Dialog zwischen Pädagogen und Programmierern suchen
Hermann Achilles, Projekt Direktor des Verbands der Unterhaltungssoftware (VUD), hat eine stärkere Ausschöpfung des Potenzials von Computerspielen zu Lehrzwecken gefordert. "Schulpädagogen sollten zunehmend den Dialog mit Programmierern suchen", so Achilles im Rahmen des Medienforum NRW.
In Deutschland sei "der Markt für Lernprogramme ganz weit unten", führte der VUD-Projekt-Direktor in Köln aus. Hier müssten die Pädagogen seiner Ansicht nach stärker ihre Chance ergreifen, da mit Computerspielen vor allem männliche Jugendliche angesprochen werden könnten, zu denen der Zugang ansonsten schwierig sei. Der "Aufforderungscharakter" und die unterhaltenden Elemente von Spielen müssten mit einem Lerneffekt verbunden werden. "Als Vorbild im Fernsehen sehe ich z. B. die Wissenschaftssendungen mit Joachim Bublath", so Achilles. Zuvor war auf der 16. Medienforum-Veranstaltung betont sachlich über die "Chancen und Risiken von Computerspielen in der Jugendarbeit" diskutiert worden. Klaus Schäfer vom Ministerium für Schule, Jugend und Kinder in NRW sprach sich eindeutig für eine Nutzung von Games in der Jugendarbeit aus. "Es gibt gar keine Alternative. Jugendarbeit sollte der Raum sein, wo sich Bedürfnisse und Belange der Jugend widerspiegeln."
Unterdessen rügte Dieter Wiedemann, Vorsitzender der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), die ästhetische Qualität vieler Spiele. "Filmemacher und Spieleprogrammierer sollten hier besser zusammenarbeiten", forderte er. Ein Ansatz, der ein wenig verwunderte, denn in der Realität findet der Austausch zwischen Kino- und Gamesspezialisten bereits rege statt. Und zwar in beide Richtungen, wie in den USA immer wieder unter Beweis gestellt wird. Immerhin entstanden z.B. Kinoerfolge wie "Tomb Raider" oder "Resident Evil" auf der Basis von Computerspielen. Überhaupt ist der Blick in die Vereinigten Staaten und in andere Länder notwendig, wenn man über den deutschen Gamesmarkt diskutieren will. Dies machte auch Hermann Achilles bei der Diskussion in Köln deutlich. "Mehr als 90 Prozent der Spiele, die hierzulande erscheinen, kommen nicht aus Deutschland", berichtete Achilles. Im Hinblick auf Kriegsspiele müsse man mit anderen Herangehensweisen der US-Spieleproduzenten umgehen: "In den USA ist ein Soldat nun mal ein Held und wird entsprechend dargestellt", so Achilles. "Es ist aber illusorisch, Spiele verbieten zu wollen, da ohnehin jedes Produkt, das in den USA erscheint, sofort im Internet auftaucht."
Michael Troesser vom Landesmedienzentrum Rheinland forderte im Bereich Computerspiele eine "Qualitätsdebatte im öffentlichen Bereich", wie sie etwa auch über Fernsehprogramme stattfinde. Eine Gameszeitschrift, die er beispielhaft vorstellte, berichte in ihrer aktuellen Ausgabe zu 80 Prozent über Kriegsspiele. Darunter auch "Battlefield 2" (Electronic Arts), eine Simulation des Irakkriegs. "Müssen wir diesen Krieg wirklich in dieser Form nachspielen?", fragte Troesser in die Runde. "Wir kommen nicht weiter, wenn wir immer nur über negative Inhalte bei Computerspielen reden", entgegnete Paul Gaffron vom Landesjugendring NRW. Games seien als Mittel für die Medienpädagogik absolut notwendig. Allerdings müssten dafür auch die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Auch Hermann Achilles rief abschließend noch einmal dazu auf, "die Kommunikation fortzusetzen". Man müsse zunehmend verdeutlichen, "dass dieser Markt auch außerhalb der gewalttätigen Angebote relevant sein kann".