Im Gespräch: Wolfgang Kruse, Projektreferent der Leipziger Messe
Die GC family bietet auch 2004 ein Forum für Eltern und Kinder, die sich für Kindergames und Lernsoftware interessieren. Hier soll Medienkompetenz auf unterhaltsame Art vermittelt werden. games.markt sprach mit Wolfgang Kruse, Projektreferent der Leipziger Messe, über den neuen Ansatz.
gm: Der Sonderbereich "GC family" ist im vergangenen Jahr erfolgreich gestartet. Mit welcher Resonanz rechnen Sie in diesem Jahr seitens Aussteller und Publikum?
Wolfgang Kruse: Die Premiere der GC family zur GC 2003 war in der Tat für alle Beteiligten ein sehr großer Erfolg. Zum einen griffen Presse, Funk und Fernsehen das Thema intensiv auf und berichteten ausführlich über das Angebot, das sich an Eltern und ihre Kinder, aber auch an Lehrer und Erzieher aus Grundschule sowie Kindergarten richtet. Zum anderen nahm das Publikum die Möglichkeiten gern an, sich über Kinder- und Lernsoftware zu informieren, mit Fachexperten und den Ausstellern ins Gespräch zu kommen und natürlich kindgerechte Soft- und Hardware selbst auszuprobieren. Dies ist Ansporn für uns, GC family in diesem Jahr weiter auszubauen. Wir möchten ausstellerseits den Gesamtmarkt der Anbieter von Kindersoftware, Lernspielen und Lernprogrammen komplett darstellen. Das bezieht selbstverständlich auch kindgerechte Hardware und Online-Content mit ein. Die Zahl von 15 Ausstellern zur Premiere werden wir deutlich steigern. In der Publikumsansprache konzentrieren wir uns, wie der Name schon sagt, stark auf die Familie. Wir laden die ganze Familie ein, sich gemeinsam zu informieren und Produkte zu testen. Ein familienfreundliches, buntes Rahmenprogramm sowie die neu eingeführte "Elternkarte", die Erwachsenen in Begleitung ihrer Kinder ermäßigten Eintritt gewährt, werden zu einer Zunahme der Besucherzahl, v. a. des Elternanteils, führen.
gm: Welche Bedeutung hat GC family für die GC - Games Convention?
Kruse: Die Inhalte, die GC family vermitteln will, haben für die GC, aber auch für die gesamte Entertainmentbranche, deren öffentliche Plattform die GC ist, eine außerordentlich große Bedeutung. GC family rundet das Gesamtangebot der GC ideal ab und komplettiert als Ausstellungsbereich das Portfolio. Der Sonderbereich verdeutlicht damit die Vielfalt der Branche und zeigt, dass heutzutage schon in früher Kindheit spielend am Computer gelernt werden kann. Immer vorausgesetzt, dass dies nicht unkontrolliert und unkommentiert geschieht. Auch das noch immer aktuelle Thema "Jugendmedienschutz" kann mit GC family optimal transportiert und vorgestellt werden. Das am 1. April 2003 in Kraft getretene neue Jugendschutzgesetz wurde zur Premiere von GC family der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Unterstützt von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und dem Jugendamt der Stadt Leipzig als ideellem Träger der GC family 2003, konnte dieses wichtige Thema beim Publikum verankert bzw. Fragen von Eltern kompetent beantwortet werden.
gm: Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, bei einer Show wie der GC auch komplexe Themen wie Medienkompetenz von Eltern und Kindern zu berücksichtigen?
Kruse: Die GC ist die ideale Veranstaltung, um ein wichtiges und vielschichtiges Thema wie Medienkompetenz dem Publikum nahe zu bringen. Bei Kindern und Jugendlichen haben die neuen Medien, also Computer, Internet, Spielekonsolen oder auch Handy, einen immer wichtigeren Stellenwert. Die Eltern können mit den Entwicklungen in dem Bereich kaum Schritt halten, sodass die Kinder im Umgang mit den Medien versierter sind. Logischer Schluss daraus ist, dass Eltern teilweise nicht mehr einschätzen können, wo die Grenzen des Einsatzes neuer Technik für Kinder in bestimmten Altersgruppen liegen. Die Eltern stehen sozusagen einem "Mediendschungel" hilflos gegenüber. Aus diesem Unwissen heraus und durch Verunsicherung aufgrund eines negativen öffentlichen Images "aller Computerspiele" stellt sich bei Eltern oft eine negative Einstellung gegenüber dem Medienkonsum ein. Sie bauen Hemmschwellen auf, die sich besonders in der Medienerziehung der Kinder bemerkbar machen: Entweder werden die Medien generell verteufelt, oder die Kinder bleiben beim Gebrauch sich selbst überlassen. Und genau da setzt GC family an. Wo sonst, außer auf Europas einziger Erlebnismesse für interaktive Unterhaltung, Info- und Edutainment, können dem Publikum praktische Beispiele gezeigt und Fragen individuell beantwortet werden, wie Medienkompetenz im Familienalltag umgesetzt werden kann? Gerade bei der GC, auf der die neueste Hard- und Software für die digitale Freizeitunterhaltung als Event präsentiert wird, muss auch ein Thema wie Medienkompetenz behandelt werden - nicht verstaubt und mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf unterhaltsame, familienfreundliche und vor allem informative Weise.
gm: Die GC family soll als Fortbildungsmaßnahme für Pädagogen etabliert werden. Ist ein Messebesuch nicht eine eher ungewöhnliche Fortbildungsmaßnahme?
