Im Gespräch: Stefan Lampinen, GF EA Central Region. "Wettbewerb wird sich verschärfen"
Seit 1. April ist Stefan Lampinen Geschäftsführer von EA Central Region. Für die deutsche Branche ist er ein neues Gesicht, im Games- und Entertainment-Business ist er allerdings ein alter Hase. Im Interview mit GamesMarkt.de erläutert er die Umstrukturierung von EA in Europa, seinen Aufgabenbereich und die weiteren Pläne von EA.
GamesMarkt.de: Für die deutsche Branche sind Sie ein neues Gesicht. Deshalb bitte zunächst einige Infos zu Ihrer Person.
Stefan Lampinen: Ich bin seit gut 18 Jahren in der Games- und Entertainmentbranche aktiv. Zwischen 1986 und 1987 habe ich in Schweden eine Handelskette etabliert, die alle Arten von Spielen aus aller Welt im Angebot hatte. 1988 habe ich dann eine auf den Bereich Games spezialisierte Beratungsfirma ins Leben gerufen, mit zahlreichen Kunden aus Industrie und Handel. Im Januar 1995 bin ich zu Electronic Arts gestoßen, nachdem mir EA-Präsident David Gardner angeboten hatte, EA Nordic als Geschäftsführer aufzubauen. Mit dieser Niederlassung haben wir eine fantastische Wachstumsstory erlebt, nicht zuletzt deshalb, weil die skandinavischen Händler, wenn es um neue Technologien geht, zu den Early Adopters zählen. So nahmen wir das Direktgeschäft mit den Händlern sehr schnell auf und eröffneten EA-Niederlassungen in Schweden, Finnland und Dänemark. 1998 bin ich dann in der Funktion des Vice President European Sales ins europäische Headquarter von EA gewechselt. Ende letzten Jahres wurde ich schließlich gefragt, ob ich als Geschäftsführer nach EA Deutschland gehen würde. Vor dem Hintergrund der neuen Struktur von EA in Europa habe ich dieses Angebot gern angenommen. Seit 1. April habe ich nun die Position des Geschäftsführers EA Central Region inne.
GamesMarkt.de: Wie sieht die neue Struktur von EA in Europa aus?
Lampinen: Offiziell trat die neue Struktur am 1. April in Kraft. Tatsächlich arbeiten wir aber bereits seit Anfang dieses Jahres damit. Den Ausgangspunkt dafür bildete der Wechsel von Dr. Gerhard Florin ins europäische Headquarter. Dort zeichnet Dr. Florin nun als Managing Director für die European Territories verantwortlich, während unser Präsident David Gardner sich mehr auf vertriebliche und strategische Aufgaben konzentriert. Die europäischen Territorien haben wir im Zuge dieser Neustrukturierung in drei Profit Center gegliedert: in EA North Region, EA Central Region and EA South Region. Damit haben wir ein schlankes Managementteam gebildet, das in der Lage ist, sehr schnell auf neue Anforderungen zu reagieren. Darüber hinaus haben wir die Verantwortung für bestimmte Geschäftsbereiche von EA Europe weiter dezentralisiert. Um ein Beispiel zu nennen: Das Headquarter, das für den gesamten Bereich Strategic Sales verantwortlich zeichnet, zu dem u.a. das OEM-, Internet-, Bundling- und E-Commerce-Business gehört, ist EA in Deutschland.
GamesMarkt.de: Welche Länder gehören zu EA Central Region?
Lampinen: Derzeit umfasst EA Central Region die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. In absehbarer Zeit wird dieser Bereich aber noch um einige osteuropäische Länder erweitert.
GamesMarkt.de: Am 10. Mai hat EA seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2000/01, das am 31. März endete, vorgelegt. Während der Umsatz weltweit von 1,42 Mrd. Dollar im Vorjahr auf nunmehr 1,32 Mrd. Dollar zurückging, sank der Gewinn deutlich von 130 Mio. Dollar im Geschäftsjahr 1999/2000 auf gerade einmal sechs Mio. Dollar. Dennoch zeigte sich das Management angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen mit dem Ergebnis zufrieden. Wie fiel denn die Bilanz für EA Deutschland aus?
Lampinen: Insgesamt war das letzte Jahr in Deutschland und international ein sehr hartes für Electronic Arts wie für die gesamte Branche, maßgeblich bedingt durch die Übergangsphase zur nächsten Generation im Konsolenbereich. Wenn ich in Bezug auf Electronic Arts von einem harten Jahr spreche, bedeutet dies nicht, dass wir Verluste eingefahren hätten. Vielmehr haben wir nach vielen Jahren des kontinuierlichen Wachstums im letzten Geschäftsjahr auf hohem Niveau stagniert. Im laufenden Geschäftsjahr werden wir aber wieder kräftig zulegen.
GamesMarkt.de: Welche Rolle spielt der deutsche Markt aus Sicht von Electronic Arts im gesamteuropäischen Kontext?
Lampinen: Deutschland hat für Electronic Arts eine sehr große Bedeutung, weil der heimische PC-Markt sehr stark ist. Der Umsatz, der hier erzielt wird, ist sehr wichtig für Electronic Arts. Dadurch kann die Central Region wiederum einen sehr großen Einfluss auf unsere überwiegend in den USA basierten Studios ausüben, damit sie spezielle Produkte für den europäischen Markt entwickeln. Der Umsatzanteil der deutschsprachigen Länder beträgt über ein Drittel des Gesamtumsatzes von EA Europe.
