Offener Brief von Koch Media
Nach Electronic Arts hat auch Koch Media einen offenen Brief an die "ComputerBild"-Chefredaktion verfasst, in dem das Unternehmen zum Titelbericht der Ausgabe 20 des Magazins Stellung nimmt.
ComputerBild Harald Kuppek Axel-Springer-Platz 1 20350 Hamburg
Offener Brief Ihr Bericht "Legales Kopieren" in Computerbild 20/2001
Planegg, den 8.10.2001
Sehr geehrter Herr Kuppek,
auch wir, KOCH Media, möchten als Publisher und Vermarkter von Consumer-Softwareprodukten Stellung nehmen zu Ihrem o. g. Artikel und dem an Sie gerichteten offenen Brief von Stefan Lampinen und Oliver Kaltner von EA. Dem Inhalt des Briefes schließen wir uns in weiten Teilen an.
Natürlich ist uns bewusst, dass sich eine der marktführenden Computerzeitschriften im Sinne der Informationspflicht gegenüber ihrer Leserschaft dem leider weit verbreiteten Phänomen des Raubkopierens nicht verschließen kann. Ein wenig mehr Weitblick und Sensibilität hätten wir jedoch von einem professionellen Magazin Ihres Einflusses erwartet. Besonders verwundert hat uns in Ihrer "Anleitung zum Raubkopieren" das leichtfertige Außerachtlassen der wirtschaftlichen Interessen der Urheberrechts- und Verwertungsrechteeigner und der gesellschaftlichen und moralischen Implikationen.
Kann es in Ihrem Interesse liegen, dass aufgrund des enormen wirtschaftlichen Schadens, der durch das illegale Raubkopieren entsteht, Arbeitsplätze verloren gehen bzw. nicht neu geschaffen werden? Den Softwareunternehmen gehen dadurch gerade in einer wirtschaftlich angespannten Situation, wie wir sie momentan vorfinden, Umsätze und Deckungsbeiträge verloren, die sie andernfalls in technische und kreative Neuentwicklungen investieren könnten.
Sie erweisen den Softwareunternehmen und dem VUD, die sich seit Jahren gemeinsam bemühen, in der Öffentlichkeit ein moralisches Unrechtsbewusstsein bezüglich der Urheberrechtsverletzung und des Raubkopierens zu wecken, einen Bärendienst. Sollte in diesem Fall eine, zugegebenermaßen freie, Redaktion einer Zeitschrift Ihres Ranges nicht mit den Unternehmen an einem Strang ziehen? Sie schreiben für Ihre Leser, doch die Inhalte bekommen Sie nicht zuletzt von uns, den Schöpfern von digitalen Medienprodukten und Dienstleistern der Branche - wir sitzen demnach alle in einem Boot.
Wir haben bisher die Zusammenarbeit mit Ihrem Haus geschätzt, auch für uns sind Sie eine sehr wesentliche Kommunikationsplattform. Sie können sich sicher vorstellen, dass wir uns besonders getroffen fühlten, dass Sie in Ihrem Artikel als "Paradebeispiel" SafeDisc V2 verwendet haben. Diesen Kopierschutz haben wir u. a. bei 'Hostile Waters' angewendet, einem Spiel, das auch von Ihrer Zeitschrift eine gute Bewertung erhalten hat und anhand dessen Sie nunmehr zeigen, wie man einen Kopierschutz umgeht.
Durch das Medium CD-ROM bieten wir unseren Kunden einen sicheren Datenträger, der im Gegensatz zu Magnetdatenträgern der Vergangenheit nicht durch eine Sicherungskopie gesichert werden muss. Sollte der eher unwahrscheinliche Fall eintreten, dass eine CD-ROM oder DVD wirklich defekt oder abgenutzt ist, leisten wir unseren Kunden unabhängig vom Alter der Produkts kostenfreien Ersatz bei Vorlage des Originaldatenträgers.
Wir werden aufgrund Ihrer Berichterstattung leider nicht an der diesjährigen Gala "Goldener Computer" in Berlin teilnehmen. Wir hoffen aber auf ein klärendes und zukunftsweisendes Gespräch mit Ihnen und unseren betroffenen Kollegen aus der Branche. Wir sind der festen Meinung, dass es uns zusammen mit Ihnen gelingen sollte, den Konsumenten davon zu überzeugen: "Raubkopieren ist kein Kavaliersdelikt". Im Gegenteil, es bedeutet die Verletzung des Rechts auf geistiges Eigentums und bringt volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe mit sich.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Klemens Kundratitz Vorstand KOCH Media AG