GamesMarkt.de fragte Vertreter der Industrie nach ihrer Meinung zum Vorschlag der ZPÜ und zu Alternativen.

"Die vom ZPÜ geforderte Abgabe kann aus unserer Sicht nur die Ultima Ratio sein. Die entsprechenden Vorschriften des Urheberrechtsgesetzes stammen aus dem Zeitalter der analogen Technik. Kopien in diesem Bereich sind mit einem Qualitätsverlust verbunden. Das ist bei digitaler Technik nicht der Fall. Insofern ist es aus unserer Sicht höchst fraglich, ob die Vorschrift des Paragrafen 53 UrhG für den digitalen Bereich Gültigkeit hat. Die jüngst durch das Europäische Parlament verabschiedete und nunmehr in nationales Recht zu transformierende 'Copyright Direktive' gibt den Mitgliedsstaaten vor, für eine unterschiedliche Behandlung privater Kopien im analogen und digitalen Bereich Sorge zu tragen. Leider wird kein ausdrückliches Verbot der privaten Kopie vorgeschrieben. Der VUD hat daher in seiner Stellungnahme gegenüber dem Bundesjustizministerium zum Ausdruck gebracht, dass ein wirksamer Schutz der Rechte der Urheber im digitalen Zeitalter nur durch ein grundsätzliches Verbot dieser Kopien gewährleistet werden kann. Gleichzeitig würden pauschale Vergütungen überflüssig."

Ronald Schäfer, Geschäftsführer VUD

"Ich bin kein Befürworter der ZPÜ-Aktion in Hinblick auf unsere Industrie. Vielmehr halte ich dies für verfehlten Aktionismus, der für unsere Branche ein falsches Zeichen setzt. Der Ansatz ist verfehlt, beider Hardware eine Preiserhöhung durchzusetzen. Dies ist lediglich ein einmaliger Kostenfaktor, der viele Unschuldige trifft, die ihren PC ausschließlich für andere Zwecke nutzen. Eine effektivere und zielorientiertere Umsetzung wäre für mich eine Abgabe auf den Datenträger. CD-Rohlinge müssten so teuer sein, dass ein Zehnerpack kein Impulskauf mehr ist. Zudem würde die Preiserhöhung manchem Konsumenten eine Rechtfertigung verschaffen, die kontraproduktiv für unsere Branche wäre: Käufer meinen, sie hätten ein Kopierrecht erworben. Außerdem sehe ich eine viel größere Gefahr in einer allzu wahrscheinlichen Trotzreaktion der Raubkopierer."

Martin Schneider, European CS Manager Konami

"Die GEMA ist nicht die Lösung für das eigentliche Problem. Das Problem liegt im fehlenden Unrechtsbewusstsein des Endverbrauchers, wenn er vermeintliche Sicherheitskopien anfertigt. Ich spreche mich daher generell dafür aus, jegliche Software zu verbieten, die es gezielt ermöglicht, Kopierschutzsysteme auszuhebeln. Weiterhin sehe ich keine Notwendigkeit für ein Recht des Endverbrauchers, Sicherheitskopien anfertigen zu dürfen. Ich denke, dass jede Firma, die auf CD-ROM-/DVD-Datenträgern ihre Produkte anbietet, in der Lage ist, bei einem entsprechenden Defekt des Originaldatenträgers für kostenlosen Austausch zu sorgen. Dass dabei ausgerechnet die letzte Möglichkeit der Grund für das Scheitern einer Antipiraterieallianz zwischen unser und der Musik- bzw. Buchindustrie ist, stößt bei mir auf völliges Unverständnis."

Frank Matzke, Marketingleiter Games bei VUIPD

"Die Grundidee ist begrüßenswert. Der Stellung des Urhebers würde in verstärktem Maße Rechnung getragen. Raubkopien würden indirekt verteuert, für die Spieleindustrie sicher ein interessanter Ansatz. In der Kontroverse um die Gebührenerhebung wird die Ohnmacht der Unterhaltungsindustrie gegenüber der insbesondere in Deutschland vorherrschenden Problematik Produktpiraterie deutlich. Der Gesetzgeber verfügt über keine wirksamen Rechtsinstrumente, die Industrie versucht mit wenig Erfolg, durch technischen Kopierschutz der Piraterie entgegenzuwirken. Durch eine direkte Abgabe auf CD-Brenner darf nicht der Eindruck beim Kunden entstehen, die Entrichtung der Gebühr legalisiere das Vervielfältigen von Software. Alternativen zur Abgabe wären besserer technischer Kopierschutz, effizientere rechtliche Mittel, mehr Kontrollen und eine adäquate Aufklärungskampagne. Es ist jedoch spekulativ, den Erfolg der Abgabe mit den genannten Alternativen zu messen."

Benedikt Schüler, Marketing Director Ubi Soft

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