GamesMarkt.de: Als Vice President European Sales hatten Sie Einblick in alle europäischen Märkte. Gibt es signifikante Unterschiede zwischen dem deutschen und den anderen europäischen Märkten?
Lampinen: Ja, es gibt da im Einzelnen sehr große Unterschiede. Zunächst einmal verfügt Deutschland über eine sehr gute und effiziente Struktur. Sehr beeindruckend ist zudem die Qualität von Statistiken und Analysen, die im Auftrag des VUD erstellt werden. Das sind mit Abstand die besten in ganz Europa. Was dem deutschen Markt ganz gut täte, wäre ein bisschen mehr Flexibilität, wie man sie etwa in Schweden oder - aber das ist wieder ein besonderer Fall - in Spanien findet. Auch der deutsche Handel unterscheidet sich sehr stark von dem Handel in anderen Ländern. Der hiesige Handel arbeitet sehr professionell und hält in der Regel viel mehr Produkte vor als in anderen Ländern üblich, will sagen: Die Sortimentsbreite hat in Deutschland eine ganz andere Qualität.
GamesMarkt.de: Seit 1. April sind Sie nun Geschäftsführer von EA in Deutschland. Warum dieser Wechsel aus dem europäischen Headquarter nach Aachen?
Lampinen: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist Deutschland ein sehr bevölkerungsreiches Land und der Schlüsselmarkt in Europa. Außerdem ist diese Position, insbesondere vor dem Hintergrund der Umstrukturierung von EA mit der geplanten Ausdehnung des Verantwortungsbereichs auf Osteuropa, sehr attraktiv. Last but not least bin ich ein großer Freund des operativen Geschäfts mit all seinen Möglichkeit der direkten Einflussnahme. Alles in allem stellt die neue Aufgabe also eine fantastische Herausforderung dar. Der konnte ich nicht widerstehen.
GamesMarkt.de: Was zählt alles zu Ihren Aufgaben?
Lampinen: Meine Aufgabe ist es, kurz gesagt, mehr Umsatz zu generieren. Und ich kann Ihnen sagen, dass wir in diesem Jahr eine sehr ambitionierte Umsatzplanung haben. Aber im Ernst, meine Aufgabe und das Ziel ist es, EA für die nächsten Jahre gut zu positionieren und unsere Marktführerschaft auszubauen. Zudem werden wir unsere Sales-Aktivitäten weiter forcieren und die Prozesse beschleunigen.
GamesMarkt.de: Der Start ins neue Geschäftsjahr ließ sich gut an. Mit "Black & White" allein konnte EA bereits weit über 160.000 Spiele durchverkaufen. Was sind die kommenden Schwerpunktthemen von EA?
Lampinen: In diesem Jahr ist unser Line-up besonders stark, angefangen von den Neuerscheinungen im EA Sports-Bereich - u.a. veröffentlichen wir hier mit dem "Fußball-Manager 2002" den ersten von EA Deutschland entwickelten Titel - über "Harry Potter und der Stein der Weisen" und "James Bond: Agent im Kreuzfeuer" bis hin zu "Anno 1503" von Sunflowers, mit denen wir eine weltweite Zusammenarbeit vereinbart haben.
GamesMarkt.de: Wie schätzen Sie den Markt für Unterhaltungssoftware generell ein, und wie wird er sich Ihrer Ansicht nach in Zukunft entwickeln?
Lampinen: Nun, ich bin ja seit vielen Jahren im Games- bzw. Entertainmentbusiness tätig. Und in all diesen Jahren, selbst in angespannten wirtschaftlichen Zeiten, waren die Segmente Games und Entertainment immer sehr lukrativ. Insofern mache ich mir auch angesichts der aktuellen Situation keinerlei Sorgen. Was sich mit Sicherheit ein wenig verschärfen wird, ist der Wettbewerb auf Anbieterseite. Außerdem wird sich das Geschäft stärker auf Key-Franchises verlagern, die dann in großen Stückvolumina vermarktet werden, während mittlere oder durchschnittliche Titel in kleineren Stückzahlen in den Markt kommen werden. Die viel beschworenen Bereiche Online-Gaming und Mobile-Gaming brauchen dagegen noch einige Zeit. Zunächst müssen akzeptable Übertragungswege fürs Online-Gaming geschaffen und größere Displays fürs Mobile-Gaming entwickelt werden.
GamesMarkt.de: Und das Thema E-Commerce?
Lampinen: E-Commerce ist eine interessante Ergänzung zu den bestehenden Vertriebswegen. Eine Hauptrolle wird E-Commerce in den nächsten Jahren aber nicht spielen.
GamesMarkt.de: Wie sehen Sie den neuen Konsolenplayer Microsoft mit seiner Xbox?
Lampinen: Dem Xbox-Start sehe ich mit großer Spannung entgegen, weil der Markt zum ersten Mal mit einem amerikanischen, also nichtjapanischen Hardwareanbieter im Konsolenbusiness konfrontiert wird. Das wird unweigerlich mit einem kulturellen Wandel in diesem Segment einhergehen, hier seien Stichworte wie Royalties und Lizenzen genannt. Das Rennen wird zwischen Sonys PlayStation 2 und Microsofts Xbox entschieden, da Nintendos GameCube eine jüngere Zielgruppe anspricht. Ich glaube nicht, dass Microsoft gleich die Pole Position erreichen wird, dafür sind sie im Segment Konsole zu unerfahren. Aber sie werden ihre Lektion schnell lernen, davon bin ich überzeugt.