Sony Computer Entertainment Deutschland dominiert den Konsolenmarkt. Klare Nummer 2 ist laut GfK Microsofts Xbox. Für GamesMarkt.de setzten die beiden Geschäftsführer Manfred Gerdes und Hans Stettmeier den Kampf um die Marktanteile mit anderen Mitteln fort: 10 Fragen und 10 Antworten.

Welchen Marktanteil bei den Next-Generation-Konsolen haben Sie derzeit, und sind Sie mit dem Marktanteil seit Start Ihrer Konsole, zufrieden?

Gerdes: Laut GfK haben wir von Januar bis Ende September 2002 mit der PS2 einen Marktanteil von 49,2 Prozent (Units) bzw. 60,4 Prozent (Umsatz). Lifetime liegen wir bei ungefähr 85 Prozent Marktanteil, aber wir hatten ja auch ein Jahr Vorlauf. Wir liegen damit sogar oberhalb unserer Erwartungen, somit können wir zufrieden sein!

Stettmeier: Sie wissen ja, das Microsoft als Konzern keine Einzelergebnisse bekannt gibt, aber in den letzten Tagen machte eine GfK-Zahl die Runde, die uns über 20 Prozent Marktanteil im November-Geschäft bescheinigt. Xbox ist gerade mal acht Monate am Markt und musste sich gegen seit Jahren etablierte Marken erstmal Platz zwei erkämpfen. Wir werten dies als hervorragendes Zwischenergebnis. Besonders die anhaltend steile Entwicklung der letzten vier Wochen ist sehr erfreulich.

Welche Marktanteile wollen Sie bis 2003 erreichen?

Gerdes: Unser Ziel ist es, zwischen 60 und 70 Prozent zu liegen, wenn wir allerdings die Chance sehen, mehr zu bekommen, dann werden wir jede Gelegenheit nutzen, auch die 70-Prozent-Hürde zu nehmen! Hier reden wir aber nur über den Next-Generation-Konsolenmarkt.

Stettmeier: Wir wollen die solide Nummer zwei im Markt sein, den Abstand zum Marktführer deutlich verringern und den Startpunkt in Richtung Marktführerschaft setzen.

Wie beurteilen Sie den derzeitigen Konsolenmarkt in Deutschland?

Gerdes: Sehr sensibel, da immer wieder über die Preise gesprochen wird, was aus unserer Sicht auch zur Kaufzurückhaltung beim Konsumenten führt! Hier darf ich nochmals den Handel, aber auch die Journalisten der Handels- und Freakpresse auffordern, auch einmal eine Preissenkung von 50 Euro positiv aufzubereiten und nicht gleich wieder nach der nächsten Preisreduzierung zu schreien. Sicherlich ist dies ein wesentlicher Punkt, warum die Gesamtentwicklung im Konsolenmarkt in anderen Ländern wesentlich positiver verläuft als bei uns. Trotzdem gibt es erste Anzeichen, dass wir zu Weihnachten eine positive Entwicklung haben werden, um oberhalb der Vorjahresergebnisse zu landen.

Stettmeier: Es gibt für uns zwar Grund, über die Marktanteile zu jubeln, die absoluten Zahlen sind aber eher ernüchternd über alle Plattformen hinweg. Wir erhoffen uns für die ganze Branche eine deutliche Belebung im Dezember und unternehmen unsererseits große Anstrengungen, Videospiele als attraktives Weihnachtsgeschenk ganz oben auf die Wunschzettel der Leute zu bekommen.

Wie sind die Chancen der einzelnen Plattformen im Weihnachtsgeschäft?

Gerdes: Es sieht so aus, als ob es Microsoft gelingen könnte vom Third Place auf den Second Place zu kommen. Allerdings denken wir nicht, dass wir auf dem First Place davon betroffen sein werden. Das zeigen die letzten Wochen, in denen wir auch nach dem Angebot "Xbox plus zwei Spiele auf einer DVD" weit vorn lagen!

Stettmeier: Sony führt und wird natürlich weiter gut verkaufen, aber Microsoft verzeichnet in den wöchentlichen Abverkäufen tolle Zugewinne zugunsten des Marktanteils. Insbesondere da, wo Kunden direkt die aktuellen Angebote und Bundles vergleichen können, wird Xbox mehr und mehr zum Favoriten.

Wird der Gesamtkonsolenmarkt das Vorjahresniveau übertreffen können?

Gerdes: Wie gesagt, bei PlayStation bin ich mir sicher. Was unser Wettbewerb macht, kann ich allerdings nicht beurteilen, das Markwachstum liegt aber unter den Erwartungen. Nur Ankündigungen machen und keine Umsetzungen in der Vermarktung, hilft halt nicht.

Stettmeier: Ja, aber nicht in dem Maße, wie das Erscheinen von zwei neuen Konsolen den Markt hätte beleben sollen. Die deutsche Konjunkturflaute schlägt auch hier voll durch.

Welchen Einfluss hat Online auf den Konsolenmarkt?

Gerdes: Wir sehen hier einen zusätzlichen Absatzmarkt und eine weitere Motivation, vom PC auf die Konsole umzusteigen. Onlinegaming wird der erste Schritt in eine neue PlayStation-Entertainmentwelt werden, mit vielen Angeboten, die sich auf Games konzentrieren, aber in Zukunft Musik, Video und viele andere Themen beinhalten wird.

