"Hitman: Contracts": Diskretion garantiert
Mit einer überarbeiteten Steuerung und neuen tödlichen Nahkampfwaffen schickt der seit kurzem zu Eidos gehörende dänische Entwickler IO Interactive den Auftragskiller 47 für die Erledigung heikler Jobs erneut um den Globus.
"Glatzköpfiger Einzelgänger sucht befristete Anstellung als Auftragskiller, Diskretion garantiert" - so könnte eine Stellenanzeige des Protagonisten aus "Hitman: Contracts" lauten, verdient er seine Brötchen doch mit dem Tod anderer Leute. Ausgangspunkt der düsteren, mit Hilfe einer neuen Grafikengine umgesetzten Story: Nachdem sein letzter Auftrag schief gegangen ist, sucht der Antiheld schwer verwundet Zuflucht in einem Stundenhotel im Pariser Rotlichtbezirk, während Scharfschützen die umliegenden Dächer besetzen. Die zwölf nichtlinearen Einsätze verteilen sich auf internationale Tatorte wie Hongkong, Rumänien, Holland und Sibirien. Zu Beginn des jeweiligen Levels informiert der Auftraggeber über die zu erledigende Zielperson, eine detaillierte Karte sorgt für den nötigen Überblick.
Die Art der Ausführung liegt in den Händen des Spielers: Ballern sich rüde Actionfanaten ohne Rücksicht auf Verluste durch die Areale, wählen Schleichexperten lieber den subtileren Weg und gelangen unerkannt zu ihrem Opfer. In den Händen des Killers mutieren selbst Alltagsgegenstände zur tödlichen Waffe: Von Fleischerhaken über Schaufeln bis hin zu Küchenmessern reicht das morbide Arsenal. An Schießprügeln haben die Entwickler deshalb keineswegs gespart. Anfangs ist es eine Pistole, später kommen dickere Wummen wie Maschinengewehr oder Schrotflinte zum Einsatz. Damit keine Patrone daneben geht, darf aus der Egoansicht geschossen werden. Trotzdem sollte ein Profikiller solche Ballereien vermeiden, denn die KI-Wachmänner wissen sich zu verteidigen: Die Gegner untersuchen jede kleine Unregelmäßigkeit, schlagen Alarm und rufen im schlimmsten Fall nach Verstärkung.
Spielerisch ist "Hitman: Contracts" wie "Killer-Business as usual". Fans des (insgesamt besseren) Vorgängers "Silent Assassin" stören sich vornehmlich am knappen Umfang: Die mageren zwölf Missionen halten nicht lange bei der Mörder-Stange, zumal ein großer Teil der Einsätze in ähnlicher Form bereits beim indizierten Ur-"Hitman" für PC vorkam. Das Drumherum von "Contracts" hat spürbar unter dem Zeitdruck der Entwickler gelitten: Während fachmännisch geschnittene Zwischensequenzen noch echtes Thrillerflair versprühen, enttäuschen die Missionsbeschreibungen durch unklare bzw. fehlende Hinweise. So bleibt dem Spieler meist nur die Trial-and-Error-Methode oder ein Blick in das zeitgleich erscheinende Strategiebuch, das auf knapp 150 Seiten Killerinstinkte weckt. In technischer Hinsicht gibt es kaum Grund zur Klage: Finstere Farbfilter und detaillierte Szenarien erzeugen eine Atmosphäre, die an Streifen wie "Sieben" erinnert. Und der hervorragende Soundtrack tut ein Übriges, die Atmosphäre zu verdichten.
Fazit: Wer sich an "Hitman 2" kaum satt spielen konnte, darf erneut bedenkenlos zugreifen - eine echte Weiterentwicklung ist "Contracts" jedoch nicht.