Neuer Digitalplan Bayern will E-Sport-Event und pädagogische Games
Die bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach legt einen Digitalplan Bayern vor, der Games in der Medienbildung und Kulturmittlung stärker fördern und einen Kulturpreis ausloben soll. Auch ein E-Sport-Event soll Bayern möglichst bald neben der neuen Gamingmesse GG Bavaria küren.
Am gestrigen Mittwoch hat Judith Gerlach, Staatsministerin für Digitales in Bayern, den sogenannten “Digitalplan Bayern” vorgelegt. Neben der Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung, der digitalen Stadtplanung durch “digitale Zwillinge” und Vorhaben zur Medienbildung in Schulen beinhaltet das Dokument auch Kommentare zu Games und zum E-Sport in Bayern.
Games werden konkret in der Medienbildung als wertvoll erachtet. “Der passende Einsatz von Games und Serious Games in Schulen und auch im weiteren Bildungsbereich erönet daher große Chancen. In Zusammenarbeit zwischen Kultus- und Digitalministerium sollen Anwendungsfelder identifiziert werden. Mittel- und langfristig können Games und Serious Games den Unterricht weiter bereichern”, so das Statement, das den Bogen zum Kultusministerium schlägt, aber noch keine konkreten Vorschläge zur Einbindung von Games macht. Die separate Erwähnung von Serious Games jedoch könnte Hoffnung für die Förderung machen: Während andere Bundesländer wie NRW hier bereits eigene Fördertöpfe geöffnet haben, ist Bayern hier noch nicht so weit – obwohl das Gesamtfördervolumen des Freistaates dennoch an der Spitze der Bundesländer rangiert.
Auch bei der Kulturmittlung will das Digitalministerium in Zukunft stärker auf Games setzen. Diese seien “eine neue Form der Kultursprache geworden, hier finden sich die Menschen und interagieren untereinander ungeachtet ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Geschlecht, Weltanschauung, Religion, Behinderung oder Hautfarbe. Games bauen damit Brücken unter vielen Menschen”, und besonders solle das für VR- und XR-Erfahrungen gelten, mit denen man in die Haut anderer Menschen schlüpfen könne. In diesem Bereich fördert Bayern besonders proaktiv, mit einem eigenen 1,5 Millionen Euro großen Fördertopf für die XR-Branche – der im letzten Jahr allerdings nicht ausgeschöpft wurde.
Apropos Förderung: Die soll zunächst sicher sein. “Die Förderprogramme für Games und XR beim FFF Bayern werden fortgeführt, damit auch weiterhin kreative Werke in diesen Bereichen „Made in Bavaria“ erschaffen werden.” Größer werden die Fördertöpfe nach aktuellem Stand allerdings nicht – ein Zugeständnis, das zum Antragsstopp der Bundesförderung Ende 2022 ansässige bayerische Verbände gefordert hatten. Immerhin möchte das Digitalministerium gemeinsam mit dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst einen neuen Preis für Projekte der Digitalen Kulturvermittlung und Digitaler Kunstprojekte ausloben, von dem auch Games profitieren können sollen.
“Gaming und eSport als digitale Megatrends sind Teil des Alltags der Jugendlichen von heute. Mit der integrativen und inklusiven Wirkung begeistert der eSport – nicht nur – die jungen Menschen in Bayern und auf der ganzen Welt”, so fasst der Plan die Relevanz des E-Sports zusammen.
Das Thema, das aktuell insbesondere auch aus der Diskussion um Gemeinnützigkeit im Bund auf die Länder ausstrahlt, erhält aktuell in Bayern noch keine besondere Beachtung. Andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein und NRW sind hier weiter. Nun verspricht Gerlach, nachzubessern: “Das Staatsministerium für Digitales (StMD) setzt sich dafür ein, dass ein großes eSports-Event in Bayern veranstaltet wird, um den Standort Bayern mit seiner Strahlkraft zu stärken. Das StMD engagiert sich zudem dafür, dass eSport in der Gesellschaft breite Anerkennung findet.” Das Versprechen, sich dem E-Sport in Bayern zu widmen, stammt bereits aus dem Jahr 2019 – Probleme und Verzögerungen brachte unter anderem die Covid-Pandemie mit sich.
Nun startet das Digitalministerium einen zweiten Vorstoß. Dass das im Wahlkampf passiert, knappe sechs Monate vor der bayerischen Landtagswahl am 8. Oktober 2023, mag manchen zynisch stimmen. Allerdings gibt der aktuellste Track Record des StMD Grund zum Optimismus: Das in diesem Jahr gestartet bayrische Gamingevent GG Bavaria in München wird vom StMD gefördert und wurde noch am Eröffnungsabend durch Judith Gerlach auf der Bühne für 2024 erneut mit Finanzierung bedacht.