Fortsetzung...

Eins der vielleicht größten Probleme für SNK war neben den vertrieblichen Lücken (die sich als sehr resistent erwiesen) sowie den im Grunde nie erfolgreichen Marketinganstrengungen die fehlende Unterstützung von Third-Party-Publishern. Für die Konsole NeoGeo entwickelten zwar renommierte Firmen wie Saurus, Sunsoft, Hudson Soft, Taito, Monolith oder Wave. Große Publisher hatten aber sowohl mit den Konsolen als auch den Handhelds nichts im Sinn.

Zur E3 2000 präsentierte SNK Japan seine im April neu formierte US-Tochter SNK Entertainment Inc. Die Division sollte einen Neuanfang verdeutlichen. Mit komplett neuer Corporate Identity sollte SNK Entertainment eine aggressivere Vermarktung der Consumer Products realisieren. Das schloss sowohl die NGPC-Hard- und -Software als auch Spieletitel für andere Konsolen, wie Sega Dreamcast und Sony PlayStation, ein.

Die E3 war gleichzeitig das erste Präsentierfeld für Ben Herman und Joyce Corkos, die das neue Managementgrundgerüst für SNK Entertainment bilden sollten. Herman hatte zuvor bei der SNK Corporation of America verantwortlich gezeichnet und ging nun als Vice President of Sales ins Rennen. Joyce Corkos, mit 15 Jahren Branchenerfahrung unter anderem bei Tecmo und Konami ausgestattet, sollte als Vice President of Marketing endlich die Vermarktungsmaschinerie zum Laufen bringen. "Wir haben nun neue Kräfte gesammelt, um den NGPC auf seine wichtige Rolle im Handheldmarkt vorzubereiten", sagte Corkos. "Unsere neuen Anstrengungen, kombiniert mit einem fließenden Nachschub an Spieletiteln aus Japan, sollte es SNK nun ermöglichen, sich als 'Key-Player' nicht nur im Handheldmarkt, sondern in der gesamten Videospielindustrie zu etablieren."

Als E3-Neuheiten hatte die Managementriege ein MP3-AddOn, sowie zahlreiche neue Titel für den Handheld in petto: "Metal Slug - 2nd Mission", "Dynamite Slugger", "Last Blade - Beyond the Destiny", "Faselei", "Pocket Reversi" sowie für die PlayStation "King of Fighters '99 Evolution", "Metal Slug X" und für die Dreamcast "Cool Cool Toon" und "King of Fighters - Evolution", um nur einige zu nennen.

Viel brachte SNK dies allerdings nicht mehr. Der japanische Arcade-Anbieter Aruze, bereits seit Dezember 1999 Hauptanteilseigner von SNK, übernimmt nun das Ruder und läutet damit gleichzeitig das Ende für SNK ein. Die seinerzeit verworrene Situation bei SNK ergibt allerdings eine bemerkenswerte Notiz am Rande: Das NGPC-Spiel "Faselei" wurde einer der wenigen internationalen Titel, die ihre Marktpremiere in Europa feierten.

"Wir werden nicht unser Telefon über Nacht abmelden und aus der Stadt verschwinden"

Nur kurz nach der Übernahme durch Aruze hat sich SNK aufgrund anhaltenden Misserfolgs endgültig aus den USA und aus Europa zurückgezogen. Offiziell wurde der Marktaustritt durch interne Umstrukturierungen und eine damit einhergehende Neuorientierung in der Marketingstrategie begründet. Sowohl Hard- als auch Software wurden sofort aus dem US-amerikanischen sowie aus europäischen Märkten genommen. Auch der Vertrieb der Dreamcast- und PlayStation-Titel wurde sofort gestoppt. SNK versprach allen Händlern eine Rückerstattung für nicht abgesetzte Titel. Ben Herman kommentierte: "Wir geben jetzt nicht komplett unser Geschäft auf. Wir werden nicht unser Telefon über Nacht abmelden und aus der Stadt verschwinden. Kunden, die Hard- und Software mit gültiger Garantie besitzen, können mit einer Rückerstattung rechnen." NGPC soll nur noch in Japan weiter vertrieben werden und auch Spieleentwicklungen für Next-Generation-Konsolen will man dort fortsetzen.

In der Folge wurde es außerhalb Japans äußerst ruhig um SNK. Am 30. Oktober dieses Jahres dann eine neue Unternehmensmeldung: SNK stellt den Geschäftsbetrieb ein. Wie zu erfahren war, hat SNK bereits im März 2001 einen Insolvenzantrag gestellt. Das Ende des Konkursverfahrens wurde am 30. Oktober von einem Gericht in Osaka amtlich gemacht.

Die Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende: Wie Aruze mitteilt, haben SNK-Aktionäre jetzt weiterführende Klage gegen Aruze sowie gegen fünf Vorstandsmitglieder von SNK gestellt. Darin fordern sie rund 27,5 Mrd. Yen Schadensersatz. Laut Klageschrift soll es bei der Übernahme durch Aruze nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Der Konkurs sei eine direkte Folge dessen gewesen. Aruze erwartet allerdings keinerlei negative Ergebnisse aus dem Gerichtsverfahren, sei doch der Zeitraum zwischen der Übernahme im Dezember 1999 und dem Konkurs im Oktober 2001 zu lang für "direkte Folgen".

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