Jedes Jahr im Mai gibt sich die Gamesindustrie ein Stelldichein unter der sengenden Sonne Kaliforniens, um sich selbst zu feiern und der Welt die neusten Spielehits für PC und Konsole vorzustellen. Wir stürzten uns drei Tage ins Gamesgewimmel.

Los Angeles, Downtown. Etwas abseits der Wolkenkratzer der Filmmetropole herrscht geschäftiges Treiben. Über 62.000 Menschen schieben sich durch die Hallen des L.A. Convention Centers, dem Veranstaltungsort der E3, der größten Computerspielemesse der Welt.

Softwaregiganten wie Sony, Microsoft oder Nintendo tragen dort ihren erbitterten Kampf um Marktanteile aus - nur Branchenvertreter und Journalisten haben Zutritt zum Spieleparadies.

Im Schatten der Riesen präsentieren etwa 400 Aussteller Tausende Softwaretitel, darunter mehr als 1350 nie zuvor gezeigte Computer- und Videospiele. Dabei lautet die Devise eindeutig: "Klotzen statt Kleckern". Und das, obwohl die liquiden Spieler draußen bleiben müssen. Doch gerade deren Kaufentscheidung ließe sich durch diese Gigantomanie sicherlich beeinflussen.

Egal, die Messestände der drei Global Player nehmen jedenfalls - jeder für sich - fast die Dimension eines Fußballfeldes ein. Jeder will den anderen übertreffen - ob an Spielhits, Präsentationen, Stars oder Musik. Der Lärm in den Hallen ist ohrenbetäubend. Bereits nach wenigen Minuten muss sich der Besucher entscheiden: Auf Durchzug schalten oder stechende Kopfschmerzen in Kauf nehmen.

Während sich drinnen die Besucher durch die Gänge schieben, läuft draußen ein ganz anderer Film. Aus dem Nichts taucht plötzlich ein Blackhawk-Hubschrauber der US Army auf. In etwa 40 Metern bleibt der Heli über dem Parkplatz stehen. Eine Hand voll Elitesoldaten lassen sich an Seilen hinab zum Boden. Wer jetzt glaubt, der Spezialtrupp würde gegen Terroristen vorgehen, liegt falsch. Obwohl es überall von Militärs wimmelt, handelt es sich dabei nur um einen geschickten Werbefeldzug der US-Armee, die ihr Actionspiel "America's Army" bewirbt.

Gott sei dank gibt es auch noch andere Spiele zu bewundern! Absolutes Messehighlight 2003 ist " Half-Life 2 ". Entwickler Valve sorgt mit seinem kleinen Heimkino am Stand von ATI Software für einen wahren Massenansturm. Jeder will die ersten Bilder des Ego-Shooters sehen. Stundenlange Wartezeiten werden in Kauf genommen. Doch alle, die es ins Innere des Vorführraums geschafft hat, sind sich einig: Das Warten hat sich gelohnt! Erstmals kann in einem Spiel wirklich alles zerstört werden! Fenster, Wände, Kühlschränke - nichts, das eine Bleiattacke überstehen würde.

Am anderen Ende der Halle logiert Microsoft. Auch dort harren Spielfans geduldig in Warteschlangen aus, um das beeindruckende "Halo 2" zu sehen. Hier kann nicht nur geschossen, sondern ab 2004 auch mit gekaperten Fahrzeugen gefahren werden! Interessant ist ebenfalls die XSN-Sports-Spielreihe für die Onlinevariante "Xbox live". In Sportarten wie NBA, NHL oder Tennis kann der Spieler online gegen andere Gegner antreten. Alle Ratings wie Spielstände und Spielerdaten werden gesammelt und können unter www.XSNsports.com abgerufen werden.

Gangsta-Rapper Snoop Dogg überzeugt sich von den trendigen Microsoft-Spielhighlights. Währenddessen drängen sich beim Konami-Stand Dutzende Spielernaturen vor einem riesigen LCD-Bildschirm. Grund des Auflaufs: der Trailer zum Spielehit " Metal Gear Solid 3: Snake Eater". Lautlos streift Held Solid Snake darin durch den Wald. Als feindliche Soldaten auftauchen, eröffnet er sofort das Feuer. Topprogrammierer Hideo Kojima lässt es sich nicht nehmen, ausgewählten Personen seine neuste Schöpfung höchstpersönlich vorzuführen. Genauso wie Super-Mario-Vater Shigeru Miyamoto oder Doom-Erfinder John Romero, die ebenfalls Rede und Antwort stehen.

Dabei werden die Programmierhelden wie Topstars gefeiert. Und die dürfen auf einer Entertainmentmesse natürlich nicht fehlen. Unter den Gästen gesichtet: Songwriterin Vanessa Carlton, Exmodel Anna Nicole Smith, Skaterlegende Tony Hawk und Tron-Darsteller Bruce Boxleitner. Letzterer war gekommen, um Buena Vistas "Tron 2.0" zu promoten. Die Mischung aus Rennspiel und Ego-Shooter wird im August PC-Besitzer verzücken.

Ebenfalls heiß begehrt sein werden EAs Rennspektakel "Need For Speed: Underground " und die Lebenssimulation "Die Sims 2". Die Liste könnte noch weiter ausgeführt werden. Denn eins ist in diesem Jahr deutlich zu erkennen: Das Qualitätsniveau ist gestiegen. Es gibt fast kein Spiel, das qualitativ abrauscht. Das können sich die Spielehersteller einfach nicht mehr leisten.

Eine Überraschung gibt's dann doch noch: Konsolenprimus Sony kündigt an, künftig auch auf dem Handheld-Markt eine wichtige Rolle spielen zu wollen, und Handy-Gigant Nokia verkündet den 7. Oktober als Verkaufsstart seiner Handy-Spielplattform "N-Gage" zum Preis von ca. 299 Euro ohne Vertrag. Da können wir nur gespannt sein, was sich die Spieleindustrie bis zum nächsten Jahr einfallen lässt. Bis dahin erholen alle Geschädigten ihre Gehörgänge. Die Redaktion wünscht allen Spielefans solange viel Vergnügen beim Spielen!

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