Deutsche Entwicklungsstudios für Games suchen händeringend nach Personal. Doch qualifizierte Kräfte sind rar. Abhilfe soll ein Lehrgang der Berliner Games-Academy schaffen. Von diesem Monat an werden die ersten zwölf Teilnehmer in Leveldesign unterrichtet.

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sowie den USA und Japan führt die deutsche Spielebranche in der Öffentlichkeit ein Schattendasein. "Games werden hier zu Lande immer noch zuerst mit Ballerspielen und dem Nintendo-Daumen der Kinder gleichgesetzt", kritisiert Thomas Dlugaiczyk. Der 36-Jährige hatte bis 1998 die USK geleitet und sich als Journalist vor allem mit den interaktiven Medien beschäftigt. Um die Branche aus dem öffentlichen Dornröschenschlaf zu wecken und ihr Potenzial besser auszuschöpfen, gründete er im vergangenen Herbst die Games-Academy. In zehn Veranstaltungen im Jahr 2000 will die Akademie die Spielebranche einem breiterem Publikum näher bringen.

Ende März beispielsweise halten zwei Vertreter der Bochumer Phenomedia einen Vortrag über den Hype um ihre Moorhuhnjagd. Kernstück der Arbeit ist jedoch die Qualifizierung neuer Gamesentwickler. "Aus Deutschland kommen einfach zu wenige konkurrenzfähige Produkte", findet Dlugaiczyk. Zusammen mit dem Arbeitskreis Medienpädagogik e.V. und verschiedenen Entwicklungsstudios aus der Region Berlin wie Silverstyle oder Burns Entertainment startet im März der erste Lehrgang. Die zwölf Teilnehmer werden zunächst über den Markt und die Geschichte der Computerspiele unterrichtet. Anschließend beginnt die Praxis. Konzeption, 3D-Gestaltung, Leveldesign und Tests stehen auf dem Programm. Dabei sitzen die Eleven nicht nur stur vor ihren Bildschirmen. "Ein Bestandteil des Kurses ist auch das Zeichnen mit Stift und Papier", berichtet Dlugaiczyk, "denn die ersten Entwürfe werden nun einmal von Hand angefertigt. Da muss man die Grundlagen kennen."

Zu dem fünfwöchigen Kurs gehören auch zwei 14-tägige Praktika bei den ansässigen Entwicklungsstudios. Die praktische Arbeit in den Spieleschmieden ist gleichzeitig Schaulaufen für einen späteren Arbeitsplatz. "Natürlich können die Studios keine Übernahme garantieren", dämpft Dlugaiczyk zu hohe Erwartungen, "aber für talentierte Entwickler sind hier auf jeden Fall noch Arbeitsplätze offen." Deshalb wird das Projekt auch vom Europäischen Sozialfonds und der Berliner Senatsverwaltung für Jugend, Familie und Sport unterstützt. Für die Teilnehmer ist der Kurs dadurch kostenlos. Einzige Bedingungen: Wohnsitz in den ehemaligen Bezirken Ostberlins und Alter unter 25 Jahren. Ausgeschlossen von der Teilnahme sind auch Studenten und Schüler. An dieser Auflage scheiterte ein besonders eifriger Bewerber: Er war erst elf.

Share this post

Written by