Wiederaufbau nach der Flut auf Hilfen angewiesen
Die Jahrhundertflut in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern hat auch die Entertainmentbranche getroffen. Neben Videotheken wurden auch Kinos sowie Musik- und Gamesgeschäfte schwer geschädigt. VideoWoche gibt rund zwei Monate nach der Katastrophe einen Überblick über Schäden und Hilfen und geht der Frage nach, wie es weitergehen soll.
Es hätten zwar sechs Videotheken Totalschaden erlitten, neun seien teilgeschädigt, aber insgesamt seien "die Schäden geringer, als wir angenommen haben", zeigt sich Dr. Erhard Kranz vom IVD erleichtert. "Sie wollen alle weitermachen, obwohl im Moment nicht gesagt werden kann, ob sie es schaffen", erklärt Kranz, der sich zusammen mit weiteren IVD-Vertretern Anfang September vor Ort einen Eindruck verschafft hatte. "Der IVD hat uns sehr geholfen", sagt Heidrun Lange, deren Videothek im sächsischen Flöha bei Chemnitz Totalschaden erlitt: "Vom Laden existierte nur noch die Hülle, alles andere ist von der Flut weggespült worden: 2500 Spielstationen, dazu DVD-Player und andere Abspielgeräte." Durch IVD-Vermittlung erhielt sie 10.000 Euro Soforthilfe von der FFA, von der Sächsischen Aufbaubank kamen 15.000 Euro - der Gesamtschaden beläuft sich allerdings auf 115.000 Euro. Nun hofft Heidrun Lange auf weitere Zuwendungen der Aufbaubank, die Schäden bis zu 50 Prozent finanziert, "denn einen neuen Kredit kann ich mir zurzeit nicht leisten". 2500 Videos weggespült Zu den direkten Flutschäden gehört auch der Verlust der Kundendatenbank. Die Folgeschäden hingegen sind nicht absehbar: "Viele Leute haben jetzt andere Probleme, als sich Videos auszuleihen, aber ich versuche trotzdem, Mitte Oktober wieder aufzumachen." Mit Umsatzeinbußen aufgrund der Flut hätten etwa 20 Videotheken zu kämpfen, so Kranz. Neben der Soforthilfe der FFA, die insgesamt 72.000 Euro an 15 Videotheken ausgezahlt hat, hofft er auf weitere Mittel aus dem Bund-Länder-Fonds für die Flutopfer. Betroffen von der Katastrophe waren auch zahlreiche Anbieter von Tonträgern und elektronischen Spielen. "Der Media Markt im Einkaufszentrum Elbepark Dresden-Mickten ist total verwüstet worden, sowohl die Einrichtung als auch die Ware", berichtet Manuela Drexelius, Pressesprecherin der in Ingolstadt ansässigen Media-Markt-Gruppe. Kinos besonders hart getroffen Die wohl mit Abstand größten Schäden haben allerdings die Kinos zu beklagen. Unter diesen wiederum besonders stark betroffen ist die Kieft & Kieft Filmtheater GmbH in Sachsen, die zu je 50 Prozent von Heiner und Marlies Kieft gehalten wird. Von den fünf Häusern der Kette, die insgesamt 25 Kinosäle mit 4350 Plätzen in Mittelorten umfasst und mit einem Investitionsaufwand von mehr als 20 Millionen Euro aufgebaut wurden, sind die beiden in Meißen und Pirna stark betroffen. Hinzu kommt das verpachtete Filmtheater in Freital (Schaden: 750.000 Euro).
"Wie ein Dampfhammer zugeschlagen" habe die Flut in Pirna, wo am Filmpalast fast ein Totalschaden von 1,2 Mio. Euro entstanden sei, erklärt Heiner Kieft. Wie in Pirna so ist auch im CineStar Meißen vor allem die Haustechnik zerstört - Schaden: eine Million Euro. Für beide Häuser hat die Kette jeweils ein zinsloses FFA-Darlehen von 300.000 Euro erhalten und jeweils 10.000 Euro Soforthilfe vom HDF - Hauptverband Deutscher Filmtheater. "Für diese schnelle, unkomplizierte Hilfe bedanken wir uns herzlich", so Kieft. Doch durch die Flutkatastrophe sei eine Investitionslücke entstanden, von der er nicht wisse, "wie wir das auffangen sollen".
