Im Gespräch: Helge Blischke, jpc
Seit einem Jahr ist der Musikversender jpc erfolgreich im Gamesgeschäft aktiv. GamesMarkt.de sprach mit Helge Blischke, Product Manager Games, über die Zusammenarbeit mit der Industrie, die aktuelle Marktlage und die jpc-Pläne für den Ausbau des Segments Spiele in den kommenden Monaten.
GamesMarkt.de: Mit wie vielen Publishern arbeiten Sie derzeit im Direktgeschäft, und wann ist aus Ihrer Sicht eine direkte Zusammenarbeit wünschenswert?
Helge Bilschke: Wir arbeiten mit rund 15 Publishern aus dem Games- und Info-/Edutainmentbereich. Ich erwarte, wenn ich bei den Publishern direkt bestelle, dass eine bessere Werbeunterstützung stattfindet, wurde hier jedoch schon eines Besseren belehrt. Mit Publishern mit großem Portfolio ist eine Zusammenarbeit wünschenswert. Ist kein eigener Vertrieb vorhanden oder das Portfolio zu klein, werden die Produkte über einen Großhändler bestellt.
"Im Moment fehlen Toptitel"
GM: Planen Sie, den Gamesbereich in den kommenden Monaten durch neue Sortimentssparten, bspw. Hardware oder Lösungsbücher, zu erweitern?
Blischke: Der Gamesbereich wird mit Zubehör und weiteren Softwareprodukten ständig ausgebaut. Wir haben über einen Großhändler seit kurzem auch das gesamte Logitech-Portfolio im Sortiment. In diese Richtung würde ich gern mehr Produkte anbieten, da sie nicht so preissensibel und zeitkritisch sind, wie beispielsweise PC-Hardware. Zudem bin ständig auf der Suche nach Special-Interest-Produkten aus Musik, Kunst, Wissenschaft etc. Diese Bereiche sind für unsere Kunden besonders interessant und werden gut angenommen. Mittlerweile gibt es auch schon erste Gehversuche in Richtung Anwendungssoftware.
GM: Wie wird sich das Gamesgeschäft bei jpc Ihrer Meinung nach in den kommenden zwölf Monaten weiterentwickeln?
Blischke: Durch unseren monatlich erscheinenden Mailorderkatalog "jpc Courier" können wir unseren Kunden immer neue Angebote und Produkte präsentieren. Wir erwarten damit einen Schneeballeffekt - je mehr Kunden Spiele kaufen, desto mehr Spielekäufer bekommen den "Courier". Dadurch erreiche ich eine immer größere Zielgruppe, und die Verkaufszahlen steigen. Die nominellen Stückzahlsteigerungen wird man sehr gut bei der jährlich erscheinenden EA-Sports-Reihe sehen können.
Ständiger Ausbau des Gamesbereichs
GM: Wie schätzen Sie die generelle Marktentwicklung im Bereich Games bis Jahresende ein?
Blischke: Es fehlen mir momentan die Topitel; einige sind hinter meinen Erwartungen geblieben, einige haben mich sehr enttäuscht. Ein wichtiger Longseller, "Command & Conquer: Generals", wurde durch die Indizierung aus meinem Programm gestrichen. Wenn solche Toptitel wie "Half-Life 2", "Doom III", "Die Sims 2" und "GT 4" erscheinen, wird es zum Jahresende noch einmal richtig vorangehen
GM: Wie beurteilen Sie den Trend, dass die meisten Toptitel zur Weihnachtszeit veröffentlich werden?
Blischke: Ich würde Spiele gern über das gesamte Jahr veröffentlichen. Auch letztes Jahr sind einige wirklich gute Spiele in der Flut zu Weihnachten untergegangen. Dieses Jahr dauert die Toptitelflaute besonders lang. Mitte/Ende April war es vorbei mit guten Veröffentlichungen, ausgenommen die "Die Sims: Megastar". Wieso bringt die Branche nicht auch im Sommer Toptitel heraus? "WarCraft III" hat doch gezeigt, dass es funktioniert.
GM: Wie schätzen Sie langfristig die Entwicklung im Spielegeschäft ein?
Blischke: Ich bin gespannt auf die Zukunft im Gamesbereich. Was bringt das Nokia N-Gage? Viel erwarte ich von Sonys PSP. Auch Eye-Toy halte ich für eine sehr gute Erfindung, um die Konsole anderen Zielgruppen näher zu bringen. Interessant ist sicher auch die Music Box für die Xbox. Ein frommer Wunsch, der sich wohl leider nicht erfüllen wird, ist, dass endlich diese extremen Releaseverschiebungen aufhören und ein Spiel erst angekündigt wird, wenn der Termin zur Veröffentlichung feststeht. Viele Kunden machen den Händler dafür verantwortlich bzw. bekommt der Händler ihren Unmut zu spüren. Das verursacht Arbeit und kostet viel Geld im Servicebereich. Für mich das schlimmste und jüngste Beispiel: "Tomb Raider"; irgendwann schwindet das Kaufinteresse, weil vielleicht schon ein anderes, ähnliches Produkt erschienen ist und der potenzielle Kunde dann dieses kauft oder das Geld gleich für andere Dinge ausgibt.