Seit Jahresbeginn leitet Uwe Fürstenberg als General Manager die deutsche Niederlassung von Acclaim.

GamesMarkt.de sprach mit Fürstenberg über die derzeitige Marktsituation, das Piraterieproblem und die strukturellen Veränderungen bei Acclaim Deutschland.

GamesMarkt.de: Wie beurteilen Sie die derzeitige Marktsituation in Deutschland?

Uwe Fürstenberg: Die vom Verband bescheinigte Umsatzsteigerung 2000 geht auf Nintendos zusätzlichen Softwareumsatz zurück. "Nintendo-bereinigt" ist die Marktentwicklung derzeit nicht positiv - weder bei Konsole noch bei PC.

GM: Liegt es am Generationenwechsel?

Fürstenberg: Der Markt erfährt zyklisch Tiefphasen. Diese Zyklen folgen immer in Abständen von drei bis vier Jahren. Natürlich stehen die Zyklen aber auch in unmittelbarem Zusammenhang mit neuen Konsolengenerationen.

GM: Wann geht es wieder bergauf?

Fürstenberg: Gute Abverkäufe lassen sich meiner Meinung nach dann erzielen, wenn die installierte Basis einer Plattform bei weit über einer Million Einheiten liegt.

GM: Als Grund für die Katerstimmung wird auch immer wieder die Piraterie ins Spiel gebracht. Kann dieses Problem gelöst werden?

Fürstenberg: Es gibt nur zwei wirkungsvolle Ansätze gegen Piraterie: Der eine Weg führt über eine Gebühr auf alle Datenträger, die so hoch ist, dass sich Kopieren für den Einzelnen nicht mehr lohnt. Gleichzeitig fließen dadurch Gelder an die Entwickler zurück. Der andere Weg ist, über die Hardwarehersteller einen Kopierschutz einzubauen. Über Software lässt sich ein Kopierschutz nicht wirkungsvoll und dauerhaft einbinden.

GM: Was halten Sie von anderen Wegen, z. B. Aufklärung?

Fürstenberg: Aufklärung reicht nicht. Das Unrechtsbewusstsein des Einzelnen ist zu gering. Es nützt auch nichts, den Verleih von Spielen zu unterbinden. Auch der Verleihhandel hat daran Interesse, dass ein Spiel nicht kopiert, sondern möglichst oft ausgeliehen wird. Acclaim wird auch künftig PlayStation-Produkte in den Verleih geben.

GM: Vor mehr als drei Monaten haben Sie die Leitung von Acclaim Deutschland übernommen. Neue Besen kehren bekanntlich gut...

Fürstenberg: Ich bin ja nicht neu in der Branche, neu ist nur die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen. Sicherlich gab es Altlasten zu bewältigen. Ich denke, wir haben hier aber bereits sehr viele Schritte unternommen.

GM: Um welche Altlasten handelt es sich?

Fürstenberg: Vor allem um die Reduzierung von Kosten. Das ist im Moment symptomatisch für die wirtschaftliche Situation der ganzen Branche. Besonders betraf es Verträge mit Dienstleistern in Bereichen wie Promotion oder Werbung. Und wir haben Strukturen eingeführt, die ein effizientes und im Kernbereich konzentriertes Arbeiten ermöglichen.

GM: Wurden auch Stellen gestrichen?

Fürstenberg: Verglichen mit der letzten Boomzeit unserer Branche, hat Acclaim heute um 20 Prozent weniger Mitarbeiter. Die Reduzierung zieht sich durch alle Abteilungen und hängt zum einen mit der verringerten Größe unseres Produktkatalogs und zum anderen mit der Notwendigkeit zur Optimierung unseres Teams zusammen. Entlassungen gab es aber nicht. Die Reduzierung geht auf normale Wechsel und Abgänge zurück.

GM: Wie ist Acclaim heute strukturiert?

Fürstenberg: Der Unternehmensschwerpunkt liegt eindeutig auf dem Vertrieb. Mehr als die Hälfte der insgesamt 25 Mitarbeiter arbeiten in dieser Abteilung. Wir haben drei Mitarbeiter im Key-Account, fünf im Außendienst und fünf im Innendienst. Die weiteren Personen verteilen sich auf Marketing und Finanzen.

GM: Bedient Acclaim alle Plattformen, oder findet eine Spezialisierung statt?

Fürstenberg: Acclaim war und ist immer eines der ersten Third-Party-Unternehmen, die eine neue Plattform unterstützen. Dies gilt auch für PlayStation 2. Allein für August sind acht Veröffentlichungen geplant. Schwerpunkt werden dabei von Sega lizenzierte Titel wie "Crazy Taxi", "Zombie Revenge" und "18 Wheeler" sein, aber auch andere starke Lizenzen, wie beispielsweise "Rally Paris Dakar", das wir für PC und PlayStation 2 umsetzen. Natürlich sind auch Entwicklungen für Xbox und Game Boy Advance geplant. Für genauere Angaben zu diesen Spielen ist es aber noch etwas zu früh.

GM: Wie stehen Sie zum Thema E-Commerce?

Fürstenberg: Wir machen kein Direktgeschäft mit den Konsumenten und planen es auch nicht. Wir sind ein Distributionsunternehmen, das ausschließlich vom Verkauf an den Handel lebt. Unser Partner ist der Handel, und so soll es auch künftig bleiben.

GM: Derzeit wird in der Branche sehr viel über Casual-Games nachgedacht. Wie steht Acclaim zu diesem Marktsegment?

Fürstenberg: Der Trend unserer Zeit ist, dass Spiele leicht spielbar und kurzweilig sind. Man könnte fast sagen, populistisch. Natürlich hat auch Acclaim diesen Trend erkannt und in sein Portfolio aufgenommen. Mit "Rally Paris Dakar" haben wir beispielsweise ein Rennspiel mit einer international bekannten Lizenz. Rennspiele sind jedem zugänglich und in Deutschland äußerst populär.

GM: Wie wird sich der Markt in Zukunft verändern?

Fürstenberg: Alle Unternehmen müssen ab einer gewissen Größenordnung auf Jahre planen. Auch unsere Planung steht bereits. Ich denke, dass Veränderungen deshalb nur schrittweise erfolgen. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass in drei Jahren die Zahl sowohl der Hardcore- wie auch der Casual-Gamer wesentlich größer sein wird. Hierzu werden sicherlich auch in einem nicht unbeträchtlichen Maß die verschiedenen neuen und sehr viel versprechenden Konsolenplattformen beitragen.

GM: Herr Fürstenberg, wir danken für das Gespräch.

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