. Die Absatzzahlen hätten vor allem bei den Konsolen höher sein können."
Euphorie endet in Ernüchterung
Auch bei Saturn haben sich die Erwartungen an das diesjährige Weihnachtsgeschäft vollauf erfüllt, bestätigte Michel Wedler, Produkt Manager Software Saturn. Zwar hätten die Kunden 2002 später als gewöhnlich ihre Weihnachtseinkäufe erledigt, das Umsatzvolumen sei aber dadurch nicht beeinträchtigt worden. Die Xbox habe sich gut entwickelt, nach wie vor auf hohem Niveau zudem Sonys PlayStation 2. Verschiedene Einzelstimmen aus dem Fachhandel zeichnen ein im Detail uneinheitliches Bild. Positiv ausgefallen ist die Bilanz im Kaufhaus des Westens in Berlin. "Gemessen am Jahresverlauf ist das Weihnachtsgeschäft gut für uns gelaufen", resümiert Stefan Schulze, Substitut für den Bereich PC-Software im KaDeWe. Unterm Jahr habe die Abteilungsbelegschaft die Kaufzurückhaltung der Konsumenten teilweise aber deutlich zu spüren bekommen. "Wir haben dies unter anderem an der niedrigeren Besucherfluktuation gemerkt. An manchen Tagen ging es ziemlich ruhig zu." Zu den beliebtesten Titeln habe neben "Anno 1503" auch "Age Of Mythology" gezählt. Einen "richtigen Renner" wie in den Vorjahren habe es zu diesem Weihnachtsfest allerdings nicht gegeben, so Schulz. Sehr zwiefältig empfand indes Christian Beppler, Abteilungsleiter Spielwaren/Elektronik beim Müller Markt in Ravensburg, das Weihnachtsgeschäft. "Für unser Haus lief es insgesamt sehr gut. Als Durchhänger erwies sich allerdings das gesamte Spielwarensortiment, inklusive Computer- und Videospiele", sagte Beppler. Rainer Hackenberger, Facheinzelhändler in Saarburg, ist besonders von der Xbox enttäuscht.
PS2 und DVD-Video sind die Gewinner
Trotz "Bundlemania" attestiert der Geschäftsinhaber von Gameworld der Microsoft-Konsole einen schlechten Weihnachtsabsatz. Das positive Jahresendergebnis hätten vor allem Konsole und Spiele aus dem Hause Sony Computer Entertainment sowie steigende Umsätze aus dem DVD-Videogeschäft beschert. Ganz anders sieht dies jedoch für Edgar Eggert aus: "Wir haben mehr Xbox als PS2 verkauft", berichtet der Inhaber des Ladengeschäfts City-Games in Gelsenkirchen. "Wir sind kein Flächenmarkt, sondern bedienen die 'Freakschiene'." Und Freaks wüssten eben, was gut ist, begründet Eggert die ungewohnte Absatzentwicklung in seinem Geschäft. Der direkten Konkurrenz zu den Flächenmärkten sei hingegen das DVD-Videogeschäft zum Opfer gefallen. "Mit diesen Preisen für Neuveröffentlichungen können wir nicht mithalten." Johannes Alt, Abteilungsleiter beim CityKaufhaus in Ilmenau, blickt auf ein "katastrophales" Geschäftsjahr 2002 zurück. Auch das Saisongeschäft zu Weihnachten habe dem sich bereits zu Jahresbeginn abzeichnenden Negativkurs nicht mehr trotzen können. "Wir sind sehr unzufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft, und das über alle Segmente hinweg", sagt Alt. "Ich sehe auch keine Besserung für das Geschäftsjahr 2003. Die Kunden sind sehr verunsichert und warten die politische Lage ab. Geldausgeben ist daher derzeit kein Thema."