Mehr als 39 Mrd. Dollar Umsatz entging der globalen Softwareindustrie 2006 durch illegalen Kopien, brachte nun die neue Pirateriestudie von IDC und der Business Software Alliance (BSA) ans Licht. Bei nahezu konstanter Raubkopienquote wuchs der Markt rasant, was explodierende Schadenssummen zur Folge hatte.

Der globale Softwaremarkt wächst rasant. Was sich zunächst wie eine gute Nachricht für Softwareproduzenten weltweit anhört, hat auch seine Schattenseiten. Denn mit zunehmender Digitalisierung des alltäglichen Lebens auch in Schwellenländern wie Brasilien, China oder Indien wächst auch die Zahl der raubkopierten Software. Auf 39,6 Mrd. Dollar belief sich allein 2006 der Umsatzausfall der Softwareindustrien, rechnen die Business Software Alliance (BSA) und IDC in der aktuellen Ausgabe der alljährlichen Pirateriestudie vor. Im vergangenen Jahr verschärfte sich das Problem noch, da das rasante Marktwachstum mit einer nahezu konstanten Raubkopienquote zusammenfiel. Der Umsatzausfall erhöhte sich so um fünf Mrd. Dollar im Jahresvergleich. 102 Länder weltweit wurden untersucht, eine globale Raubkopienquote von 35 Prozent berechnet.

International betrachtet fällt der Schwarze Peter dabei erstmals dem Raum Asien und Ozeanien zu. Da in aufstrebenden Industriestaaten wie Indien oder auch China immer mehr Computer zum Einsatz kommen, zeitgleich aber das Urheberrecht einen sehr geringen Stellenwert hat, stieg der Fehlbetrag in den Kassen der Hersteller dort besonders stark an. In Indien verdoppelte sich der Wert im Jahresvergleich auf 1,3 Mrd. Dollar, China weist ein Wachstum von 25 Prozent auf 5,4 Mrd. Dollar aus. Schurkenstaat unter den Raubkopierern ist Vietnam mit einer Raubkopienquote von 88 Prozent.

Derweil zeichnet die BSA in Europa ein zweigeteiltes Bild. So sei die Piraterierate in Polen oder der Tschechischen Republik beispielsweise seit dem EU-Beitritt beider Staaten zurückgegangen. In Osteuropa wurde die Quote so im vergangenen Jahr von 69 auf 68 Prozent gedrückt. Lediglich in drei europäischen Staaten wurde eine steigende Piraterierate ermittelt: Albanien (77 Prozent), Finnland (27 Prozent) und Deutschland (28 Prozent). Der Umsatzausfall hierzulande belief sich nach BSA-Angaben auf satte 1,6 Mrd. Dollar.

Traditionell die größte Schadenssumme läuft aber naturgemäß im weltweit größten Softwaremarkt auf. Zwar weisen die USA mit 21 Prozent die international niedrigste Pirateriequote auf, aufgrund der schieren Marktgröße belief sich der Umatzausfall dennoch auf immense 7,3 Mrd. US-Dollar.

"Besonders in Osteuropa hat sich gezeigt, dass durch die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Erweiterung der EU die Piraterieraten gesenkt werden konnten, gleichzeitig aber der Wert der illegal eingesetzten Software stieg", erklärt Georg Herrnleben, Director Zentral- und Osteuropa der BSA. "Insgesamt beobachten wir aber - mit Ausnahme von Russland - eine zunehmende Angleichung der westlichen und zentral- beziehungsweise osteuropäischen Länder. Das mag zwar auf den ersten Blick positiv erscheinen, weil die Piraterierate sinkt, die negativen Auswirkungen für die Softwarebranche werden aber in der Tat größer, da der Umsatzausfall stark ansteigt. Regierungen und Wirtschaft sehen sich deshalb einer verschärften Herausforderung gegenüber und können sich nicht auf ihren bereits erzielten Erfolgen ausruhen."

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