Wilhelm Hamrozi zu JowooDs Deutschlandplänen
Der zweite Teil des Interviews mit Wilhelm Amrozi.
GM: JoWooDs Portfolio besteht vor allem aus Entwicklungen europäischer und insbesondere deutschsprachiger Entwickler. Wird diese Strategie weiter forciert?
Hamrozi: Wir sind davon überzeugt, dass die Mischung aus deutsprachigen und ausländischen Entwicklern für die Zukunft unseres Unternehmens wichtig ist. Selbstverständlich haben wir zur Zeit noch einen hohen Anteil an Spielen, die in Deutschland entwickelt werden. JoWooD glaubt an die Kreativität der deutschen Entwickler und gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Können unter Beweis zu stellen.
GM: Unabhängig davon sind es vor allem britische, amerikanische und japanische Entwickler, die Welterfolge erschaffen. Wird sich JoWooD verstärkt um Verträge mit Studios aus UK, USA und Japan bemühen?
Hamrozi: JoWooD arbeitet bereits mit Entwicklern aus den USA, UK und dem asiatischen Raum. Um heute ein Global Player zu sein, ist es notwendig, auf der ganzen Welt nach Entwicklern zu suchen, die eine außergewöhnliche Idee haben und einen Partner suchen, der diese Idee erfolgreich vermarktet. Bereits jetzt bekommt unsere Evaluierungsabteilung in der Woche ca. 20 - 30 Spiele bzw. Spielideen aus der ganzen Welt angeboten. Man darf die deutsche Entwickler-Szene jedoch nicht unterschätzen. Wir selbst haben mit dem IndustrieGigant ein Spiel entwickelt, dass sich weltweit über eine Million Mal verkauft hat.
GM: Wie argumentiert ein deutschsprachiger Publisher um globale Vermarktungsverträge mit Studios aus UK, USA oder Japan abzuschließen?
Hamrozi: Die Spielewelt hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Auch die Entwickler weltweit haben gelernt, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie wissen inzwischen, dass sich Produkte in Europa, speziell in Deutschland teilweise besser verkaufen als in den USA. Von diesem Wissen profitieren auch wir während der Verhandlungen und haben eine viel stärkere Position als früher.
GM: Ubi Soft hat Blue Byte übernommen, Electronic Arts wird bei einem Erfolg des "Fußball Managers 2002" die Spieleentwicklung in Deutschland ausbauen. Wie beurteilen Sie das Interesse dieser und anderer internationale Majors an deutschen Entwicklern im Hinblick auf ihr eigenes Portfolio?
Hamrozi: Heute sehen viele Publisher den deutschen Markt als wesentlich attraktiver an als früher. Titel, wie Die Siedler, Anno oder unser IndustrieGigant haben mit Sicherheit dazu beigetragen dieses Bild zu verändern. Es besteht jedoch ein großer Unterschied in der Motivation und Denkweise der Publisher. Internationale Publisher haben vorrangig das Ziel, ihre Marktposition mit einem deutschen Produkt in Deutschland zu verbessern, die internationale Performance spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Die Motivation von JoWooD ist jedoch eine andere, ein deutsches Produkt nicht nur in Deutschland sondern international erfolgreich zu machen. Insofern denke ich unterstützen wir die deutsche Entwicklerszene besser, da wir dafür sorgen, dass das Produkt auch in allen wichtigen internationalen Märkten in den Regalen steht. Bei den heutigen Entwicklungskosten ist dies für das jeweilige Entwicklungsstudio auch die einzige Möglichkeit vernünftige Einnahmen zu generieren.