Entertainment Media spendet für Flutopfer
Die Flut ist vorbei, die Schäden aber sind noch lange nicht behoben. Für den Wiederaufbau will auch der Verlag Entertainment Media einen Beitrag leisten mit einer Spende in Höhe von 10.000 Euro. Angesichts der dramatischen Nachrichten über das Ausmaß des Elbehochwassers und die verursachten Zerstörungen haben die Mitarbeiter des Verlags auf ihren für den Herbst geplanten Betriebsausflug verzichtet und das Geld für eine Spende zur Verfügung gestellt. Die dafür vorgesehene Summe von 5.000 Euro hat der Verlag noch einmal verdoppelt. Das Geld leitet Entertainment Media direkt an einen Betrieb aus der Unterhaltungsbranche, über und für die der Verlag berichtet. Zurzeit sind Mitarbeiter von Entertainment Media dabei, ein Unternehmen zu identifizieren, das einerseits besonders hart unter den Folgen der Flut zu leiden hat, andererseits durch das Netz der allgemeinen staatlichen und privaten Hilfe fällt und dem mit der Spende in Höhe von 10.000 Euro wirksam geholfen werden kann. Zugleich ruft der Verlag Entertainment Media dazu auf, seinem Beispiel zu folgen.
Ansprechpartner für Spenden
Video: IVD, Hans-Peter Lackhoff, 0211/577390-0 Kino: FFA, Rolf Bähr, 030/27577-0 Musik: GDM, Dr. Heinz Stroh, 0228/53970-0
Das Meißner Filmtheater mit seinen vier Sälen für 620 Zuschauer war erst 1999 eröffnet worden: "Und nun stehen wir vor einem Scherbenhaufen", erklärt Kieft und fügt in Bezug auf die gesamte Kette hinzu: "Eigentlich stehen wir jetzt wieder da, wo wir 1991 angefangen haben." "Ziemliches Unverständnis" zeigt er dafür, dass Kulturstaatsminister Nida-Rümelin ein 400.000-Euro-Programm für Programmkinos in der Region aufgelegt habe, obwohl kein einziges davon vom Hochwasser betroffen sei. Man sehe die Not vor Ort vollkommen, sei aber der falsche Ansprechpartner und könne keine Wirtschaftsförderung betreiben, hieß es dazu aus dem Bundespresseamt. Die nicht benötigten Mittel würden wieder in den Haushalt Nida-Rümelins zurückfließen.
Kieft hofft nun auf Mittel der Sächsischen Aufbaubank - "ansonsten sehe ich schwarz" - und das Wort des Bundeskanzlers, dass es keinem schlechter als vor der Flut gehen solle. Auf die Hausbanken könne man nicht setzen, die gewährten "nicht einmal eine Tilgungsaussetzung" für die noch mit Krediten belasteten Häuser. Dennoch will er nicht aufgeben, hofft, in Pirna wenigstens in einem Saal am 14. November "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" starten zu können.
Das würde auch Doreen Heinemeyer, Theaterleiterin in Meißen, gern tun. Sie bringt die Stimmung unter den Mitarbeitern auf den Punkt: "Aufgeben werden wir garantiert nicht!" Insgesamt hat der HDF elf Kinos mit Soforthilfen bedacht, darunter allein acht in Sachsen sowie die drei bayerischen Häuser Kino-Center, Nittenau, Regina Filmtheater, Regensburg, und Promenade Lichtspiele, Passau. Insgesamt gewährte die FFA betroffenen Filmtheatern Soforthilfen von zusammen 178.000 Euro. Ferner wurde sieben betroffenen Kinobetreibern, die nicht Mitglied des HDF sind, mit Zuschüssen zwischen 5.000 und 10.000 Euro geholfen. "Da die Zuschüsse der Soforthilfe nicht ausreichen, hat die FFA-Unterkommission für Verleih- und Filmtheaterförderung zinslose Darlehen von mehr als 1,5 Millionen Euro gewährt. Sie stehen den Filmtheatern für die Dauer von bis zu zehn Jahren zur Verfügung", so die FFA.