Ostergeschäft vs. Zwischenzeugnisvergabe
Zur Vergabe der Zwischenzeugnisse und zu Ostern bildet Software für Schüler im Frühjahr traditionell einen Verkaufshöhepunkt. Doch nicht jedes Produkt kann von beiden Terminen profitieren. Auch kann das Frühjahrsgeschäft kaum mit Schuljahresanfang oder Weihnachten mithalten.
Unterhaltungssoftware ist generell ein stark saisonabhängiges Geschäft. Umso erfreulicher sollte es eigentlich sein, dass die Sparte Lernsoftware gleich über mehrere Verkaufshöhepunkte im Jahr verfügt: Zu dem allgemein sehr wichtigen Weihnachtsgeschäft gesellen sich Schuljahresanfang, Zwischenzeugnisvergabe und Ostern hinzu. Doch nicht jedes Produkt kann in jeder Saison auch wirklich höhere Abverkäufe verzeichnen. "Das Zwischenzeugnis war und ist ein Kaufanlass für Nachhilfeprodukte", bringt es Herbert Richert, Geschäftsführer des Heureka-Klett Softwareverlags, auf den Punkt. Die Betonung liege dabei auf Nachhilfe. In Kundenbefragungen hat Richert herausgefunden, dass die Kunden selbst die Software des Schulbuchverlags Klett eher weniger zur Nachhilfe einsetzen. Vor allem stehe die Förderung im Mittelpunkt des Interesses. Ausnahmen bildeten da lediglich Trainingsprodukte. Hier sei ein Absatzanstieg feststellbar. "Vom Volumen her ist der jedoch nicht mit dem Schulstarttermin zu vergleichen", warnt der Heureka-Klett-Chef vor übertriebenen Erwartungen.
Richtiges Produkt zur richtigen Zeit
Änhnliches gilt für Richert auch in Hinblick auf das Ostergeschäft. Zwar würden zu Ostern Geschenke gemacht. Dafür würde jedoch wesentlich weniger ausgegeben als für Weihnachtsgeschenke. "Software, die preislich als Mitnahmeartikel positioniert ist, kommt als Ostergeschenk zunehmen in Frage", glaubt Richert an durchaus positive Impulse. Keine Relevanz hat die Vergabe der Zwischenzeugnisse für Vivendi Universal Interactive Publishing Deutschland (VUIPD). "Weihnachten und eben auch Ostern werden mittlerweile von Eltern stärker genutzt, um den Kindern Kinder- und Lernsoftware zu schenken", berichtet Martin Seebohn, PR Manager von VUIPD. Gerade auch deshalb spiele der Zeitraum von Januar bis Februar, also direkt nach dem Weihnachtsgeschäft, in den Planungen von VUIPD keine Rolle.
Zumindest ein wenig anders sieht es hingegen United Soft Media Verlag (USM). "Das Geschäft zur Zwischenzeugnisvergabe ist interessant, hat aber nicht erste Priorität", schätz USM-VertriebsleiterTill Brömer den Zeitraum um den bei Schülern oft unbeliebten Termin ein. Wesentlich mehr Bedeutung hat auch für ihn das Geschäft zu Ostern. März und April seien die stärksten Abverkaufsmonate im Junior-Bereich, vergleichbar mit den Einverkäufen in den Handel vor Schuljah-resbeginn, so Brömer.
Die Maßnahme, schulorientierte Lernhilfen eher zum Zwischenzeugnis und unterhaltungsorientierte Lernsoftware vor allem zu Ostern zu positionieren, wird auch von Carsten Pfeiffer, Vertriebs- und Marketingleiter Handel beim Cornelsen Verlag, bestätigt. "Die Schulnoten der Schülerinnen und Schüler und der eventuell bestehende Versetzungsdruck sind nach wie vor und erst recht nach Pisa ein wichtiger Kaufanlass", ist Pfeiffer von der Bedeutung der Zwischenzeugnisvergabe für den Markt überzeugt. Allerdings warnt auch er vor übertriebenem Optimismus. Der Markt stagniere, gegenüber den Vorjahren gäbe es kein nennenswertes Wachstum. Und dass, obwohl der objektive Bedarf nach Pisa gestiegen sei. Die sei ein Zeichen für den allgemeinen Konsumverzicht, was sich mittelfristig jedoch wieder ändern sollte. Für das Edutainmentsortiment von Cornelsen, also die unterhaltungsorientierten Lernprodukte, ist auch nach Meinung von Pfeiffer das Ostergeschäft wichtiger. "Da sind spielerische, attraktive und dennoch pädagogisch wertvolle Geschenke zu überschaubarem Preis gut geeignet", ist Pfeiffer von den gestiegenen Absatzchancen zu Ostern überzeugt.