Stettmeier: Schon heute gibt es eine Reihe von Kunden, die Xbox wegen der klaren Onlinestrategie wählen. Aber Online ist Weihnachten 2002 nicht das große Massenmarktthema. Es wird in den nächsten Jahren aber an Wichtigkeit gewinnen und Kernthema werden. Offline zu Online wird mindestens so ein Schritt wie 2D- zu 3D-Grafik sein, welcher den Markt ja auch umgekrempelt hat. Wir sind hier nicht nur der "First Mover", sondern haben vom Start weg auch ein klares Konzept für einen voll kundenorientierten Service. Schon jetzt wird in den USA von Presse und Kunden dieser Unterschied zu anderen Anbietern voll honoriert.

Wie wird Online das Verhältnis Publisher-Handel und Handel-Endverbraucher beeinflussen?

Gerdes: Warum steckt in dieser Frage schon wieder die Angst vor neuen Technologien? Man sollte sich lieber über zusätzliche Verkaufsargumente freuen und nicht gleich das Fernglas benutzen, um Auswirkungen in der fernen Zukunft ausmachen zu wollen. Wir werden und können neue Technologien nicht verhindern, deshalb muss man die Produkte zum gegebenen Zeitpunkt vermarkten. Was sich in den nächsten fünf Jahren alles noch entwickeln wird, kann derzeit höchstens Herr Schröder beantworten, denn in der Politik liegt sicherlich der wesentlichste Bestandteil der anhaltenden Konsumschwäche.

Stettmeier: In unserem Modell nur günstig. Wir haben Onlinegaming so positioniert, dass der Handel voll partizipiert. So wird der Endverbraucher das Thema auch am PoS wiederfinden. Das Konzept wird den Spieleabsatz zusätzlich ankurbeln, und weltweit vernetzt gegeneinander zu spielen, wird neue Zielgruppen erschließen. Das wird mit einem einheitlichen Branding über alle Xbox-Live-Spiele aller Publisher hinweg deutlich unterstützt.

Wie beurteilen Sie das derzeitige Pricing der Hardware?

Gerdes: Ich kann die Frage nicht mehr hören! Für 249 Euro bekommt man von uns ein erweiterbares Games-Entertainmentsystem mit voll funktionsfähigem DVD-Player "out of box". Marken-DVD-Player kosten ca. 149-199 Euro. Somit ist die Frage beantwortet: Unser Produkt ist den derzeitigen Preis wert! Wir erzielen unsere Gewinne auch, um weitere Produkte zu entwickeln und in Zukunft zu vermarkten.

Stettmeier: Gemessen an der Leistung, sind alle Systeme preiswert. Am meisten Gegenwert erhält der Kunde bei Xbox: Festplatte, Vier-Spieler-Adapter und Onlineanbindung sind alle schon eingebaut.

Wie haben sich die Hardwareverkäufe seit der Games Convention in Leipzig entwickelt?

Gerdes: Wenn wir uns auch hier die GfK-Zahlen auf Wochenbasis anschauen, so ist der einzige Gewinner die PS2, sowohl was die Hardware als auch was die Software betrifft. Der Markt zieht seit gut drei Wochen wieder an, und die Zuwachsraten lassen auf eine hohe Kaufbereitschaft schließen. Stettmeier: Natürlich nach oben, was aber auch kein Wunder ist. In jedem Jahr gehen die Verkäufe nach den Sommermonaten hoch, so dass man hier noch kaum von einem marktbelebenden Effekt nach der Games Convention sprechen kann. Die GC hat aber mit Sicherheit dafür gesorgt, dass Xbox auch von passionierten Fans anderer Systeme ernst genommen wird, und dementsprechend steigt unser Marktanteil seit Leipzig Woche um Woche.

Derzeit haben alle Hardwareanbieter Bundles im Angebot. Sind Bundles mittelfristig ein probates Mittel im Wettbewerb oder verwässern sie das Preisgefüge?

Gerdes: Richtig ist, dass unsere Wettbewerber auf Hardbundles setzen, was sie sehr unflexibel macht. Außerdem geht dem Handel viel an Marge verloren. Deshalb setzen wir Bundles immer strategisch und taktisch ein, weshalb wir dadurch nicht zu einem Dauertiefpreis gelangen und Angebote in unterschiedlichsten Zusammenstellungen zum Konsumenten bringen. Wer heute ein Bundle mit zwei Spielen kauft, kauft keine Software mehr. Stettmeier: Bundles sind ein hervorragendes Verkaufsmittel, das sowohl dem Handel als auch dem Endkunden nützt. Es senkt entscheidend die Kaufschwelle bei Einsteigern, weil sie in einem Paket alles bekommen, um gleich loslegen zu können. Und die Softwaredurchverkäufe werden durch Bundles auch nicht negativ beeinflusst. Aber es gilt trotzdem zu bedenken, dass zu viele oder auch zu schlecht positionierte Bundles die Kunden verwirren und zudem das Angebot verwässern können. Attraktive und gut positionierte Bundles wie unser aktuelles Sega-Bundle, die dem Kunden nicht erst erklärt werden müssen, wirken sich dagegen als Verkaufsmotor aus.

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