Jeder Kunde ärgert sich, wenn er ein Produkt gekauft hat, das am nächsten Tag billiger angeboten wird. Ein gutes Timing ist deshalb bei dieser Verwertungsstufe entscheidend. games.markt hat nachgefragt, wie sich eine zu schnelle Zweitvermarktung auf das Preisgefüge auswirken kann.

Markt muss sauber sein

Die Gefahr besteht darin, dass der Endkunde irgendwann nicht mehr bereit ist, das Produkt im Vollpreissegment zu erwerben, wenn er weiß, dass er das gleiche Produkt wenige Monate später zu einem deutlich reduzierten Preis erhält. Zusätzlich ist zu beachten, dass der Markt vor der Einführung eines Titels in der Budget-Linie sauber ist. Soll heißen, wir beobachten den Lebenszyklus des Produktes sehr aufmerksam, um den richtigen Zeitpunkt zur Budget-Vermarktung zu treffen, und wir achten besonders darauf, dass sich keine Produkte aus der Vollpreisvermarktung mehr im Handel finden. Mil Thierig, Geschäftsführer Tivola Verlag

Preisstabilität notwendig Es ist sicherlich wichtig, erfolgreiche Vollpreistitel nicht zu früh in die Zweitvermarktung zu nehmen, um Preisstabilität zu gewährleisten - wir sehen in Deutschland aber auch keine grundsätzliche Tendenz in diese Richtung. Frédéric Bichat, Managing Director Pointsoft Deutschland

Negativ für das Brand Insbesondere bei der Vermarktung von namhaften Produkten wirkt sich eine zu schnelle Budget-Vermarktung negativ auf das Brand aus. Die Kaufzurückhaltung wird hierdurch gefördert. Der Kunde wartet dieses Intervall ab und kauft das Produkt erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem günstigeren Preis. Dieser Trend kann sehr schnell zu Preisdumping auch im Vollpreissegment führen. Michael Fleissner, Geschäftsführer United Soft Media Verlag

Kriterien einhalten Wirkliche Top-Titel werden nach wie vor innerhalb des bestehenden Preisgefüges funktionieren. Bei den Titeln, die zwar gut sind, die der Kunde aber nicht unbedingt sofort haben muss, werden die Kunden nach wie vor auf Budgetvermarktung warten - egal, ob diese nach sechs oder zwölf Monaten erfolgt. Diesen Titeln hilft aber auch ein geringerer VK zum Release nicht weiter. Die etwas höhere Stückzahl kompensiert in der Regel nicht den Margenverlust. Für die Budgetvermarktung ist es wichtig, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden - zum Beispiel eine zeitlich abgestimmte und geordnete Zweitvermarktung, eine entsprechende Verpackung, die das Produkt als "Budget"-Version "outet", Textdatei statt gedrucktem Handbuch, fehlende "Gimmicks" wie Landkarten und ähnliche Beilagen. Solch ein Produkt möchte der Hardcore-Gamer nicht - hier wird eine völlig andere Zielgruppe angesprochen. Tödlich sind kurzfristige und unüberlegte Restpostenaktionen mit dem Originalprodukt in Originalverpackung statt kontrollierter Zweitvermarktung. Hier sind die Publisher selbst schuld, wenn der Kunde dem nächsten Vollpreisprodukt skeptisch begegnet. André Franzmann, Geschäftsführer rondomedia

Schädliche Preisspirale Die Endkunden merken sehr schnell, wenn einige Produkte bereits wenige Wochen nach Markteinführung deutlich reduziert werden. Das verunsichert die Käufer, viele warten erst einmal ab und kaufen am Ende womöglich gar nicht. Diesen Prozess erleben wir ja auch in anderen Handelsbranchen, und dadurch wird eine Preisspirale in Gang gesetzt, die zu einem dauerhaften Schaden für Publisher und Handel führt. Ein Kunde, der ein Vollpreisprodukt gekauft hat und dieses wenige Wochen später deutlich reduziert im Handel findet, wird in Zukunft ungern einen Vollpreis zahlen. An dieser Preisschlacht beteiligen wir uns daher nicht. Wir verkaufen Produkte, von denen wir glauben, dass sie ihren Preis wert sind. Unsere Kunden sehen das glücklicherweise auch so - unter anderem dank unserer Produktkommunikation. Jörg Trouvain, Geschäftsführer Electronic Arts

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