Zum Ende des 3. Quartals 2003 steigt Nokia in den Markt für mobile Videospiele ein. Der Weltmarktführer bei Mobiltelefonen wird "N-Gage" auf den Markt bringen, ein mobiles Videospiel-system mit Handyfunktionen. GamesMarkt.de sprach mit Nokias Executive Vice President Anssi Vanjoki über Chancen, Ziele und Partner des Spiele-Handy-Zwitters.

GamesMarkt.de: Warum dehnt Nokia sein Geschäft auf den Spielemarkt aus?Anssi Vanjoki: Nokia hat etwa 250 Millionen Handys im Markt, die alle das Spiel "Snake" integriert haben. Unsere Marktforschung sagt, dass fast jeder Besitzer eines solchen Handys bereits "Snake" gespielt hat. Das Interesse an mobiler Unterhaltung ist bei unseren Kunden also in großem Maße vorhanden. Ich halte mobiles Gaming für einen großartigen Zeitvertreib, und den werden wir unseren Kunden jetzt zugänglich machen.

GM: Sie dringen in einen Markt ein, den bisher ein einziger Mitbewerber dominiert.

Vanjoki: Ich denke, dass Nintendo das Potenzial des Markts noch bei weitem nicht ausgeschöpft hat. Mit einem so vielseitigen Produkt wie "N-Gage" können wir den gesamten Markt vergrößern und bereichern. Davon wird dann vermutlich sogar Nintendo profitieren.

GM: Wo sehen Sie bei "N-Gage" die Unterschiede im Vergleich zu den Produkten des Wettbewerbers?

Vanjoki: Wir streben mit "N-Gage" in erster Linie die Technologieführerschaft an. Sehen Sie sich nur das Farbdisplay an. Die Bildqualität ist bestechend! Mit "N-Gage" bieten wir Videospielern ein Gamingerlebnis, das sie so bisher nicht kannten. Das Produkt verfügt über moderne 3D-Grafiktechnologie und Netzwerkfunktionalität. Über das GPRS-Netzwerk und die Bluetooth-Funkwege können Spieler on air miteinander in Kontakt treten und gegeneinander Wettrennen fahren oder andere Multiplayergames miteinander spielen.

"N-Gage" soll Megaseller werden

GM: Wo setzen Sie den besonderen Schwerpunkt bei der Vermarktung? Also wie soll "N-Gage" verkauft werden - als Handy, als Videospiel oder als Multiplayer-Games-Plattform?

Vanjoki: Wir werden "N-Gage" als Videospielplattform platzieren. Uns erwartet einer der größten Launches, den Nokia je bewältigt hat. Der Multiplayeraspekt ist für mich mit entscheidend. Wir möchten eine "N-Gage"-Community aufbauen, mit Ligen und Wettbewerbevents. Und - um es nicht zu vergessen - die Vernetzung des "N-Gage" macht einfach Spaß. Die Kunden können beispielsweise Screenshots des laufenden Spiel machen und dann an andere als MMS versenden.

GM: Welche Zielgruppe haben Sie im Auge, und in welchen Stückzahlen wollen Sie "N-Gage" verkaufen?

Vanjoki: Wir wollen Kunden zwischen zehn bis etwa 35 Jahren erreichen, und zwar überall da, wo es GSM-Netze gibt. Also in Europa und USA, in Australien und Teilen Asiens, aber nicht in Japan. Was die Menge betrifft: Ich hab in der Vergangenheit gesagt, Nokia würde keine Produkte bauen, die sich nicht millionenfach verkaufen. Das gilt genauso für "N-Gage".

GM: Das Ziel wird Nokia aber nur erreichen, wenn der Content überzeugt. Mit welchen Partnern kooperiert Nokia auf der Softwareseite?

Vanjoki: Bisher haben Eidos, Activision, THQ, Taito und Sega Produkte für "N-Gage" angekündigt. Wir rechnen mit mindestens zwölf Spielen zum Launch, sprechen aber mit weiteren Publishern. Wir werden außerdem selbst als Spielepublisher tätig sein und arbeiten dazu bereits mit einigen Developern zusammen. Überhaupt möchte ich Developer ermuntern, für "N-Gage" zu arbeiten. Jeder ist eingeladen, sich mit uns in Verbindung zu setzen und von der Entwickler-Webseite www.forum.nokia.com das SDK zu laden.

GM: Können Sie bereits ein Vertriebsmodell skizzieren?

Vanjoki: Wir verfolgen eine Multichannelstrategie. "N-Gage" wird überall dort erhältlich sein, wo es heute bereits Videospielsysteme zu kaufen gibt, also im Spielwarenhandel, im Fachhandel und bei großen Ketten wie Karstadt oder Media-Saturn. "N-Gage" wird außerdem über die Shops unseres Partners T-Mobile distribuiert. Wir führen bereits Gespräche mit verschiedenen Großhändlern, um die einzelnen Kanäle gezielt zu bedienen. Die Spiele gehen als MultiMediaCards über dieselben Channels an den Kunden, übrigens inklusive Kopierschutz.

GM: Ist parallel dazu ein Softwarevertrieb onair geplant?

Vanjoki: Das Publishing von Software via GPRS ist bei Größen von acht MB und mehr nicht praktikabel. Unser Businessmodell sieht aber Onlinedienstleistungen vor. Beispielsweise soll der Kunde in Zukunft Add-Ons, Tipps und Cheats für eine geringe Gebühr aus dem Netz abrufen können.

GM: Die Lebenszyklen von Mobiltelefonen sind weit kürzer als die von Videospielsystemen und besonders des Game Boy. Kann sich die Spieleindustrie darauf verlassen, dass es "N-Gage" in drei Jahre noch geben wird?

Vanjoki: Wir werden, soweit erforderlich, das Handy dem Markt anpassen. "N-Gage" als Videospielplattform wird definitiv erhalten bleiben.

GM: Muss sich der Markt auf einen erhöhten Preisdruck durch Ihren Partner T-Mobile einstellen?

Vanjoki: Sie meinen, ob T-Mobile das "N-Gage" mit Spielen und Handyvertrag für einen Euro abgeben wird, so wie jetzt einige Mobiltelefone? In dieser Hinsicht ist, soweit ich weiß, noch keine Entscheidung gefallen. Ich glaube aber nicht, dass das so passieren wird. Letzten Endes bestimmt der Markt die Preise. Unsere Softwarepartner sind ein Teil dieses Markts. Sie müssen vor allem zufrieden sein, und das sind sie nicht, wenn Spiele zu preiswert abgegeben werden oder das "N-Gage" seine Wertigkeit im Markt verliert. Eins ist aber klar: Wir wollen den Massenmarkt erreichen. Also können Sie davon ausgehen, dass die Preise für Hard- und Software wettbewerbsfähig sein werden.

GM: "N-Gage" liegt die aktuelle Series-60-Technologie von Nokia zugrunde. Dieser De-facto-Industriestandard für Smartphones wurde bereits von Siemens und Samsung lizenziert. Werden diese Lizenznehmer eigene "N-Gage"-Geräte bauen?

Vanjoki: Der Series- 60-Standard definiert einige Optimierungen nicht, die wir aber speziell für "N-Gage" durchgeführt haben. Ich meine zum Beispiel die 3D-Grafiktechnologie. "N-Gage" ist ein Unterhaltungsprodukt von Nokia und wird es auch bleiben.

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