Kruse: Nein, es gibt bereits Messeveranstaltungen, die als Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer und Pädagogen zertifiziert sind. Aber keine vermittelt lehrerspezifische Inhalte so unterhaltsam wie die GC bzw. GC family! Auch dabei gehen wir neue Wege. Gemeinsam mit der Universität Leipzig wollen wir zeigen, wie neue Medien sinnvoll im Unterricht oder bereits im Kindergarten eingesetzt werden können. Dabei spielt die Komponente "Unterhaltung" eine gewichtige Rolle. Lernen soll schließlich Spaß machen - auch oder gerade in der Schule. Diesen Unterhaltungsfaktor wollen wir den Pädagogen auch praktisch verdeutlichen, d. h., Fortbildung mit Spaß verbinden. Außerdem ist ein Messebesuch für Lehrer immer eine schöne Abwechslung im Arbeitsalltag. Und wenn dies noch mit einer Fortbildung verbunden ist, nimmt man ein derartiges Angebot gern an.
gm: Was hoffen Sie interessierten Pädagogen durch die GC family vermitteln zu können?
Kruse: Kindergärten und Schulen haben den Auftrag, auf den Lebensalltag der Kinder einzugehen. Da PC, Internet & Co. bei Kindern und Jugendlichen "in" sind und einen immer stärkeren Einzug in den Alltag halten, muss diese Entwicklung auch von Lehrern und Erziehern berücksichtigt werden. Sie müssen, nicht erst in Zukunft, sondern bereits heute, bei den Kindern die Fähigkeiten wecken, vernünftig, sachkundig und selbstbewusst mit den neuen Medien umzugehen. Neben dem Elternhaus sind es die Pädagogen, die den Kindern Medienkompetenz vermitteln sollen. Mittlerweile ist es doch so, dass Medienkompetenz von der Bedeutung her auf eine Stufe mit Lesen, Schreiben und Rechnen gestellt werden kann. Bei vielen Erziehern in Kindergärten, Lehrern in Grundschulen oder Mitarbeitern von Jugendeinrichtungen und öffentlichen Institutionen herrscht aber gerade bei "Medienerziehung" ein enormer Informationsbedarf. GC family führt die Pädagogen an das Thema heran und zeigt, wie z. B. Lernsoftware sinnvoll im Grundschulunterricht eingesetzt werden kann. Fachexperten und Aussteller stehen für eine gezielte individuelle Beratung zur Verfügung, Software für Schule und Kindergarten kann getestet und ausprobiert werden. GC family als Lehrerfortbildungsmaßnahme zielt auf den Abbau vorhandener Hemmschwellen bei Pädagogen sowie auf die Stärkung ihrer Fähigkeiten beim Umgang mit modernen elektronischen Medien ab. Ferner steht das Verstehen von Angeboten und Techniken im Mittelpunkt, und es soll verdeutlicht werden, dass die ohnehin vorhandene Begeisterung der Kinder für neue Medien auch in der Schule einfach und sinnvoll genutzt werden kann.
gm: Beschränkt sich GC family auf den Bereich Computerspiele, oder können Eltern und Pädagogen das Forum auch zur Information über allgemeinere medienrelevante Fragen nutzen?
Kruse: Im Mittelpunkt der GC family steht die Förderung der Medienkompetenz im Bereich neue Medien bei Eltern und Kindern; wir konzentrieren uns auf kindgerechte Hard- und Software. Aber das gesamte mediale Umfeld der Kinder hat in den letzten Jahren eine extreme Entwicklung erfahren. Das schließt neben Computer, Spielekonsole und Internet auch das TV und, sehr aktuell, den Mobilfunk, sprich: das Handy, mit ein. Neben Kidsgames, kindgerechten Internetseiten oder Lernsoftware werden Eltern und Pädagogen auch hierzu Fragen durch die Fachexperten beantwortet bekommen. Denn auch bei TV und Handy kommt es zu häufigem, sehr ausgedehntem, in vielen Fällen unbegleitetem und unkommentiertem Konsum der Medieninhalte durch die Kinder. Nicht zuletzt wachsen auch im Kinderbereich die Medien(-inhalte) immer mehr zusammen. Dem wollen wir mit gezielter Information Rechnung tragen. Des Weiteren wird bei der diesjährigen GC family auch das Thema Jugendschutz in Sachen Medien wieder eine große Rolle spielen.
gm: Computerspiele sind in der öffentlichen Meinung oft als übertrieben gewalttätig gebrandmarkt. Kann GC family helfen, dieses Negativimage zu korrigieren?
Kruse: Es ist bekannt, dass sich die öffentliche Meinung, gefördert durch entsprechende Berichterstattung in den Medien, oft an einer bestimmten Art Spielegenre orientiert, und dies dann exemplarisch für die gesamte Gamesbranche steht. Hier hat aber die GC zusammen mit der Industrie in den letzten beiden Jahren bereits dafür gesorgt, dass auch andere Genres, wie Rennspiele oder Simulationen, in den Fokus der Berichterstattung gerückt sind. Computerspiele werden dadurch immer mehr aus der "Schmuddelecke" herausgeholt und zu einem "festen kulturellen Bestandteil". Die Öffentlichkeit sieht, wie breit das Spektrum elektronischen Spielens istt. Und dieses Spektrum umfasst auch Produkte, die speziell im Sonderbereich GC family gezeigt werden, nämlich kindgerechte Medien. Der Teilbereich GC family wird das von Anfang an feststehende Ziel der GC, die komplette Bannbreite von Computer- und Konsolengames der breiten Öffentlichkeit vorzustellen, weiter vorantreiben und hilft damit selbstverständlich, das Image in der Öffentlichkeit zurechtzurücken.