Trotz Riesenerfolg: THQ kritisiert Preispolitik
Mit über 500.000 verkauften "Findet Nemo"-Spielen hat THQ Entertainment einen Firmenrekord für die Vermarktung der Umsetzungen eines Erfolgsfilms aufgestellt. Doch trotz aller Euphorie gibt es bei THQ auch Anlass zu Kritik: Nicht alle Händler hätten das Potenzial von "Nemo" voll ausgeschöpft.
Seit dem Start der "Findet Nemo"-Titel Mitte November hat THQ von allen Versionen der Umsetzung des Pixar/Disney-Films mehr als eine halbe Million Units allein in Deutschland verkaufen können. Offen gibt man dort auch zu, dass die Erwartungen an den Titel deutlich übertroffen wurden. Den Erfolg der Interactive-Produkte führt THQ auf eine ganze Reihe von Faktoren zurück. Dazu zählt die zeitliche Nähe zum Filmstart ebenso wie die große Zielgruppe, die durch den Titel angesprochen wird. "Letztlich bedeutet aber auch der von uns gewählte Endverbraucherpreispunkt ein Signal an den Konsumenten", so Ralf Gronwald, Vertriebsleiter von THQ. "Wir haben somit den Hype um den kleinen Clownfisch durch ein, auch unter qualitativen Aspekten bestechendes, hochwertiges Gamesprodukt zum attraktiven Mitnahmepreis bereichert."
Und auf solche Feinheiten achte der Endverbraucher. Vergleichszahlen mit den Schwesterterritorien hätten außerdem gezeigt, dass Deutschland überproportional performt hat - nicht nur auf Basis der Stückzahlen. "Wir glauben, Nemo ist ein,Türöffner' für Games im Absatzbereich Familyprodukte", ist Gronwald überzeugt. Die Verkaufszahlen auf den einzelnen Plattformen würden belegen, dass Themen wie "Nemo", aber auch die für November geplanten "Incredibles" bestens geeignet seien, die Gesamtbranche Games ein wenig vom "Schmuddelimage" zu befreien. Doch trotz des überragenden Erfolgs glaubt THQ, dass durchaus noch mehr in dem Thema "drin" gewesen wäre. Speziell zum DVD-Release des Films am 1. April.
Über Preissignale profiliert
Zumal THQ die Zusammenarbeit mit Buena Vista Home Entertainment über alle Maßen lobt. So wurde nur inDeutschland der Gamestrailer in die Video-DVD eingebunden. Darüber hinaus wurden gemeinsam mit BVHE auf Kundenseite Aktionen durchkonzipiert und ausgeführt. "Leider benutzen manche Retailer solche genialen Ansätze, um sich dann lediglich über Preissignale zu profilieren", berichtet Gronwald. "Dies ist wieder einmal sehr schade und leider auch ein Kainsmal des deutschen Markts." Doch nicht nur das preisaggressive Vorgehen einzelner Retailer steht in der Kritik. Auch in puncto Warenpräsentation speziell bei Themenwelten wie "Findet Nemo" könnte mehr passieren.
Auch da kann THQ auf die Erfahrungen der Schwesterfirmen in anderen Ländern wie Spanien und Großbritannien zurückgreifen. "Uns gelingt es in Deutschland immer nur dezidiert, Sonderprodukte anzubieten, auf deren Präsentation im Laden jedoch kein Einfluss besteht. Sinnvolle PoS-Konzepte werden bislang sehr oft aus den verschiedensten Gründen blockiert", sagt Gronwald. Nach Angaben THQs hakte es auch schon bei der Standardpräsentation. "Zur heißen Phase von,Nemo' hat THQ regelmäßig Storechecks vorgenommen, mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen. Wir glauben, dass hier viel Potenzial verloren ging, da der Kunde die Ware nicht immer sofort finden konnte", erinnert sich Gronwald. Industrie und Handel müssten noch durch einen langen Lernprozess gehen, dem letztlich ein Servicegedanke gegenüber dem wichtigsten Glied der Kette, dem Konsumenten, zugrunde liegt.
Die Zukunft liege in der Zusammenführung der Sortimente, ist Gronwald überzeugt. "Der Bereich,Entertainment' ist ein Mehr-Milliarden-Euro-Markt, die emotionalen Verknüpfungen zu diesem Segment ziehen die Menschen in die Märkte, auf die Websites. Und dann sind sie oft hoffnungslos verloren." Doch nicht alle Händler sperren sich gegen diese Idee. Man rede bereits mit verschiedenen Retailern über Konzepte, um diese vielleicht sogar schon in diesem Weihnachtsgeschäft bei entsprechenden Titeln wie "Incredibles" umzusetzen.