Bei der 18. Internationalen Antipirateriekonferenz, die Ende April in Hamburg stattfand, suchten 35 Organisationen nach neuen Wegen des Kampfs gegen Urheberrechtsverletzungen, vor allem in Asien.

Raubkopierer agieren weltweit und verfügen über einen hohen Organisationsgrad. Die nationalen Antipiraterieorganisationen müssen daher enger zusammenarbeiten, um dem internationalen Phänomen von Urheberrechtsverletzungen im Entertainmentbereich effizient beizukommen. Dies war eins der Ergebnisse der "18. International Antipiracy Conference", die auf Einladung der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) von 28. bis 30. April in Hamburg stattfand. Vertreter von 35 Antipiraterie-Organisationen nahmen daran teil.

Dara MacGreevy, Vice President and Regional Director Anti-Piracy Europe, Middle East & Africa des US-Filmverbands MPA, wies darauf hin, dass der durch Filmpiraterie weltweit verursachte Schaden im Jahr 2002 die Rekordhöhe von 3,5 Mrd. Dollar erreicht habe. 2003 wurden mehr als 16,4 Mio. illegal kopierte DVDs und 27,8 Mio. VHS beschlagnahmt. Nach den Worten MacGreevys stellt in Europa vor allem die Internetpiraterie ein wachsendes Problem dar. Auf die Verstrickung von Terror und Produktpiraterie machte John Newton von Interpol aufmerksam. So finanziere sich Al-Qaida unter anderem durch illegale DVD-Kopien.

Die Konferenzteilnehmer diskutierten in Hamburg auch neue Wege der Pirateriebekämpfung. So versieht etwa Buena Vista Home Entertainment seit der Veröffentlichung von "Findet Nemo" alle DVDs mit einem speziellen Hologramm. Dieser physikalische Schutz kann einerseits nur schwer nachgemacht werden und hilft andererseits den Ermittlern, Fälschungen schnell zu erkennen. Im Bereich der Discpiraterie arbeiten Film- und Musikindustrie bereits zusammen und unterhalten ein gemeinsames Büro in London. Dort werden Daten über Replikationsanlagen gesammelt. Weil beim Pressen von CDs und DVDs jede Anlage individuelle Spuren gleich einem Fingerabdruck auf der Disc hinterlässt, können Datenträger eindeutig einem Hersteller zugeordnet werden. Ziel ist es, schwarze Schafe unter den Duplizierern zu identifizieren und Druck auf Regierungen auszuüben, die nicht entschieden genug gegen illegale Fabriken vorgehen.

In einem konkreten Fall konnte anhand der Londoner Datenbank nachgewiesen werden, dass raubkopierte DVDs aus russischer Herstellung in Deutschland, Estland, der Ukraine, Bulgarien, Griechenland und in Israel auftauchten. Mit dem Ziel, die Internetpiraterie in den Griff zu kriegen, durchforstet die MPA-Zentrale im kalifornischen Encino zusammen mit einem Privatunternehmen das Internet nach illegalen Filmdateien. Dazu setzt der US-Filmverband eine spezielle Software ein, die Peer-to-Peer-Nutzer automatisch per Anschreiben verwarnt und Internet-Service-Provider informiert.

Vertreter der dänischen Antipiraterie-Organisation gaben ihren Kollegen Einblick in ihre Arbeit und stellten ihre Erfolge bei der Bekämpfung von Internetpiraterie vor. Die Dänen enttarnten beispielsweise einen Peer-to-Peer-Nutzer, der 170.000 Musikdateien und 400 Spielfilme im Internet zum Tausch angeboten hatte. EU-Recht, nationales Urheberrecht und die Internet-Service-Provider halfen bei der Rechtsdurchsetzung. Wichtig war den Dänen auch die Information der Öffentlichkeit über die Antipiraterie-Maßnahmen, mit dem Ziel, die Bevölkerung für Urheberrechte zu sensibilisieren.

John Malcolm, Director Worldwide Anti-Piracy der MPA, kündigte in Hamburg die technische Aufrüstung der Antipiraterie-Organisationen an, um den Raubkopierern besser Paroli bieten zu können. Zudem sollen Erfolge im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen verstärkt in der Presse lanciert werden, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. GVU-Geschäftsführer Joachim Tielke zum Ergebnis der Antipirateriekonferenz: "Die Antworten auf die technischen Herausforderungen, die intensivierte internationale Kooperation der Antipiraterie-Organisationen, unter Einbeziehung staatlicher Strafverfolger wie Interpol, und die Zusammenarbeit mit Kollegen benachbarter Branchen wie der IFPI sind der Schlüssel, um die wirtschaftlichen Schäden unter Kontrolle zu halten."

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