US-Gamesbranche wird nachlässiger Jugendschutz vorgeworfen
Die US-Unterhaltungssoftwarebranche ist nach dem neuesten Bericht des National Media Institute ein schwarzes Schaf hinsichtlich Jugendschutz und dessen Einhaltung. Sowohl Handel als auch Industrie wurden durchgehend mit schlechten Noten bewertet.
The National Institute on Media and the Family hat seinen neuesten Jugendschutzbericht für die Unterhaltungssoftwarebranche vorgelegt. Der Report, der von Senator Joseph Lieberman, Institutschef David Walsh und der Kongressabgeordneten Betty McCollum vorgestellt wurde, wirft sowohl Industrie als auch Handel Nachlässigkeiten beim Jugendschutz vor. Insgesamt wurde die Branche mit einem "F" bewertet, der schlechtesten Note im US-amerikanischen Schulsystem. Gründe dafür seien die Zunahme von gewalttätigen Spielen, insbesondere die dargestellte Gewalt gegen Frauen.
Das Ratingssystem des Entertainment Software Rating Boards (ESRB) wurde mit einem "D" bewertet. Trotz der in den letzten Jahren vollzogenen Nachbesserungen bei der Alterseinstufung von Computer- und Videospielen sei es immer noch "störend", dass Kinder und Jugendliche vor Games für Erwachsene nicht im genügenden Ausmaß geschützt würden. Sein Fett weg bekam vor allem Acclaim für seinen Spieletitel "BMX XXX". In diesem Fall sei es unverständlich, dass der Spieletitel vom ESRB nicht mit der Altersfreigabe "AO" (Adults Only) bewertet wurde. Vorwürfe gegen das ESRB gab es auch hinsichtlich der schlechten Schulung des Verkaufspersonals. In einer Telefonumfrage des Instituts gaben nur 77 Prozent der Händler an, das derzeitige Ratingsystem zu verstehen. Im vergangenen Jahr seien es noch 88 Prozent gewesen. Mit einem "F" wurde der Handel hinsichtlich der Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen bewertet. Nur 70 Prozent aller Geschäfte würden sich konsequent an die vorgegebenen Alterseinstufungen halten.
Der Bericht weist allerdings nicht nur Vorwürfe auf, sondern gibt auch konkrete Anweisungen. Im folgenden Auszüge aus dem vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog:
"1. Die Branche muss über ihre bisherigen Lippenbekenntnisse hinaus für ein System einstehen, das Kinder und Jugendliche vor Erwachsenenspielen schützt. Einerseits vom Verkauf von Spielen mit sexuellen und gewalttätigen Inhalten an Kinder und Jugendliche profitieren, andererseits sich als Hersteller von ganzheitlicher Unterhaltung zu profilieren ist inakzeptabel.
Das ESRB muss auf die Kritik reagieren und nochmals deutliche Nachbesserungen an ihrem Ratingsystem vornehmen. Wir werden diese Bemühungen unterstützen und empfehlen der ESRB die Vorreiterrolle in der Schaffung eines unabhängigen, universell einsetzbaren Ratingsystems für Games, Film und Fernsehen zu übernehmen.
Microsoft hat angekündigt, eine Kindersicherung in ihre Spielekonsole Xbox zu integrieren. Wir rufen Sony Computer Entertainment und Nintendo dazu auf, diesem Beispiel zu folgen.
Verkauf- und Verleihhändler, die der Politik zugestimmt haben, Kinder und Jugendliche vor Spielen mit sexuellen und/oder gewalttätigen Inhalten zu schützen, müssen diese Verkaufspolitik auch einhalten.
Verleihhändler sowie unabhängige Händler, die sich bislang dieser Politik verweigert haben, müssen dieser nun Folge leisten.
Eltern sollten sich mehr informieren und Bescheid darüber wissen, welche Spiele ihre Kinder nutzen.
Die Industrie sollte ihre Bemühungen fortsetzen, die Öffentlichkeit über die Alterseinstufungen ihrer Spiele aufzuklären.
Das Advertising Review Council (Werbeaufsicht) sollte weitere Richtlinien für das Marketing und die Bewerbung aufstellen."
Der Bericht des National Institute umfasst auch zwei Spielelisten mit Empfehlungen an die Eltern. Zu den Top 10 derjenigen Spiele, die Eltern für ihre Kinder auf keinen Fall kaufen sollten, gehören "BMX XXX", "Grand Theft Auto: Vice City", "Dead To Rights", "Blood Rayne", "Run Like Hell", "Hunter - The Reckoning", "Hitman 2 - Silent Assassin", "TimeSplitters" und "Whacked!".
Zu den "Good Games" gehören "Animal Crossing", "Sly Cooper and the Thievius Raccoonus", "Super Mario World: Super Mario Advance 2", "Harry Potter und die Kammer des Schreckens", "RollerCoaster Tycoon", "Mario Party 4", "I Spy Challenger", " Ty The Tasmanian Tiger", "Yoshi's Island: Super Mario Advance 3" und "Blinx - The Time Sweeper".