"KIM"-Studie 2002 zu Kinder und Medien
Immer mehr Kinder in Deutschland sitzen häufig und gern vor dem Computer. Lieblingsbeschäftigungen sind Games, Lernprogramme und das Surfen im Internet. Das ist das Ergebnis der neuen Basisstudie zum Medienumgang sechs- bis 13-jähriger Kinder, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest veröffentlicht hat.
Die Ausstattung mit elektronischen Medien steigt in Haushalten mit Kindern stetig an. Die "Vollversorgung" mit TV-Geräten (100 Prozent) und Videorekordern (96 Prozent) ist abgeschlossen, die Ausstattung mit Spielekonsolen bleibt mit 47 Prozent stabil. Deutliche Zuwächse gibt es bei Handys, Computern und Internet. Dies ist das Ergebnis der Studie "KIM 2002", für die der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest (MpFS) 1241 Haushalte befragt hat. Beliebter würden insbesondere Computer mit Internetzugang. Während im Rahmen der "KIM 1999" 47 Prozent der befragten Haushalte angaben, einen Computer zu besitzen und acht Prozent zudem einen Internetzugang, ergibt sich im Jahr 2002 ein ganz anderes Bild: PCs sind mittlerweile in 67 Prozent, ein Internetzugang ist in 47 Prozent der Haushalte vorhanden. Auch Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren besitzen laut aktueller Daten mehr und mehr Zugang zu Computern und dem World Wide Web. Nicht nur nenne fast jedes zweite Kind einen Game Boy sein Eigen, ein Viertel besitzen eine Spielekonsole und 13 Prozent einen eigenen PC. Immerhin fünf Prozent der Kinder verfügten dazu über einen eigenen Internetanschluss.
In den neuen Bundesländern sei der persönliche Medienbesitz der Kinder deutlich höher ausgeprägt als in den alten Ländern, so der MpFS. In der Computernutzung seien sich aber alle Kinder einig: Am liebsten werden PC-Games gespielt. Von 782 Kindern, die direkten Zugang zu einem PC haben und diesen auch oft nützten, würden 70 Prozent am liebsten allein bei einem Computerspiel sitzen.
Webnutzung hat stark zugenommen
51 Prozent der Kinder spielen Games zudem auch mit anderen Kindern. Die meisten Kinder haben laut Ergebnis der Studie ihre Spiele von den Eltern geschenkt bekommen. Wichtige Bezugs- und Informationsquellen seien zudem die Freunde, mit denen Spiele getauscht oder von denen Spiele ausgeliehen werden. Mit zunehmendem Alter würden mehr Spiele selbst gekauft. Am liebsten würden die Kinder Strategiespiele nutzen, danach kämen Simulationen und Actiontitel. Jungen würden dabei nicht nur hinsichtlich der Nutzungsfrequenz öfter Computerspiele als Mädchen spielen, sondern auch eine längere Spieldauer aufweisen. Der Anteil an intensiven Spielern, das sind die Kinder, die länger als eine Stunde pro Anwendung spielen, sei bei Jungen mit 21 Prozent doppelt so hoch wie bei Mädchen. Neben den Spielen sind Lernprogramme die Anwendungen, die von Kindern am Computer am häufigsten genutzt werden.
Der spielerische Umgang mit Lerninhalten stoße dabei auf breite Zustimmung. Im Durchschnitt würden die Kinder 2,6 verschiedene Lernprogramme verwenden. Die Nutzungsdauer betrage bei 62 Prozent der Kinder bis zu einer halben Stunde, 29 Prozent würden sich zwischen 30 und 60 Minuten mit Lernprogrammen beschäftigen. Inhaltlich gehe es überwiegend um die Schulfächer Mathematik und Deutsch, mit Abstand folgen dann Anwendungen zu Fremdsprachen oder zum Sachunterricht. Deutlich zugenommen habe bei den Kindern darüber hinaus die regelmäßige Nutzung des Internets: Gaben 2000 noch 15 Prozent der Computernutzer an, mindestens einmal pro Woche online zu sein, so waren es 2002 schon zehn Prozent mehr. Die Rolle der Eltern ist ebenfalls enorm wichtig: So wollen 41 Prozent der Eltern nach Angaben der Kinder wissen, was sie am Computer machten. 37 Prozent dürften oft nur ganz gezielt den Computer nutzen. Die gemeinsame Computernutzung von Kindern und Eltern scheint aber eher die Ausnahme als die Regel zu sein.