Ein Gesetzesentwurf in Australien sieht verpflichtende PEGI-18-Label für alle Spiele mit Lootboxen sowie ein Warnlabel zur Information für Eltern vor, die das Spiel dennoch für ihre Kinder kaufen. Dem Vorschlag werden gute Erfolgschancen eingeräumt.

Ein gestern ins australische Parlament eingebrachter Gesetzesentwurf könnte die Maßnahmen gegen Lootboxen drastisch verschärfen. Der vom tasmanischen parteilosen MP Andrew Wilkie eingebrachte Entwurf sieht verpflichtende Alterseinstufungen ab 18 Jahren für alle Spiele mit Lootboxen vor, außerdem ein Warnlabel für Eltern, damit diese informiert sind, falls sie ihren Kindern die Spiele dennoch vor dem 18. Geburtstag kaufen wollen. Außerdem beinhaltet der Entwurf eine Definition von Lootboxen, die bei Annahme zum ersten Mal in Australien einen gesetzlich bindenden Rahmen für Definitionen bilden könnte: "Lootbox ist ein Feature eines Computerspiels, bei dem man digitale Behälter mit zufällig ausgewählten virtuellen Gegenständen gegen Gegenleistung erhalten kann," so der Vorschlag.

"Indem sie junge Spieler:innen mit potenziell spielverändernden Gegenständen locken, sie zur Risikobereitschaft für eine mögliche Belohnung ermutigen, ihnen in unregelmäßigen Abständen Zufallsgewinne zukommen lassen und sie ermutigen, immer wieder Geld auszugeben, ist es klar, dass Lootboxen viele der gleichen Emotionen und Erfahrungen hervorrufen, die mit Pokerautomaten und anderen traditionellen Glücksspielen verbunden sind", so Wilkie in seiner Rede zum Antrag. Der Entwurf war bereits seit letztem Jahr erwartet worden. Seit 2018 untersucht die australische Regierung Lootboxen, in jenem Jahr kam das Environment and Communications Reference Committee zu dem Schluss, dass diese zwar nicht die juristischen, aber die psychologischen Voraussetzungen von Glücksspiel erfüllen. 2020 empfahl das House of Representatives Standing Committee on Social Policy and Legal Affairs die Aufnahme von Lootboxen in Maßnahmen zur Altersverifikation bei Online-Glücksspiel und Pornos.

Obwohl Wilkies bereits zuvor mit Anträgen gegen Glücksspiel gescheitert war, stehen die Chancen dieses Mal besser: Der unabhängige Parlamentarier wird von MP Andrew Wallace der Liberal National Party of Queensland, der zweitstärksten Partei im Bundesstaat, unterstützt.

"Wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten in vielen Dingen, aber MP Wilkie ist ein absoluter Verfechter in seinem Wunsch, die Glücksspielindustrie zu säubern - so wie ich auch", sagte Wallace. "Wir stehen hier Schulter an Schulter, um Big Tech und die großen Glücksspielunternehmen darauf aufmerksam zu machen, dass er und ich und jeder, der sich uns anschließen möchte, Schulter an Schulter kämpfen werden, um die Australier:innen zu schützen, die durch das Glücksspiel anfällig geworden sind."

Der kurze Antrag steht nun im sogenannten First Reading zur Diskussion im Parlament. Sollte er unverändert oder verändert angenommen werden, gelten die neuen Regelungen jedoch nicht rückwirkend, sondern nur für Spiele, die ab Erlassdatum veröffentlicht werden. Im Falle der Annahme könnte die Regelung durchaus Auswirkungen auf den europäischen Markt haben, in dem sich bereits einzelne Länder wie Deutschland, Belgien, die Niederlande, Spanien und Großbritannien in unterschiedlicher Härte gegen Lootboxen ausgesprochen hatten. Da Australien Teil des PEGI-Wertungsraumes ist, könnten sich weitere PEGI-Länder damit auf den Staat Down Under beziehen.Pascal Wagner

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Pascal Wagner
Pascal Wagner is Chief of Relations of GamesMarket and Senior Editor specialised in indie studios, politics, funding and academic coverage.
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