"Dieses Jahr wird wohl als das schwächste für den bundesdeutschen Einzelhandel in die Geschichte eingehen", sagte Herrmann Franzen, Präsident des HDE. Gamesmarkt.de fragte Consumer-Electronics-Händler nach ihren Erfahrungen mit der derzeitigen Konjunkturflaute.

"Die Einzelhandelskonjunktur und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind in der Tat unsicher und schwierig. Die Konsumlust der Verbraucher ist unverändert gedämpft, die Anschaffungsneigung bei Verbrauchsgütern insgesamt gesunken und auf niedrigem Niveau", fasst Oliver Haubrich, Geschäftsführer der Electronic-Partner-Gruppe den derzeitigen Stand der Dinge zusammen. Dementsprechend angespannt sei auch die Ertragssituation bei vielen Mitgliedern. Eine Kostenreduktion durch weniger Service ist für EP jedoch keine Option.

Keine Abstriche beim Service

"Für unsere Mitglieder als die serviceorientierten Fachgeschäfte ist der,Service" neben dem EP:Netshop das entscheidende Alleinstellungsmerkmal und wird nicht zurückgefahren, sondern ist wichtiges Merkmal unserer Kommunikationsstrategie zum Endkunden", stellt Haubrich klar. Auch kürzere Ladenöffnungszeiten seien für EP derzeit kein Thema. Der Bereich Consumer Electronics entwickle sich differenziert. "DVD-Player sind nach wie vor eine Warengruppe mit enormer Nachfrage, allerdings spielt hier der (günstige) Preis eine nicht unbedeutende Rolle", erläutert Haubrich. Bei Games entwickle sich der Portablebereich aktuell negativ, dagegen habe der Markt für Heimkonsolenspiele hinsichtlich Menge wie auch Wert zulegen können.

Andere Segmente aus dem klassischen UE- und PC/Multimediabereich sowie der Mobilfunksparte stünden unter Druck und liefen im Vergleich zum Vorjahr negativ. Auch wenn man derzeit aufgrund des wirtschaftspolitischen Umfelds und der Kaufzurückhaltung keine konkreten Prognosen für einen Stimmungswandel abgeben könne, sehe sich EP "auch in diesen schwierigen Zeiten gewappnet". Der Anfang sei schon gemacht: "Leichter Optimismus und der positive Blick nach vorn bestimmen bei den EP-Mitgliedern derzeit das Stimmungsbild", resümiert Haubrich.

Bei PC Spezialist sieht man die Lage nicht so dramatisch wie der HDE. "Sicherlich sind die Kunden sehr zurückhaltend, und die Wachstumsraten von 18 bis 24 Prozent, die wir bisher im IT-Bereich hatten, gehören wohl vorläufig der Vergangenheit an. Dennoch liegen wir derzeit sehr gut im Rennen, denn im Unterschied zum Markt, wo mit 20-prozentigen Einbrüchen gerechnet wird, halten wir uns mit einem Anstieg des Gewinns vor Zinsen und Steuern um 8,4 Prozent im ersten Halbjahr ganz ordentlich", zeigt sich Vorstand Frank Roebers zufrieden. Der Absatz von PCs sei leicht gesunken, dafür würden nun alle Systeme mit DVD-Laufwerken ausgestattet.

Zudem sei die Nachfrage nach Stand-alone-Geräten relativ hoch. "Zieht man als Vergleich das vergangene Jahr heran, kann man von einem Anstieg der DVD-Verkäufe in den Stores ausgehen", so Roebers. Abstriche beim Service oder eine Kürzung der Ladenöffnungszeiten stünden nicht zur Diskussion: "Service und Beratung sind seit jeher unsere Stärken. Sitzende Beratung, kostenlose Parkplätze und die eigene Werkstatt sind ebenso wichtige Serviceleistungen für die Kunden wie die individuelle Konfiguration des Computers. Wir werden den Service auf keinen Fall zurückfahren, sondern eher verstärken", betont Roebers.

Für 2002 rechnet PC Spezialist damit, die Unternehmensziele zu erreichen, das heißt, mit einer Gewinnsteigerung von mehr als 50 Prozent. "Anders als die Politik erwarten wir eine Erholung der Wirtschaft erst im nächsten oder übernächsten Jahr. Wir werden das Weihnachtsgeschäft abwarten und dann sehen, welche Rückschlüsse wir daraus ziehen können", fasst Roebers zusammen.

Beim Onlinehändler Amazon.de ergibt sich eine etwas andere Ausgangslage. Das Marktforschungsinstitut Jupiter prognostiziert von 2002 bis 2006 in Europa bei Internetnutzern einen Anstieg um weitere 33 Prozent, bei Onlineshoppern einen Anstieg um 103 Prozent sowie bei Onlineausgaben ein Wachstum um insgesamt 337 Prozent. "Diese drei Wachstumsfaktoren lassen uns positiv in die Zukunft blicken. Wir erwarten, dass sich der Anteil des Onlinehandels von heute einem Prozent weltweit in den nächsten zehn Jahren auf 15 Prozent erhöhen wird. Amazon wird als führender Onlinehändler von dieser Entwicklung profitieren", so die Prognose von Senior General Manager Thorsten Reuber. Die Entwicklungskurve zeige bereits jetzt steil nach oben: "In den beiden letzten Quartalen sind die internationalen Gesellschaften Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.fr und Amazon.co.jp zusammen um über 70 Prozent gewachsen", berichtet Reuber.

Amazon.de sei im 1. Quartal 2002, kombiniert mit Amazon.co.uk, um über 50 Prozent gewachsen. "Aufgrund der positiven Entwicklung konnten wir unsere Erwartungen für das 3. Quartal 2002 und für 2002 insgesamt weltweit hochsetzen", so Reuber. Dazu trage auch der im April 2000 gestartete DVD-Shop seinen Teil bei. Reuber führt diesen Trend auf die Zentrierung auf den Kunden und das Serviceangebot zurück.

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